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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herablassung; Heracleum; Heraclianus; Heräen; Heraklea; Herakleides Pontikos; Herakleische Tafel; Herakleitos

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Herablassung - Herakleitos.

ben. H. erschien hier auf reich geschmücktem Thron sitzend, die Stirn mit einem Diadem geschmückt, worauf die Chariten und Horen im Relief gebildet waren; in der einen Hand hielt sie einen Granatapfel, in der andern das Zepter, worauf der Kuckuck saß. Die Strenge dieser ältern Auffassung ist noch bewahrt in dem Farnesischen Herakopf in Neapel (Fig. 1), während jüngere Werke mehr das Frauenhafte oder Königliche in der Göttin betonen. Beides ist aufs schönste vereinigt in dem vielbewunderten, von einer Kolossalstatue stammenden Kopf der H. Ludovisi in Rom (Fig. 2). Unter den statuarischen Darstellungen sind die bedeutendsten: die Barberinische Juno im Vatikan zu Rom (Fig. 3) und ein Marmortorso von Ephesos in Wien; erstere gibt das Motiv der H. Teleia (Juno Pronuba), deren berühmtestes Bild Praxiteles für Platää geschaffen hatte. Eine eigentümliche Gestaltung der Göttin, die aber die Kunst wenig beschäftigt hat, ist die H. Eileithyia (Juno Lucina). Unter den Mythen der H. ist derjenige von der heiligen Hochzeit (hieros gamos) mit Zeus am häufigsten behandelt worden. Vgl. Schömann, Das Ideal der H. (Greifsw. 1847); Roscher, Studien zur vergleichenden Mythologie, Heft 2 (Leipz. 1875); Förster, Die Hochzeit des Zeus und der H. (Bresl. 1867). Der gesamte Kreis der Heradenkmäler ist zusammengestellt in Overbecks "Griechischer Kunstmythologie", 2. Buch: H. (Leipz. 1873, mit Atlas).

Herablassung kommt mit der Artigkeit (s. Artig) darin überein, daß in beiden Fällen der niedriger Gestellte als gleichstehend behandelt wird, unterscheidet sich aber von dieser dadurch, daß der Artige den Unterschied der Stellung vor dem andern zu verbergen, der Herablassende denselben hervorzukehren sucht.

Heracleum L. (Bärenklau, Heilkraut), Gattung aus der Familie der Umbelliferen, Stauden mit lappigen, fiederteiligen Blättern, weiten Blattscheiden, vielstrahligen Dolden, hinfälligen Hüllen, vielblätterigen Hüllchen und flacher, breitrandiger Frucht. H. sphondylium L. (gemeiner, unechter oder deutscher Bärenklau), 30-60 cm hoch, mit großen, rauhhaarigen, tief fiederspaltigen Blättern, liefert in den jungen Blättern sehr gutes Futter, auch Gemüse und war früher wie die Wurzel offizinell. H. sibiricum L., 2,5-3 m hoch, mit 60 cm langen Wurzelblättern und fast 30 cm im Durchmesser haltenden Dolden, ist als sibirisches Futterkraut kultiviert worden, doch bald wieder verschwunden. Es liefert auf gutem Boden viel Blattwerk, welches aber gestampft und gebrüht werden muß. Diese, wie auch einige andre Arten, von denen manche riesige Dimensionen erreichen, wird auf Rasenplätzen als Zierpflanze kultiviert.

Heraclianus, Feldherr des weström. Kaisers Honorius und Mörder Stilichos, wurde zum Lohn dafür Präfekt von Afrika. Hier warf er sich zum Alleinherrscher auf und rüstete eine bedeutende Seemacht aus, ward aber geschlagen, auf der Flucht gefangen und auf des Kaisers Befehl (413 n. Chr.) enthauptet.

Heräen, solennes Fest zu Ehren der Hera, besonders zu Argos alle fünf Jahre mit Wettkämpfen begangen und zwar bis in die Kaiserzeit hinein. Die Priesterin fuhr auf einem von vier weißen Rindern gezogenen Wagen nach ihrem Tempel (s. Heräon), während das Volk in feierlicher Prozession, die streitbare Mannschaft in Waffen sie begleitete. An ein großes Stieropfer schlossen sich ein allgemeiner Opferschmaus und Wettkämpfe mancherlei Art. Namentlich schleuderten die Kämpfer ihre Wurfspieße nach einem als Ziel aufgestellten Schilde. Der Siegespreis bestand in einem ehernen Schild und einem Myrtenkranz. Auch in Elis, auf Ägina und zu Stratonikeia in Karien wurden H. begangen.

