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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heinrich

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Heinrich (deutsche Kaiser: H. IV.).

ten die Fürsten eine neue Verschwörung und zwangen auf einem Reichstag zu Tribur 1066 H., sich von Adalbert zu trennen und ihnen die Reichsverwaltung zu überlassen. Während diese nun das Reich eigennützig regierten und die Verwirrung steigerten, ergab sich der junge König, durch die erlittene Demütigung erbittert, einem zügellosen Lebenswandel. Die Fürsten zwangen ihn daher 1066 zur Vermählung mit Bertha, der Tochter des Markgrafen von Susa, und legten ihm sehr beengende Fesseln für sein öffentliches und privates Leben an. H. machte den Versuch, sich von der Vormundschaft der Fürsten und der lästigen Ehe zu befreien. Er trug 1069 auf Scheidung der Ehe an, aber die Fürsten, unterstützt durch einen päpstlichen Legaten, zwangen ihn, seine Gattin zu behalten; widerwillig fügte er sich, und nach und nach entstand auch ein gutes Verhältnis zwischen den Gatten; er begegnete ihr, seit sie ihm einen Sohn geboren hatte (1071), mit Achtung. Überhaupt begann H. 1070 einen eignen Willen zu zeigen. Er zog Adalbert wieder an seinen Hof und in sein Vertrauen. Sodann machte er seine Macht gegen die wiederholt widerspenstigen Fürsten geltend. Den Herzog Otto von Bayern klagte er an, einen Mordanschlag gegen ihn gemacht zu haben, und erklärte ihn, als er vor dem Reichstag zu Mainz nicht erschien, seines Herzogtums (welches Wels erhielt) für verlustig, verwüstete seine Güter in Thüringen und hielt ihn nach einer scheinbaren Aussöhnung an seinem Hof gewissermaßen gefangen. Herzog Magnus von Sachsen, der Verbündete Ottos, hatte dasselbe Schicksal. Demselben Los entging der schon verdächtig gewordene Herzog Rudolf von Schwaben nur mit Mühe. König H. zeigte den entschiedensten Willen, die selbständigen Herzöge unter das Königtum zu beugen, und war entschlossen, den Widerspruch derselben mit Absetzung zu bestrafen. So wurde damals dem Herzog Berthold von Kärnten sein Herzogtum genommen. Um seine Herrschaft zu sichern, legte H. vorzüglich in Sachsen und Thüringen viele feste Schlösser an, durch deren Besatzungen er die Umwohner im Zaum halten konnte. Die Thüringer zwang er zur Entrichtung des Zehnten an Mainz. Von den erbitterten Fürsten und Bischöfen, besonders Otto von Nordheim, aufgereizt, empörten sich 1073 die Sachsen. Es gelang, den König in der Harzburg einzuschließen. Zwar entkam er aus derselben, aber die Weigerung der meisten weltlichen und geistlichen Großen, ihm beizustehen, nötigte ihn, Unterhandlungen anzuknüpfen, die zum Frieden von Gerstungen (1074) führten, nach welchem über Ottos Sache binnen Jahresfrist ein Fürstengericht entscheiden und die Zwingburgen sämtlich zerstört werden sollten. Es war eine Demütigung des Königtums durch die Fürsten, welche H. nicht ertragen konnte; er brachte die Mittel zusammen, diese Schmach zu rächen. Das kirchenschänderische Verhalten der Sachsen bei der Zerstörung der Harzburg gab ihm die Waffen in die Hand. 1075 rüstete er ein Heer aus, besiegte die Sachsen 9. Juni bei Hohenburg an der Unstrut und bewilligte ihnen erst nach bedingungsloser Unterwerfung den von ihnen nachgesuchten Frieden. Mit gerechter Strafe belegte er jetzt die Fürsten und die Geistlichen, welche am Aufstand sich beteiligt hatten.

