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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hebraismus; Hebras flüssige Teerseife; Hebrasche Bleisalbe; Hebriden

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Hebraismus - Hebriden.

formen, Perfektum und Imperfektum; dann einen Imperativ, Infinitiv und ein Partizipium, durch welche wie auch durch Umschreibung alle Formen gebildet werden. Das Nomen (mit zweifachem Geschlecht) ist meistens vom Verbum abzuleiten und wird durch Präfixe und Suffixe, durch eine Art Genitivbezeichnung (status constructus) in seine verschiedenen Beziehungen gebracht. Die Syntax der hebräischen Sprache ist um so wichtiger, da die Wortgestalt nicht immer vollkommen ausgebildet ist und der richtige Sinn des Textes sich nur durch ein genaues Beobachten des Wortes in seiner Stellung und Ordnung im Satz ergibt.

Was die grammatische Bearbeitung der hebräischen Sprache anbelangt, so liegen die umfangreichsten Erklärungen im Talmud und Midrasch vor (vgl. A. Berliner, Beiträge zur hebräischen Grammatik im Talmud und Midrasch, Berl. 1879). In der Zeit zwischen dem Abschluß des Talmuds und der grammatischen Bearbeitung der Sprache (10. Jahrh.) ward die Bibel vokalisiert, mit Accenten versehen und die Sammlung kritischer Bemerkungen, die sogen. Massora (s. d.), veranstaltet, die allen spätern Bibeltexten zu Grunde liegt. Als Verfasser grammatischer, lexikalischer und exegetischer Schriften sind zu nennen: Rabbi Saadja (gest. 942), der den frühsten lexikalischen Versuch machte; Rabbi Jehuda Chajjug (arab. Abu-Zakarja-Jachja) um 1000; Rabbi Jona (arab. Abu'-l-Walid Marwan ibn Ganach) um 1030; Rabbi Menachem ben Seruk (zu Anfang des 11. Jahrh.), Verfasser eines Wörterbuchs nach Anordnung der Stämme; Rabbi Jehuda ibn Koreisch; Rabbi Salomo Parchon; die Familie Kimchi, deren bedeutendstes Glied, Rabbi David Kimchi um 1200), Verfasser des "Wurzelbuchs" war; Rabbi Joseph Kaspi und Efodi; Raschi, d. h. Rabbi, Salomo ben Isaak (gest. 1105); Rabbi Abraham ibn Esra (gest. 1168); Rabbi David Kimchi und Tanchum aus Jerusalem, bedeutende Exegeten; Elia Levita (gest. 1549), der Lehrer von Fagius und Münster, ein scharfsinniger und bedeutender Grammatiker und Lexikograph; Rabbi Salomo ben Melech (16. Jahrh.) u. a. Das Studium der hebräischen Sprache ging am Ausgang des 15. und Anfang des 16. Jahrh., durch die Reformation gefördert, von der jüdischen Überlieferung beeinflußt, zu den Christen über und fand in Reuchlin (gest. 1522) einen würdigen Vertreter, dessen Arbeiten jedoch von den vollkommnern Sebastian Münsters (gest. 1552) und Johann Buxtorfs (gest. 1629) verdrängt wurden. Eine neue Ära für das Hebräische begann mit der Erforschung der semitischen Schwestersprachen. Zunächst wußten A. Schultens (gest. 1750) und Nik. Wilh. Schröder (gest. 1798), die Repräsentanten der sogen. holländischen Schule, das Arabische für die hebräische Forschung zu benutzen; in der Folge nahmen besonders die deutschen Grammatiker auch andre Idiome, namentlich das Aramäische und Altarabische, zur Erklärung der hebräischen Spracherscheinungen zu Hilfe. Besondere Verdienste haben sich in unserm Jahrhundert Gesenius, Ewald und J. Olshausen um die h. S. erworben.