Heraklea (Herakleia), Name zahlreicher Städte des Altertums. Die wichtigsten waren: 1) H. in Lukanien, in Unteritalien am Fluß Aciris, in der Nähe des jetzigen Gutes Policoro, von den Tarentinern auf dem Gebiet des zerstörten ionischen Siris oder Polieion 432 v. Chr. angelegt, Sitz der Kongresse, welche die Städte Großgriechenlands zur Zeit ihrer Unabhängigkeit hielten. Dort schlug Pyrrhos 280 die Römer unter P. Valerius Lävinus. Unter den Römern bewahrte H. eine sehr selbständige Stellung und blühte bis in die späte Zeit. -

2) H. Lynkestis, am Fuß des Barnus in Makedonien, wahrscheinlich 358 v. Chr. erbaut. Hier Schlacht zwischen Philipp III. und Konsul Galba 220. Zur Römerzeit war H. Hauptstadt des vierten Distrikts von Makedonien und hieß Pelagonia; 479 n. Chr. wurde es von Theoderich niedergebrannt. Die Ruinen liegen ½ Stunde von Monastir. -

3) H. Minoa, auf der Südküste von Sizilien, zwischen Agrigent und Selinus; ursprünglich eine phönikische Stadt, wurde es 510 v. Chr. von dem Spartaner Dorieus eingenommen, dann 403 von den Karthagern zerstört und spielte hinfort keine Rolle mehr. Ruinen beim Kap Bianco. -

4) H. am Pontos, in Bithynien, am Schwarzen Meer, im Lande der ihr unterworfenen Mariandyner, von megarischen und böotischen Kolonisten um 560 v. Chr. angelegt, hatte zwei vortreffliche Häfen und gedieh bald zu hoher Blüte und Macht, geriet aber kurz vor dem Sturz des persischen Throns unter die Herrschaft von Tyrannen. Ihre Macht wurde hauptsächlich durch den Mithridatischen Krieg, in welchem Aurelius Cotta sie zerstörte, vernichtet. Jetzt ein unbedeutender Ort, Eregli.

Herakleides Pontikos, griech. Schriftsteller, aus Heraklea am Pontos gebürtig, lebte in Athen 350 v. Chr. und war Schüler des Platon, Speusippos und Aristoteles. Seine Schriften sollen sich über fast alle Wissenschaften verbreitet haben. Die auf uns gekommenen Bruchstücke sind herausgegeben in Müllers "Historicorum graecorum fragmenta", Bd. 2 (Par. 1848), und von Schneidewin (Götting. 1847). Verschieden von diesem H. ist der gleichnamige Verfasser der "Allegoriae Homericae" (hrsg. von Mehler, Leid. 1851), der wahrscheinlich zu Anfang der Kaiserzeit lebte.

Herakleische Tafel (Heracleensis tabula), zwei zusammengehörige Bruchstücke einer Erztafel, so genannt von ihrem Fundort Heraklea bei Tarent, welche im Museo Borbonico zu Neapel aufbewahrt und gewöhnlich Aes Britannicum und Aes Neapolitanum genannt werden; nach Savignys Untersuchungen Bruchstücke der Lex Julia municipalis. Vgl. Savigny, Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft, Bd. 9 (1838).

Herakleitos (Heraklit), griech. Philosoph aus Ephesos, wegen der Dunkelheit seiner Lehre Skoteinos (der "Dunkle"), nach seiner finstern Gemütsart der "Weinende" genannt, im Gegensatz zum lachenden Demokrit, blühte um 500 v. Chr.; doch ist von seinem Leben wenig bekannt. Nach seiner Angabe war er Autodidakt, nach andern Schüler des Xenophanes; wieder andre zählen ihn zu den ionischen Kosmophysikern. Das Resultat seiner Forschungen waren die "Musae", ein Werk über die Natur der Dinge, in einem durchgehends von physischen Bildern hergeholten, dunkeln Stil abgefaßt. Die Bruchstücke desselben haben Schleiermacher, später Bernays ge-^[folgende Seite]