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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Herzigel - Herzog (Titel).

system, die rechte Kammer. Die häufigsten Ursachen der H. für die linke Herzhälfte sind Klappenfehler, Erkrankungen der Arterien und Nierenaffektionen, für die rechte Hälfte Mitralisfehler, Lungenemphysem, Schwindsucht. Sämtliche genannte Ursachen bewirken nicht bedingungslos eine H., sondern nur unter sonst guten allgemeinen Ernährungsverhältnissen, so daß die H. in allen Fällen als eine Art von Heilungsvorgang, als Ausgleich oder, wie man technisch sagt, Kompensation zu betrachten ist. Leichte Grade der H. sind oft schwer zu erkennen, andermal wird ein Herz so groß, daß es als Ochsenherz (Cor taurinum s. bovinum) bezeichnet wird. Eine Behandlung ist nach dem Gesagten nicht nur nicht möglich, sie würde sogar durch sicheres Herbeiführen einer Kompensationsstörung von sehr verhängnisvollen Folgen sein; zu vermeiden sind große Anstrengungen, Bergsteigen, Tanzen sowie alle Getränke, welche dem Herzen zu seiner ohnehin durch das Grundleiden bedingten Mehrarbeit neue Anstrengungen auferlegen.

Herzigel, s. Echinoideen.

Herz Jesu-Fest, kathol. Fest am ersten Freitag nach der Oktave des Fronleichnamsfestes, gestiftet auf Veranlassung der Nonne Alacoque (s. d.), von der Christus selbst 1670 die Einsetzung desselben verlangt, und der er bei dieser Gelegenheit sein Herz gezeigt haben soll. Die Jesuiten erwirkten 6. Febr. 1765 vom Papst Clemens XIII. die Bestätigung des Festes für mehrere Kirchen. S. Heiliges Herz Jesu.

Herzkammern, s. Herz.

Herzklappen, s. Herz.

Herzklappenentzündung, s. Herzentzündung.

Herzklappenfehler, s. Herzfehler.

Herzklemme, s. Angst.

Herzklopfen (Palpitatio cordis), eine oft höchst unangenehme Erscheinung, welche die verschiedensten Herzkrankheiten, namentlich die Herzhypertrophie, begleitet, aber auch selbständig und scheinbar ohne anatomische Veränderung vorkommen kann. In letzterm Fall betrachtet man das H. als eine Neurose des Herzens. Als solche beobachtet man es namentlich bei Bleichsucht, bei Hysterie, zur Zeit der Pubertät besonders bei schnellem Wachstum. Zuweilen lassen sich aber auch gar keine Ursachen dafür auffinden. Es tritt meist in Paroxysmen auf. Die Bewegungen des Herzens sind während der Anfälle beschleunigt, unregelmäßig; dabei ist das Gefühl von Angst und Beklommenheit vorhanden. Die Behandlung richtet sich hauptsächlich auf ein etwa vorhandenes Grundleiden; das H. selbst wird außerdem am besten durch absolute Ruhe, leichte, kühlende Diät, kalte Kompressen auf die Herzgegend bekämpft.

Herzkrampf, s. v. w. Herzklemme, s. Angst.

Herzlähmung (Paralysis cordis), s. Herzschlag und Herzverfettung.

Herzlieb, Minna, eine der Frauengestalten aus Goethes Leben, geb. 22. Mai 1789 zu Züllichau, ward im Haus des Buchhändlers Frommann in Jena erzogen, wo sie 1807 Goethe kennen lernte, der sich lebhaft zu ihr hingezogen fühlte. Sie verheiratete sich 1826 mit dem Professor Walch in Jena, versank später in eine Gemütskrankheit und starb 10. Juli 1865 in einer Heilanstalt zu Görlitz. Sie gilt allgemein für das Urbild der Ottilie in den "Wahlverwandtschaften"; auch mehrere von Goethes Sonetten sind an sie gerichtet (namentlich "Lieb Kind! Mein artig Herz! etc.", mit deutlicher Bezeichnung ihres Namens). Vgl. Hesse, Mienchen H. Erläuternde Bemerkungen zu Goethes "Wahlverwandtschaften" (Berl. 1878).

