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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hellenisten; Hellenomanie; Hellenotamien; Heller; Hellespont; Hellevoetsluis; Hellgatt

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Hellenisten - Hellgatt.

Hellenisten, früher (speziell im Neuen Testament) Bezeichnung der unter griechisch redenden Völkern der nachklassischen Zeit zerstreut lebenden und das hellenistische Idiom (s. Hellenismus) sprechenden Juden; jetzt Bezeichnung der gelehrten Kenner der altgriechischen Sprache.

Hellenomanie (griech.), s. v. w. Gräkomanie.

Hellenotamien (griech.), Finanzbehörde zu Athen, welche die Kasse des Bundes, den das zur Hegemonie gelangte Athen vornehmlich auf Betrieb des Aristeides 476 v. Chr. errichtet hatte, zu verwalten, demgemäß die Beiträge der Bundesgenossen (460 Talente) in Empfang zu nehmen und im Schatz, der anfangs zu Delos, dann seit 454 zu Athen aufbewahrt wurde, niederzulegen hatte. 403 v. Chr. wurden die H. abgeschafft.

Heller (eigentlich Haller), frühere deutsche Kupfermünze vom Wert eines halben Pfennigs, nach der Stadt Hall in Schwaben benannt, wo seit etwa 1228 silberne Pfennige (Häller Pfennige) geprägt wurden. Die H. wurden allmählich so verschlechtert, daß sie aufhörten, Silbermünze zu sein. Man unterschied weiße, rote und schwarze H.; auf den Reichsthaler rechnete man 576 H. In Kurhessen wurde der Silbergroschen in 12 H. eingeteilt, so daß der H. dem preußischen Pfennig gleich war. Dreiheller waren kupferne 1½-Pfennigstücke, die im Sachsen-Gothaischen geprägt wurden.

Heller, 1) Joseph, Kunstschriftsteller und Kunstsammler, geb. 22. Sept. 1798 zu Bamberg, besuchte das dortige Gymnasium und widmete sich sodann dem Kaufmannsstand, später aber dem Studium der Kunstgeschichte. Nachdem er mehrere große Reisen gemacht, lebte er als Privatgelehrter zu Bamberg, wo er 4. Juni 1849 starb. H. war im Besitz einer bedeutenden Kupferstichsammlung und einer schönen Sammlung von Altertümern. Er schrieb: "L. Cranachs Leben und Wirken" (Bamb. 1821; 2. Aufl., Nürnb. 1854); "Geschichte der Holzschneidekunst" (das. 1822); "Handbuch für Kupferstichsammler, oder Lexikon der vorzüglichsten Kupferstecher etc." (das. 1823-36, 3 Bde.; 2. Aufl. 1850; neue Bearbeitung von Andresen und Wessely, Leipz. 1870-74); "Das Leben und die Werke Albrecht Dürers", von dem nur der 2. Band (das. 1827-31, 3 Tle.) erschien; "Monogrammenlexikon" (Bamb. 1831); "Das Leben Georg Erlingers" (das. 1837); "Die gräflich Schönbornsche Gemäldesammlung" (das. 1845); auch gab er "Zusätze zu Bartsch' Peintre-graveur" heraus (Nürnb. 1854). Seine Sammlungen und Manuskripte sind in den Besitz der königlichen Bibliothek zu Bamberg übergegangen. Vgl. Leitschuh, J. H. in seiner Bedeutung für die Kunstgeschichte (Bamb. 1876).