Als die vorzüglichsten Grammatiken sind zu nennen: Ewald, Ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache (8. Aufl., Götting. 1870), und dessen kleinere Grammatik (4. Aufl., das. 1874); Gesenius, Grammatisch-kritisches Lehrgebäude der hebräischen Sprache (Leipz. 1817, 2 Bde.); Derselbe, Hebräische Grammatik (24. Aufl., neu bearbeitet von E. Kautzsch, das. 1885); J. Olshausen, Lehrbuch der hebräischen Sprache (Braunschw. 1861); Böttcher, Ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache (hrsg. von F. Mühlau, Leipz. 1866-68, 2 Bde.); A. Müller, Hebräische Schulgrammatik (Halle 1878); B. Stade, Lehrbuch der hebräischen Grammatik (1. Teil, Leipz. 1879); König, Historisch-kritisches Lehrgebäude der hebräischen Sprache (das. 1881). Von lexikalischen Werken verdienen Hervorhebung: Gesenius, Thesaurus linguae hebraicae (vollendet von Rödiger, Leipz. 1829-58, 3 Bde.); Derselbe, Handwörterbuch (9. Aufl. von Mühlau und Volck, das. 1883; lateinische Ausg., 2. Aufl. 1846); Fürst, Handwörterbuch (3. Aufl. von Ryssel, das. 1876). Die Geschichte der hebräischen Sprache behandelten Gesenius, Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift (Leipz. 1815); Ewald und Dukes, Beiträge zur Geschichte der ältesten Auslegung und Spracherklärung des Alten Testaments (Stuttg. 1844, 3 Bde.); Renan, Histoire et système des langues sémitiques, Bd. 1. (4. Aufl., Par. 1864), und L. Geiger, Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland vom Ende des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts (Bresl. 1870). Vgl. Steinschneider, Bibliographisches Handbuch über die Litteratur der hebräischen Sprachkunde (Leipz. 1859).

Hebraismus, die ältere hebräische Religionslehre im Gegensatz zum Judaismus oder zum spätern Religionssystem der Juden; dann alles, was in stilistischer und syntaktischer Beziehung aus der hebräischen Sprache in der Schreibart der Hellenisten (s. d.), insonderheit des Neuen Testaments, übergegangen ist. Hebraisieren, nach dem Hebräischen formen, modeln.

Hebrasche Bleisalbe, s. Bleisalben.

Hebras flüssige Teerseife, s. Kaddigöl.

Hebriden (bei den Schotten auch Western Islands genannt), Gruppe von 521 Inseln und Inselchen an der Westküste Schottlands, im Atlantischen Ozean, die sich vom Firth of Clyde bis zur äußersten Spitze von Lewis (58° 28' nördl. Br.) hinziehen und insgesamt einen Flächenraum von 7555 qkm (137,2 QM.) umfassen. Eingeteilt werden dieselben in äußere und innere H. Die äußere oder westliche Gruppe, auch Long Island genannt, bildet eine zusammenhängende, von NO. nach SW. gerichtete Kette von Inseln, die sich nach S. zu verkleinern. Sie ist durch den Nord- oder Großen Minch vom Festland, durch den Kleinen Minch von der Insel Skye geschieden. Die Inseln sind von Gneis gebildet, mit steilen Küsten, tief eindringenden Meeresarmen und zahlreichen kleinen Seen. Sie sind baumlos, meist mit Heidekraut überzogen und erreichen im Clesham auf Lewis mit 811 m ihren Kulminationspunkt. Die Bewohner (1871: 42,108, 1881: 45,842) bedienen sich fast ausschließlich der gälischen Sprache und sind auf Süd-Uist und Barra katholisch. Sie beschäftigen sich mit spärlichem Bau von Gerste und Hafer, vorwiegend aber mit Fischerei und Vogelfang (besonders der Eidergänse). Die bedeutendste dieser Inseln ist Lewis (mit 28,339 Einw.); südlicher liegen Nord-Uist, Benbecula, Süd-Uist und die Barrainseln, westlich die sieben kleinen Flannaninseln und in größerer Entfernung, mitten im Ozean, St. Kilda. Die innern H. sind eigentliche Gestadeinseln, schließen sich in ihrem geologischen Bau, bei Vorwalten eruptiver Bildungen und von Urschiefer, den schottischen Hochlanden an und bieten bei größerer Mannigfaltigkeit ihrer Oberfläche auch reichere Hilfsquellen. Auch ihre Bewohner (1871: 56,268, 1881: 54,179) bedienen sich meist des Gälischen und sind auf Eigg und Canna dem katholischen Glauben treu geblieben. Zu ihnen gehören Skye, die größte der H. (16,889 Einw.),