Mit großer Machtfülle schien also 1075 das deutsche Königtum durch H. aufs neue bekleidet zu sein. Selbstverständlich hatte sich aber H. durch sein schneidiges Auftreten viele Gegner gemacht. Er war heftig, jähzornig und rachsüchtig; er hielt an seinen Hoheitsrechten wider geistliche und weltliche Fürsten fest. In Sachsen wurde er grimmig gehaßt. Die Herzöge, besonders Rudolf von Schwaben, fürchteten sein gewaltsames Verfahren, und das Papsttum, das unter Hildebrands Leitung während der Jugend Heinrichs 1056-1070 die Weltherrschaft an sich zu reißen begonnen hatte, war jetzt besorgt vor des Königs kräftigem Auftreten. Gregor VII. war der Meinung, mit den deutschen Unzufriedenen vereint den König unter seine Herrschaft beugen zu müssen. So begann er 1075 sich in die deutschen Dinge direkt einzumischen. Er legte sein Fürwort für die Sachsen ein, forderte Freilassung der gefangenen Geistlichen; auch das Investiturverbot, das er 1075 erlassen, verlangte er von H. beachtet zu sehen; das königliche Ernennungsrecht der Bischöfe, an welchem H. mit vollem Recht und mit klarer Erkenntnis der Bedeutung festhielt, wurde nun das Objekt des Kampfes zwischen Königtum und Papsttum. Nachdem Gregor schon einigemal mildere Zuschriften an H. erlassen, ließ er im Dezember 1075 ein Schreiben an H. ergehen, das eine Menge von Anklagen gegen H. aufhäufte und in schroffem Ton sofortige Beweise seines Gehorsams gegen die Kirche forderte. Dies reizte die Heftigkeit des Königs, er nahm den Kampf an; 24. Jan. 1076 auf einer Versammlung in Worms wurde der Papst für abgesetzt erklärt. Gregor sprach darauf den Bann über H. (22. Febr. 1076) aus und entband die Völker des Gehorsams gegen ihn. H. spottete zwar anfangs darüber, aber im Sommer 1076 gewannen des Papstes Manifeste, lebhaft unterstützt durch eine zahlreiche Litteratur aus den Kreisen fanatischer Mönche, in Deutschland Anhang; die früher schon zur Rebellion geneigten Herzöge und Fürsten schlugen sich auf des Papstes Seite. Ein Fürstentag in Tribur bestimmte im Oktober 1076, daß die Sache des Königs im Februar 1077 auf einem Reichstag in Augsburg unter dem Vorsitz des Papstes entschieden werden und er sich bis dahin der Regierung enthalten solle. Von allen Mitteln entblößt, fügte H. sich diesem Spruch, beschloß aber, seiner von den Fürsten beabsichtigten schmachvollen Demütigung auf dem Reichstag dadurch zuvorzukommen, daß er vorher seine Loslösung vom Bann erwirkte, und begab sich daher im Winter 1077, nur von seiner Gemahlin und seinem Sohn begleitet, bei strenger Kälte nach Italien. Er traf den Papst im Schloß Canossa bei der Markgräfin Mathilde und mußte drei Tage lang (25.-27. Jan. 1877) barfuß und in härenem Gewand im Hof des Schlosses auf die Gnade des hartherzigen Papstes warten, der erst am vierten Tag (28. Jan.) dem Drängen seiner Umgebung nachgab: es ward der Bann von H. genommen gegen sein Versprechen, den deutschen Fürsten Genugthuung zu leisten. H. schwur Gehorsam, faßte aber alsbald, von den lombardischen Großen noch mehr aufgeregt, den Plan, die erlittene Schmach zu rächen. Die deutschen Fürsten selbst gaben ihm dazu Gelegenheit. Denn da sie trotz Heinrichs Befreiung vom Bann unterdes auf dem Fürstentag zu Forchheim den Herzog Rudolf von Schwaben zum deutschen König gewählt hatten, kehrte H. nach Deutschland zurück, gewann hier schnell die Volksgunst wieder und sammelte aus den Bürgern der Städte sowie aus dem Landvolk Bayerns, Böhmens und Kärntens bald ein ansehnliches Heer. Zwar fielen die Schlachten bei Mellrichstadt 1078 und bei Zeitz 1080 zu Heinrichs Nachteil aus; aber Rudolf starb kurz nach der letzten Schlacht an seinen Wunden, und so stand H. wieder als alleiniger Herrscher da. Allerdings hatte ihn der Papst aufs neue in den Bann gethan, aber zwei Versammlungen deutscher