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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herakliden; Heraklios; Heraklit; Heraldik

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Herakliden - Heraldik.

bildung), des Schlangenkampfes (in einer Statue zu Florenz und auf verschiedenen Wandgemälden), H. im Kampf mit der Hydra (Statue des Museums auf dem Kapitol), die Metopenreliefs am Theseion zu Athen und am Zeustempel zu Olympia, von denen diejenige mit dem kretischen Stier sich jetzt im Louvre zu Paris befindet, die Farnesische Marmorgruppe, H. und Omphale darstellend, im Museum zu Neapel, H. mit dem kleinen Telephos auf dem Arm (im vatikanischen Museum) u. a. Vgl. Buttmann, Über den Mythus des H. (Berl. 1810); O. Müller, Die Dorier, Bd. 2, S. 493 ff.; Vogel, Hercules descriptus et illustratus (Halle 1830); Duncker, Geschichte des Altertums, Bd. 3; Rochette, Mémoires sur l'Hercule assyrien et phénicien (Par. 1848); Bréal, Hercule et Cacus (das. 1861).

Herakliden, Gesamtbenennung für die zahlreichen Sprößlinge, welche der griechische Heros Herakles (s. d.) auf seinen weiten Wanderzügen allenthalben hinterlassen hat. Apollodor zählt elf verschiedene Stämme derselben auf. Die makedonischen Könige nannten sich H.; in Lydien herrschte vor den Mermnaden eine Dynastie der H.; ja, römische Geschlechter, wie die Potitier, Pinarier und Fabier, leiteten ihren Ursprung von Herakles ab. Gewöhnlich versteht man aber unter H. besonders jene durch die Sage mit den Eroberungen der Dorier in Verbindung gebrachten Nachkommen des Herakles, als deren Stammvater Hyllos, der älteste der vier Söhne des Herakles von der Deïaneira, genannt, und nach denen die Dorische Wanderung (1104 v. Chr. angesetzt) auch als Rückkehr der H. bezeichnet wird. Die Sage erzählt von diesen H. folgendes: Nach dem Willen des Zeus sollte Herakles Herrscher im Gebiet der Perseïden und Gebieter von Mykenä und Tiryns sein. Durch die List der Hera (s. d.) war jedoch Eurystheus an die Stelle des Herakles geschoben und letzterer zu dessen Dienstmann erniedrigt worden. Nun erbten nach dem Tod beider des Herakles Ansprüche auf seinen Sohn Hyllos fort. Dieser wurde Herrscher der Dorier, weil Herakles für seine dem dorischen König Ägimios gegen die Lapithen geleisteten Dienste für sich und seine Nachkommen ein Dritteil des dorischen Landes und die königliche Würde erhalten hatte. Die Söhne des Ägimios, Pamphylos und Dymas, ordneten sich willig unter und leisteten Beistand, als Hyllos das väterliche Reich in Argos wiedererobern wollte. Hyllos fragt das Orakel zu Delphi und erhält zur Antwort, wenn die H. die dritte Frucht abwarteten und auf der Wasserenge in den Peloponnes eindrängen, würden sie nach Mykenä zurückkehren. Im Vertrauen darauf unternimmt Hyllos im dritten Jahr einen Eroberungszug, fällt aber auf dem Isthmus im Zweikampf gegen König Echemos von Tegea, den Bundesgenossen der Nachfolger des Eurystheus, der Atriden. Des Hyllos Sohn Kleodäos hielt sich ruhig, und als dessen Sohn Aristomachos "im dritten Geschlecht" den Angriff erneuerte, fand er im Streit gegen Tisamenos, des Orestes Sohn, seinen Tod an derselben Stelle. Er hatte die im Orakel als Kampfplatz bezeichnete Wasserenge irrig auf den Isthmus gedeutet. Erst als die H. in richtiger Deutung des Götterspruchs an der Stätte, die seitdem den Namen Naupaktos (Schiffswerfte) führte, sich Schiffe erbauten und unter Leitung des einäugigen Ätoliers Oxylos über die Meerenge von Rhion setzten, gelang die Eroberung des Peloponnes. Eine einzige Schlacht, in welcher der Atride Tisamenos fiel, entschied über das Schicksal der Halbinsel. Die Sieger verteilten das Land durch das Los unter sich: Temenos erhielt Argos, die Zwillingssöhne des Aristodemos, Prokles und Eurysthenes, Lakedämon, Kresphontes Messene. Jedem der drei Losenden deutete ein Zeichen, das er auf dem Opferaltar fand, den Charakter seines Volkes an; eine Kröte zeigte, daß die Argiver im Land still sitzen, ein Drache, wie furchtbar die Spartaner im Kampf, ein Fuchs, wie listig die Messenier sein würden. Dem Ätolier Oxylos wiesen die H. das Land am Alpheios, Elis, zu. Die Sage hat ihren Ursprung daher, daß an der Dorischen Wanderung auch andre Stämme und zwar die Hylleer, Achäer als Führer teilnahmen und man diesen Umstand, ohne den dorischen Stolz zu verletzen, erklären wollte; daß ferner die Dorier wie die übrigen Griechen überhaupt es liebten, ihre Herrschergeschlechter von den alten verehrten Heroen abzuleiten und ihre Eroberungszüge als die Erneuerung eines alten, widerrechtlich unterbrochenen Erbrechts darzustellen. Vgl. Busolt, Griechische Geschichte, Bd. 1, S. 59 ff. (Gotha 1885).

