Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Henne der Pharaonen; Henneberg; Hennebont; Hennef; Hennegau

381

Henneberg - Hennegau.

Diplomatische Geschichte des gräflichen Hauses H. (Hildburgh. 1788-91, 2 Tle.

Henneberg, 1) Johann Wilhelm Julius, Agrikulturchemiker, geb. 10. Sept. 1825 zu Wasserleben in der Grafschaft Stolberg-Wernigerode, studierte seit 1842 am Collegium Carolinum zu Braunschweig, seit 1845 in Jena und 1846 in Gießen in Liebigs Laboratorium physiologische Chemie. In der Absicht, sich der Agrikulturchemie zuzuwenden, widmete er die folgenden Jahre einer genauern Einsicht in den landwirtschaftlichen Betrieb und die landwirtschaftlichen Gewerbe, unterrichtete an der Ackerbauschule Badersleben und unternahm eine Studienreise nach England. Nach einjährigem Aufenthalt in Braunschweig als Sekretär des dortigen Landwirtschaflichen ^[richtig: Landwirtschaftlichen] Vereins und Redakteur der "Vereins-Mitteilungen" ging er 1852 als Sekretär der Königlich hannöverschen Landwirtschaftsgesellschaft nach Celle, begründete dort 1853 das "Journal für Landwirtschaft" und eröffnete ein Laboratorium zur Ausführung chemischer Arbeiten im Interesse der hannöverschen Landwirtschaft. 1857 siedelte er als Vorstand der neugegründeten Versuchsstation Weende-Göttingen dahin über, und 1865 wurde er, unter Beibehaltung seiner Stellung zur Versuchsstation, Professor an der Universität Göttingen. Hennebergs bahnbrechende Thätigkeit, durch welche er der Begründer der neuen landwirtschaftlichen Fütterungslehre geworden ist, begann in Weende, als die von Liebig ausgehenden Anregungen die ganze bisherige Landwirtschaftslehre in Frage stellten. Er wies nun die Nichtigkeit der Lehre vom Heuwert nach und drängte auf eine Reorganisation der Fütterungslehre von Grund aus hin. Die Ausbildung der Versuchsmethoden und der chemischen Analyse der Futterstoffe wurde mit solchem Erfolg kultiviert, daß die Weender Methoden bald überall maßgebend wurden. Der nach Pettenkoferschem Prinzip in Weende erbaute Respirationsapparat ermöglichte die Bearbeitung der höchsten Aufgaben der Fütterungschemie. Diese Aufgaben wurden mit größter Schärfe präzisiert und eine vollständige Beherrschung der tierischen Produktion, soweit dieselbe von der Ernährung abhängig ist, durch Aufstellung eines eigentümlichen Versuchsplans angebahnt. Er schrieb: "Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer" (Braunschw. 1860-64, 2 Hefte), denen "Neue Beiträge" (Götting. 1870-71) folgten, und zahlreiche Artikel im "Journal für Landwirtschaft".

2) Rudolf, Maler, geb. 13. Sept. 1825 zu Braunschweig, studierte in Göttingen und Heidelberg die Rechte und arbeitete ein Jahr als Auditor in Braunschweig. Im Frühjahr 1850 jedoch ging er nach Antwerpen, um sich in der Malerei auszubilden, und beschloß endlich, nachdem er die dortige Akademie 1½ Jahr besucht, den Staatsdienst ganz aufzugeben. Er ging nach Paris, arbeitete dort kurze Zeit im Atelier Coutures und begann alsdann eigne Kompositionen auszuarbeiten, wobei er großen Wert auf landschaftliche Studien legte. 1857 trug ihm sein wilder Jäger (1856, Berliner Nationalgalerie) nach Bürger, mit welchem er zuerst sein eigentliches Stoffgebiet, das einer wilden, leidenschaftlich-düstern Romantik, betrat, auf der Pariser Ausstellung eine Medaille ein. Von einem ähnlichen Geist ist der Verbrecher aus verlorner Ehre nach Schillers Novelle (1860, Berliner Nationalgalerie) erfüllt. 1861 ging H. nach Italien, wo er sich zwei Jahre, besonders in Rom, aufhielt und sein Kolorit durch das Studium Tizians zu größerm Reichtum entfaltete. Von 1863 bis 1865 hielt er sich in München, von 1866 bis 1873 in Berlin auf, woselbst er in der Jagd nach dem Glück (1868, Nationalgalerie in Berlin) seine reifste Komposition schuf, welche seinen Namen populär gemacht hat. Durch die Ereignisse von 1870/71 angeregt, malte er dann einen Cyklus von Wandgemälden patriotischen Inhalts für die Warschauersche Villa in Charlottenburg. 1873 ging er wieder nach Rom, wo er bis 1876 blieb und eine Reihe von Reiter- und Jägerbildern schuf, deren Hintergrund die römische Campagna bildet. Neben seiner Neigung zum Phantastischen und zur Romantik reizte ihn vornehmlich die Darstellung des Pferdes, in welcher er eine große Meisterschaft erreicht hatte. Im Kolorit anfangs von Rubens und Tizian ausgehend, arbeitete er sich zuletzt zu einer sonnigen Klarheit und heitern Ruhe hindurch. Er starb 14. Sept. 1876 in Braunschweig.