2) Robert, Romanschriftsteller, geb. 24. Nov. 1812 zu Großdrebnitz bei Stolpen in Sachsen, studierte zu Leipzig die Rechte, wurde 1835 Accessist beim Kriminalgericht, vertauschte jedoch bald diese Laufbahn mit der litterarischen. Er gründete 1838 die Zeitschrift "Rosen", 1842 einen Almanach: "Perlen", die er beide bis 1848 herausgab. Im letztern Jahr siedelte er nach Frankfurt über, wo er als Publizist und Berichterstatter aus der Paulskirche thätig war. Seine anonym erschienenen "Brustbilder aus der Paulskirche" (Leipz. 1849, 2 Tle.) wurden vom Publikum mit großem Interesse aufgenommen. Ende September 1849 übernahm er die Redaktion der "Deutschen Zeitung", nach deren Eingehen im Sommer 1850 er nach Berlin und später nach Hamburg übersiedelte, wo er seit 1851 das Feuilleton der "Hamburger Nachrichten" redigierte und 7. Mai 1871 starb. Von seinen zahlreichen Novellen und historischen Romanen sind als die vorzüglichsten zu erwähnen: "Alhambra", spanische Novellen (Altenb. 1838); "Novellen aus dem Süden" (das. 1841-42, 3 Bde.); "Eine neue Welt" (das. 1844, 2 Bde.); "Der Prinz von Oranien" (Leipz. 1843, 3 Bde.); "Das Erdbeben von Caracas" (das. 1844, 2. Aufl. 1846); "Florian Geyer" (das. 1848, 3 Bde.); "Der Reichspostreiter von Ludwigsburg" (Frankf. 1857); "Das Geheimnis der Mutter" (das. 1859); die in der klassischen Zeit Weimars spielende Novelle "Hohe Freunde" (Leipz. 1862); "Posenschrapers Thilde" (das. 1863), ein Roman, welcher die bürgerlichen Wirren Hamburgs im 17. Jahrh. zum Gegenstand hat, und "Primadonna, Roman aus der kursächsischen Vergangenheit" (Berl. 1871, 2 Bde.). Nach seinem Tod erschienen "Nachgelassene Erzählungen" (hrsg. von Laube, Brem. 1874, 5 Bde.). H. erweist sich in allen diesen Werken als ein frischer, lebendiger Erzähler, doch ohne eigentliche poetische Gestaltungskraft und psychologische Vertiefung.

3) Stephen, Klavierspieler und Komponist, geb. 15. Mai 1814 zu Pest, erhielt seine musikalische Bildung hier sowie später in Wien, wo er sich bereits in seinem 13. Jahr in öffentlichen Konzerten hören ließ, unternahm 1828 eine größere Kunstreise durch Ungarn, Polen und Deutschland und ließ sich sodann für längere Zeit in Augsburg nieder, wo er sich, durch Robert Schumann veranlaßt, mit Eifer der Komposition zuwandte. Seit 1838 lebt er in Paris, mit Komposition und Klavierunterricht beschäftigt. H. nimmt unter den heutigen Vertretern des Klaviers eine der ersten Stellungen ein. Seine Kompositionen für dies Instrument, mehr als 140 Werke, bestehend in Sonaten, Etüden, Charakterstücken, Transskriptionen etc., dürfen in Bezug auf Originalität, Adel der Empfindung sowie die auf vollkommen klaviermäßige Schreibweise begründete Wirksamkeit denen eines Chopin und Liszt zur Seite gestellt werden und haben wie diese in den Händen der Virtuosen wie der Pädagogen zur Hebung des Kunstgeschmacks wesentlich beigetragen. Vgl. Barbedette, St. H. (Par. 1876).

4) Seligmann, Dichter und Journalist, geb. 8. Juli 1831 zu Raudnitz in Böhmen, war mehrere Jahre hindurch in Prag als Lehrer an der Handelsakademie und als Mitarbeiter der "Bohemia" thätig, ging 1873 nach Wien, wo er in die Redaktion der "Deutschen Zeitung" eintrat, und ist zur Zeit Professor an der Handelsakademie daselbst. Seine poetischen Arbeiten: "Ahasverus", ein Epos, das die Wanderung des Ewigen Juden durch die Geschichte der Menschheit schildert (Leipz. 1866, 2. Aufl. 1868), "Die letzten Hasmonäer" (Prag 1865) und ein Band "Gedichte" (Wien 1872) bekunden außerordentliches Formtalent und eine tiefere, ernste Natur, leiden aber unter dem Übergewicht der Reflexion.

Hellespont (Hellespontos, "Meer der Helle", s. Helle), antiker Name der Dardanellenstraße (s. Dardanellen), deren engste, nur 7 Stadien breite Stelle (zwischen den Städten Sestos und Abydos) vom persischen König Xerxes behufs des Überganges aus Asien nach Griechenland überbrückt ward. Dieselbe Stelle war im Altertum berühmt durch die Sage von Hero und Leander (s. d.) und wurde 1810 von Lord Byron in Erinnerung daran in 1 Stunde 10 Minuten durchschwommen.

Hellevoetsluis, s. Helvoetsluys.

Hellgatt, der untere Raum des Vorschiffs in Kriegsschiffen, abgeteilt zur Aufbewahrung von Ausrüstungssachen.