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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herwegh; Herxheim; Herxheimer; Herz

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Herwegh - Herz.

berg, 1868 mit dem Charakter eines Generals der Infanterie zur Dispositin ^[richtig: Disposition] gestellt und starb 14. Jan. 1884 in Merseburg.

Herwegh, Georg, der hervorragendste unter den politischen Lyrikern der 40er Jahre, geb. 31. Mai 1817 zu Stuttgart, bezog das protestantisch-theologische Stift zu Tübingen, verließ dasselbe jedoch bald wieder, um sich der Litteratur zu widmen. Von der Schweiz aus ließ er seine "Gedichte eines Lebendigen" (Zürich u. Winterth. 1841; 10. Aufl., Stuttg. 1877) erscheinen, die eine so frische jugendliche Glut atmeten und dem unbestimmten Freiheitsdrang der Jugend so wohltönenden Ausdruck gaben, daß sie rasch populär wurden. Von großer Einfachheit, Klarheit und Kraft, sind sie wie aus Einem Guß geschaffen, ohne alles Spielende und Gesuchte. Ihr Pathos freilich war das unklare Pathos der gärenden Jugend jener Epoche, die, zwischen nationalen und kosmopolitischen, monarchischen und republikanischen Idealen schwankend, klar nur im Bruch mit den alten herrschenden Zuständen war. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris machte H. im Herbst 1842, um Mitarbeiter für eine beabsichtigte Zeitschrift zu gewinnen, eine Reise durch Deutschland, die einem wahren Triumphzug glich. Selbst König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen ließ sich den Dichter vorstellen und redete ihn mit den Worten an: "Ich liebe eine gesinnungsvolle Opposition". Als sich H. jedoch von Königsberg aus im Dezember 1842 in einem Schreiben an den Monarchen, welches alle konventionellen Formen vermissen ließ und gegen seinen Willen veröffentlicht ward, sehr bitter über das Verbot seiner Zeitschrift beschwerte, wurde er aus dem preußischen Staat ausgewiesen. Er kehrte nun nach der Schweiz zurück, fand aber auch hier in mehreren Kantonen Anfechtung in betreff seines Aufenthalts, bis er endlich im Kanton Baselland das schweizerische Bürgerrecht erlangte, worauf er sich mit Emma Siegmund, der Tochter eines reichen jüdischen Bankiers in Berlin, verheiratete. Nach einer Reise nach Südfrankreich und Italien nahm H. seinen bleibenden Aufenthalt in Paris und ließ von hier aus einen zweiten Band der "Gedichte eines Lebendigen" (1844) erscheinen. Hier trat zwar die republikanische Tendenz des Poeten klarer und bestimmter hervor; aber die Begeisterung, die jugendliche Kampfeslust erscheint infolge mancher ihm gewordenen Enttäuschung bedeutend abgeschwächt, und statt Schwung und Pathos herrscht der epigrammatische Ton, der in den frühern Gedichten nur in einzelnen schlagenden Wendungen laut geworden war, durchaus vor. Daneben übersetzte er "Lamartines sämtliche Werke" (Stuttg. 1843 bis 1844, 12 Bde.). Gleich nach der Februarrevolution von 1848 trat H. bei mehreren Kundgebungen der Deutschen in Paris als Führer auf und fiel im April an der Spitze einer deutsch-französischen republikanischen Arbeiterkolonne in Baden ein, ward jedoch 27. April bei Schopfheim von den württembergischen Truppen geschlagen und verdankte sein glückliches Entkommen nur dem Mut seiner Frau. Er lebte darauf lange in Zurückgezogenheit zu Paris, später in Zürich, schließlich in Lichtenthal bei Baden-Baden, wo er 7. April 1875 starb. In den letzten Jahren trat H. nur bei besondern Anlässen mit einzelnen Gedichten, außerdem mit der Übersetzung einiger Shakespeareschen Dramen in Bodenstedts Ausgabe hervor. Die aus seinem Nachlaß veröffentlichten "Neuen Gedichte" (Zürich 1877) zeigten sich in ihrer verbitterten und maßlosen Oppositionssucht durchaus unerquicklich und unerfreulich.