Hennebont (spr. enn'bóng), Stadt im franz. Departement Morbihan, Arrondissement Lorient, am Blavet, nahe dem Ozean und an der Eisenbahn von Nantes nach Brest gelegen, hat eine schöne Kirche (Notre Dame de Paradis) aus dem 16. Jahrh., mit gotischem Turm, Reste von Befestigungswerken, einen Flußhafen, (1881) 3471 Einw., Sägewerke, Schiffbau und Seebäder. H. war vom 14. bis 16. Jahrh. eine wichtige Festung der Bretagne und wurde wiederholt belagert und genommen. Vor der Stadt befinden sich Reste der alten Abtei Notre Dame de la Joie.

Henne der Pharaonen, s. Geier.

Hennef, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Köln, Siegkreis, an der Sieg und an der Linie Deutz-Gießen der Preußischen Staatsbahn, von welcher hier die schmalspurige Brölthalbahn (Linie H.-Waldbröl) abgeht, hat ein Amtsgericht, eine kath. Kirche, Maschinenfabrikation und (1885) 450 Einw.

Hennegau (lat. Hannonia, franz. le Hainaut, nach dem Flüßchen Haine benannt), ehemalige Grafschaft im nordwestlichen Deutschland, eine der 17 Provinzen der alten vereinigten Niederlande, in dem wallonischen Teil derselben, gegenwärtig teils zu Belgien, teils zu Frankreich gehörig, grenzte an Flandern und Artois, das Gebiet von Cambrai, die Picardie und Champagne, das Stift Lüttich und die Grafschaft Namur. H. gehörte in der altrömischen Zeit zur Silva carbonaria und war die Heimat der Nervier. Seit der Mitte des 9. Jahrh. war es im Besitz eines mächtigen Grafengeschlechts, der Reginar (Rainer), die unter den Frankenkönigen standen, und von denen mehrere auch das Herzogsamt in Niederlothringen verwalteten. Richilde, die Erbtochter Reginars V., der 1030 ohne männliche Erben starb, brachte die Grafschaft an ihren Gemahl, den Grafen Balduin VI. von Flandern, der sich in H. Balduin I. nannte. Die Grafschaft war von alters her Allod und nur die gräfliche Gerichtsbarkeit sowie die zugehörige Abtei Mons Reichslehen. 1070 erwarb der Bischof Theodwin von Lüttich die Lehnshoheit über die Allode und 1071 über die Reichslehen des Grafen in H., wodurch letzterm die Reichsunmittelbarkeit verloren ging. Balduin V. von H. vereinigte zum zweitenmal durch Heirat mit Margarete von Elsaß und Flandern 1191 beide Grafschaften, Flandern (mit Namur) und H., miteinander. Balduin VI. (IX. von Flandern), ein Sprößling dieser Ehe, wurde 1204 erster lateinischer Kaiser zu Konstantinopel; seine Erblande fielen zuerst an seine älteste Tochter, Johanna, dann 1244 an deren Schwester Margarete, die zuerst mit Burchard von Avesnes und dann mit Wilhelm von Dampierre vermählt war. Im J. 1246 wurde den Kindern erster Ehe H., denen zweiter Ehe Flandern zugeteilt. Zwischen den Söhnen aus beiden Ehen kam es nun zu langwierigen Kam-^[folgende Seite]