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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heroenalter; Heroenkultus; Heroensage; Heroentum; Heroïde; Heroine; Heroisch; Heroisieren; Heroismus; Herokles

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Heroenalter - Herokles.

stand die Kämpfe zwischen den Barbaren und Hellenen, insbesondere die beiden großen Perserkriege. Er beginnt nach Vorausschickung einiger früherer Berührungen zwischen dem Osten und Westen mit der Geschichte des Krösos, des Königs von Lydien, als des ersten, der die kleinasiatischen Griechen seiner Herrschaft unterworfen, geht dann auf Kyros, den Besieger des Krösos, über, und indem er die Geschichte der Perser weiter verfolgt, kommt er auf den Aufstand der Ionier und auf die durch diesen veranlaßten Perserkriege, die er in den vier letzten Büchern ausführlich erzählt und bis zur Eroberung von Sestos (479) fortführt, einem allerdings wenig bedeutenden und daher zum Endpunkt des Werkes nicht eben geeigneten Ereignis, weshalb man auch nicht ohne Grund angenommen hat, daß er durch den Tod oder durch irgend ein andres Ereignis an der Vollendung des Werkes verhindert worden sei. Daneben aber nimmt er überall Gelegenheit, aus der Fülle seines Wissens anderweite Erzählungen und insbesondere auch Länderbeschreibungen (die ausführlichsten sind die von Ägypten im zweiten und von Skythien im vierten Buch) einzuflechten, so daß sein Werk gewissermaßen den ganzen Umfang der historischen Kenntnis nicht nur H.', sondern seiner Zeit überhaupt repräsentiert. Und wie sonach der Inhalt, so ist auch die Form von besonderm Wert und Interesse, die durch die lichtvolle, anschauliche Darstellung und durch den Wohllaut und die Weichheit des ionischen Dialekts, in dem er, der Sitte seiner Zeit hinsichtlich historischer Darstellungen folgend, obgleich selbst Dorier, sein Werk geschrieben hat, einen ungemeinen Reiz ausübt. Wann er das Werk verfaßt hat, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Es wird zwar berichtet, daß er es 456 zu Olympia und 446 zu Athen öffentlich vorgelesen habe, und bei einer dieser Vorlesungen soll Thukydides zugegen gewesen und durch dieselbe zur Abfassung seines eignen Geschichtswerkes begeistert worden sein, indes sind diese Nachrichten nicht ohne Grund bezweifelt worden, und jedenfalls könnten nur Stücke oder Vorarbeiten des Ganzen den Gegenstand der Vorlesung gebildet haben, da sich in dem Werk mehrfach Hindeutungen auf Ereignisse einer spätern Zeit finden. Noch gibt es eine Biographie Homers (hrsg. von Westermann in "Biographi graeci minores", Braunschw. 1845), die H.' Namen trägt und vom Altertum für sein Werk gehalten worden zu sein scheint; neuere Kritiker ziehen seine Autorschaft in Zweifel. Ausgaben von H.' Geschichtswerk sind: die erste von Aldus (Vened. 1502), mit den Anmerkungen der frühern Herausgeber von Schweighäuser (Straßb. 1816, 6 Bde.), ferner von Gaisford (Oxf. u. Leipz. 1824 ff., 4 Bde.), Bähr (Leipz. 1830-35, 4 Bde.; 2. Ausg. 1856-61), Stein (Berl. 1869-71, 2 Bde.) und die kleinern erklärenden Ausgaben von K. W. Krüger (2. Aufl., Leipz. 1881), von Abicht (4. u. 5. Aufl., das. 1883, 5 Bde.) und von Stein (Berl. 1864-68). Von deutschen Übersetzungen sind hervorzuheben: die von Jakobi (Düsseld. 1799-1801, 3 Bde.), Lange (2. Aufl., Bresl. 1824, 2 Bde.), Schöll (neue Ausg., Stuttg. 1855, 3 Bde.), Bähr (das. 1867, 9 Bde.), Stein (2. Aufl., Oldenb. 1884, 2 Bde.) und Abicht (Stuttg. 1885). Die englische Übersetzung von Rawlinson (Lond. 1858-60, 4 Bde.) enthält einen wertvollen Kommentar. Ein "Lexicon Herodoteum" besitzen wir von Schweighäuser (Straßb. u. Par. 1824, 2. Bde.; Lond. 1841). Vgl. Creuzer, H. und Thukydides (Leipz. 1798 u. 1803); Dahlmann, H., aus seinem Buch sein Leben (Altona 1823); Blum, H. und Ktesias (Heidelb. 1836); Kirchhoff, Über die Abfassungszeit des Herodoteischen Geschichtswerkes (2. Aufl., Berl. 1878); Bauer, Die Entstehung des Herodotschen Geschichtswerkes (Wien 1877).