Herzmuschel (Cardium L.), Gattung aus der Familie der Herzmuscheln (Cardiadae), hat klappige, ziemlich dicke, herzförmige, gewölbte, strahlig gerippte Schalen mit großen, eingekrümmten Wirbeln, äußerm Schloßband und starkem, aus mehrfachen Zähnen gebildetem Schloß. Der kräftige, knieförmige Fuß dient zu Schwimmbewegungen, zum Eingraben in den Sand und zum Fortschnellen der Muschel auf beträchtliche Strecken, wobei er sich mit der Spitze gegen einen Stein stemmt. Die eßbare Herzmuschel (Cardium edule L.) hat eine schmutzig weiße Schale mit 24-26 Rippen und findet sich häufig an den europäischen Küsten, mehr oder weniger verkümmert in der Ostsee. Sie hat für manche Gegenden (Schottland, Hebriden) große Bedeutung als Volksnahrungsmittel, kommt aber auch in andern Ländern vielfach auf den Markt. Die Schalen werden gebrannt und als Kalk benutzt. Wohlschmeckender ist die größere, ebenfalls europäische stachlige H. (C. echinatum L.).

Herzneuralgie, s. v. w. Herzklemme, s. Brustbräune.

Herzog (lat. Dux), bei den alten Germanen derjenige, welcher an des Heers Spitze zieht. Tacitus nennt jene, in denen er die eigentlichen Häupter der Volksstämme sah, Könige (reges), die Herzöge aber Heerführer (duces). Als die germanischen Stämme nach der Völkerwanderung seßhaft wurden, blieben die siegreichen Herzöge ihrer Völker Oberhäupter. Im Langobarden- und im Frankenreich wurden allerdings auch königliche Beamte mit dem Titel H. eingesetzt; dieselben hatten die Rechte und Befugnisse der Grafen (s. Graf, S. 597), doch über ein größeres Gebiet zum Zweck einer bessern Landesverteidigung oder zur Erhaltung des Landfriedens. In den Zeiten der Schwäche des merowingischen Königtums erlangten diese Herzöge bald eine größere Selbständigkeit, und so kam es, daß schon in den letzten Zeiten der Merowinger die Herzöge in Bayern, Alemannien, Thüringen und Friesland ihre Herzogtümer erblich regierten und mitunter sogar unabhängig zu machen suchten. Dies änderte sich jedoch schon unter dem kräftigen Pippin und mehr noch unter Karl d. Gr., welcher die Herzöge beseitigte und das Grafenamt an die Stelle der Herzogswürde setzte. Bei den Sachsen war die Herzogswürde überhaupt nur vorübergehend für die Kriegsdauer bestimmt geblieben. Dieser Zustand dauerte jedoch nur bis zum Tod Karls. Die Schwäche seiner Nachfolger benutzend, wußten die Sendgrafen der Könige häufig ihre Würde dauernd zu machen und die Stellung der ehemaligen Herzöge einzunehmen. Das ostfränkische Reich zerfiel um 900 in fünf erbliche Herzogtümer (Franken, Schwaben, Bayern, Sachsen, Lothringen), welche nur sehr lose durch das Königtum miteinander verbunden waren. Nach dem Erlöschen der Karolinger 911 hielten bloß Sachsen und Franken den Reichsverband aufrecht, die übrigen suchten sich davon loszureißen. Selbst Heinrich I. mußte dem H. von Bayern das Recht, die Bischöfe zu ernennen, zugestehen und sich mit der Anerkennung seiner Oberhoheit begnügen. Erst von seinen Nachfolgern wurden energische Maßregeln zur Sicherung der Königswürde gegen die übermächtigen Herzöge ergriffen; namentlich war es Kaiser Heinrich III. aus dem fränkischen Haus, welcher die Herzogtümer entweder ganz aufzuheben suchte, oder deren Inhaber wenigstens häufig wechseln ließ. Unter seines Nachfolgers Heinrich IV. Regierung gewann dagegen die herzogliche Gewalt wieder festern Boden. Es bestanden in Deutschland damals sieben Herzog-^[folgende Seite]