Heraklios, Kaiser des oström. Reichs, geb. 575, Sohn des gleichnamigen Statthalters von Afrika, landete 610 mit afrikanischen Truppen in Konstantinopel, stürzte den Usurpater Phokas (s. d.), ließ ihn enthaupten und bestieg selbst den Thron, den seine Nachkommen bis ins vierte Geschlecht behauptet haben. Er stellte die Disziplin des Heers wieder her, gründete eine neue Ordnung im Staat, entriß dem Perserkönig Chosroes II., der ganz Vorderasien erobert hatte, dasselbe wieder in mehreren glücklichen Feldzügen (622-628) und schloß nach Chosroes' Tod (628) mit dessen Sohn Siroes einen Frieden, der ihm das von den Persern in Jerusalem erbeutete Kreuz Christi zurückgab (14. Sept. 629, Fest der Kreuzeserhöhung). In den theologischen Streitigkeiten über die Natur Christi suchte H. zwischen der orthodoxen Partei und den Monophysiten zu vermitteln und erließ ein Glaubensgesetz, daß trotz der zwei Naturen doch nur ein Wille in Christus sei. Dies Gesetz erregte neue Spaltungen; die Anhänger desselben, Monotheleten, wurden später verdammt, haben sich aber in den Maroniten erhalten. H. mußte noch erleben, daß sich die Araber Syriens und Ägyptens bemächtigten; er starb 641, nachdem er Konstantin, den Sohn seiner ersten Gemahlin Eudoxia, und Herakleonas, den Sohn seiner Nichte und zweiten Gemahlin Martina, zu gemeinschaftlichen Thronerben ernannt hatte. Vgl. Drapeyron, L'empereur Héraclius et l'empire byzantin au VII. siècle (Par. 1869).

Heraklit, s. Herakleitos.

Heraldik (Heroldskunst, lat. Ars heraldica, nach einer verkehrten Etymologie auch Ars heroica genannt, franz. Blason), ursprünglich weiter nichts als die kunstmäßige Beschreibung der Wappen (s. d.), welche von den alten Herolden (s. d.) in verschiedene Systeme gebracht wurde. In der Hauptsache drehten sich dieselben um eine verblümte Aussprache der Farben, z. B. wenden Konrad von Würzburg (gest. 1287) und der österreichische Herold Suchenwirt (um 1375) folgende Bezeichnungen an: für Weiß: hermîn, silbergrîs, von margariten, perlein oder mergriesse; für Rot: rubîn, zinopel, von keln etc. Andre Systeme der Farbenbezeichnung gründeten sich auf die Tugenden, Temperamente, Planeten, Himmelszeichen, Edelsteine, Wochentage, Elemente und Metalle. So bedeutete Silber vier Tugenden: Demut, Ehrenhaftigkeit, Reinheit und Unschuld; von den Temperamenten: das Phlegma; von den Planeten: den Mond; drei Himmelszeichen: den Krebs, Skorpion und die Fische; von den Elementen: das Wasser; von den