Heroenalter, s. v. w. Heldenalter.

Heroenkultus, s. Manendienst.

Heroensage, s. v. w. Heldensage.

Heroentum, s. Heros.

Heroïde (griech., "Heldenbrief"), ein lyrisches Gedicht in Epistelform, in welchem der Dichter nicht im eignen, sondern im Namen einer andern, abwesenden, meist verstorbenen, wirklichen oder erdichteten Person spricht. Ovid, von dem die Gattung stammt, hat zu dieser gewöhnlich eine dem Heldenzeitalter angehörige Persönlichkeit (Heros oder Heroine) gewählt, daher der Name. Dieselbe ist durch den Umstand, daß der Dichter im Namen eines andern spricht, dem dramatischen Monolog, durch den weitern, daß dieser (oder diese) andre verstorben oder doch abwesend gedacht wird, der Elegie, durch die Briefform selbst der Epistel verwandt. Unter den Alten hat außer Ovid Propertius Heroiden verfaßt; von jenem sind 21, von diesem nur 2 übrig. Unter den Neuern haben von Italienern Bruni und Crasso, von Franzosen Colardeau, Dorat, Pézay, Laharpe, von Engländern Jerningham, Harvey und besonders Pope, dessen H. "Heloïse on Abaelard" zu den ausgezeichnetsten gehört, dergleichen gedichtet. Auch die Deutschen haben die Form bereits im 17. Jahrh., doch ohne Glück, behandelt; ein Meister- und Musterstück der Gattung ist Goethes Gedicht "Alexis an Dora", das er jedoch des Versmaßes wegen zu den "Elegien" gestellt hat. Herder hat sich in der "Adrastea" (Bd. 3) gegen die H. erklärt.

Heroine, weiblicher Heros, Heldenweib.

Heroisch, einem Heros angemessen, auf Heroen bezüglich; heroischer Vers, s. v. w. Hexameter. In der Landschaftsmalerei nennt man h. diejenige Gattung, welche aus der Natur großartige und erhabene Terrain- und Felsbildungen sowie andre Detailformen auswählt und zu einem idealen Ganzen verbindet, das einer aus der Mythologie oder der Heroensage entnommenen Figurenstaffage entspricht. Wo die Natur solche Bildungen nicht aufzuweisen hat, ist der Künstler genötigt, die Formen zu idealisieren oder zu stilisieren (daher auch stilistische Landschaft). Man nennt diese Gattung der Landschaftsmalerei auch die historische, womit im allgemeinen Ernst und Erhabenheit der Formbildung angedeutet sind. Von ältern Meistern haben besonders A. Schiavone, die Carracci, Claude Lorrain, N. Poussin, von jüngern J. A. Koch, Schnorr, K. F. Lessing, F. Preller, A. Zimmermann, Marko, Dreber und Kanoldt die heroische Landschaft kultiviert.

Heroisieren, zum Heros erheben.

Heroismus, Heldenmut.

Herokles, Konstantin Basiades, neugriech. Gelehrter, geb. 1821 zu Delbinaki in Epirus, studierte zu Konstantinopel und Athen, ward 1845 Professor der Philologie an der "großen Nationalschule" zu Konstantinopel, studierte darauf seit 1848 in Paris Philosophie und Medizin und begab sich 1857 nach Berlin, wo er 1858 auf Grund seiner Schrift "De veterum Graecorum gymnastice" zum Dr. med. promovierte, während ihm die Universität zu Leipzig für seine "Demosthenika" die philosophische Doktorwürde verlieh. 1859 begab er sich nach Konstantinopel, war daselbst 1862 eine Zeitlang Professor an der Patriarchats-Akademie und ist seitdem als Arzt thätig. H. machte sich durch Gründung von Seminaren, Schulen und philologischen Vereinen (unter andern des "Hellenikos