Herxheim, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Landau, am Klingbach, hat mechanische Weberei, Leinen- und Zwilchfabrikation, Tabaksbau und (1885) 3724 fast nur kath. Einwohner.

Herxheimer, Salomon, jüd. Gelehrter, geboren im Januar 1801 zu Dotzheim bei Wiesbaden, wurde in Mainz im Talmud unterrichtet, studierte vom 23. Jahr an in Marburg und Göttingen, ward Lehrer, später Kreisrabbiner in Eschwege und von 1831 bis 1882 anhalt-bernburgischer Landrabbiner in Bernburg, wo er 25. Dez. 1884 starb. H. war als Seelsorger, Pädagog und Gelehrter mit vielem Erfolg thätig, wie dies unter anderm sein Bibelwerk (Berl. 1842, 4 Bde.; der Pentateuch in 3. Aufl., Leipz. 1865), seine verbreiteten Schulbücher und Predigten bekunden. Vgl. Salfeld, Sal. H. (Frankf. a. M. 1885).

Herz (Cor), ein pulsierender Abschnitt in den Gefäßen eines Tiers zur Fortbewegung der in jenen enthaltenen Flüssigkeit. Die gewöhnlich in rhythmischer Weise verlaufenden Verengerungen und Erweiterungen des Herzens kommen durch die in seiner Wandung enthaltenen Muskelfasern zu stande und bewirken ein Aus-, resp. Einpumpen des flüssigen Herzinhalts. Letzterer kann entweder Lymphe oder Blut sein, so daß man zwischen Lymphherzen (die in allen Wirbeltierklassen mit Ausnahme der Säugetiere vorkommen) und Blutherzen (Herzen im engern Sinn) unterscheiden muß. Es kann ferner auch im Blutgefäßsystem eines Tiers mehr als ein H. vorhanden sein; so pulsieren z. B. bei den Leptokardiern unter den Wirbeltieren alle größern Gefäßstämme. Bei einfachem Bau des Herzens ist manchmal die Richtung des Blutstroms keine fixierte, wie denn bei den Tunikaten (Manteltieren) das H. eine Zeitlang von vorn nach hinten pulsiert, dann einen Augenblick stillsteht und darauf seine Thätigkeit in umgekehrter Weise beginnt, so daß die von ihm ausgehende Hauptader zeitweilig Arterie, resp. Vene ist. Je nachdem ferner das H. venöses (sauerstoffarmes) Blut zu den Atmungsorganen oder arterielles (sauerstoffreiches) in den übrigen Körper zu schaffen hat, spricht man von einem venösen oder arteriellen Herzen. Ersteres ist es bei den Fischen, wo es (abgesehen von den Leptokardiern) im Wirbeltierstamm die einfachste Einrichtung besitzt. Hier liegt es am Hals und besteht aus nur zwei Abteilungen, dem hintern Vorhof (Vorkammer) und der vordern Herzkammer. In jenen wird bei Erweiterung des Herzens aus dem Körper durch die Hauptvene das venöse Blut eingesaugt, gelangt durch eine (mit zwei gleichen einem Ventil wirkenden Klappen verschließbare) Öffnung in die Kammer und wird bei Verengerung derselben in die Kiemen geschafft, um dort mit Sauerstoff versorgt zu werden. Vorkammer und Kammer sind von einem häutigen Sack, dem Herzbeutel (pericardium), umgeben. Auch die Hauptarterie, in welche das Blut direkt aus der Kammer gelangt, ist gegen letztere durch eine besondere Klappe (s. unten) zur Verhütung des Rücktritts des Bluts in das H. abgeschlossen. Bei Lurchfischen und Amphibien beginnt eine Scheidung des Vorhofs in zwei Räume, einen rechten, in welchen nach wie vor die Hauptvene mündet, und einen linken, welcher aus den Lungen Blut empfängt; beide münden in die ungeteilte Kammer, welche also nicht mehr nur venöses, sondern gemischtes Blut führt. Doch zerfällt auch sie bei den Reptilien zum Teil erst unvollkommen, bei den höhern Wirbeltieren vollkommen in zwei Abschnitte oder Kammern, welche aus den gleichnamigen Vorhöfen das Blut aufnehmen, um es (die linke)