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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hiddenit - Hienfong.

in Düsseldorf nieder. Zuerst behandelte er historische und romantische Gegenstände, wandte sich aber später dem Genre zu. Er ist ansprechend und maßvoll in der Komposition, voll Humor und Gemütstiefe in der Charakterisierung, in der Zeichnung fein und korrekt und im Kolorit stimmungsvoll. Von seinen Bildern sind besonders hervorzuheben: Aus alten Tagen (1861, gestochen von F. Dinger); Schularrest (1863); das Quartett (im Königsberger Museum, gestochen von Trossin); die Flasche Champagner; unangenehme Nachbarschaft (Museum zu Wiesbaden) und preußische Werber (Nationalgalerie in Berlin), ein Werk voll dramatischen Lebens; Wintervergnügen, Begräbnisfeier, Aschenbrödel, Dornröschen, der kleine Sieger, Femgericht. Seine Volkstypen nimmt er mit Vorliebe aus Westfalen. Auch als Illustrator hat sich H. vorteilhaft bekannt gemacht, namentlich durch 35 Blätter zu Fritz Reuters "Ut mine Stromtid", die in Holzschnitt erschienen sind.

Hiddenit, Mineral, tief smaragdgrüner, stark pleochroitischer Spodumen, Lithiumchromspodumen, findet sich in Nordamerika und wird als Surrogat des Smaragds geschliffen.

Hiddensöe, schmale Insel an der Westseite der Insel Rügen, 18 km lang, 0,25-3 km breit, mit einem 70 m hohen Berg im N., 6 Ortschaften und gegen 750 Einw., meist Fischern, die zum großen Teil in ärmlichen, von Torf errichteten Hütten wohnen. Die Insel litt 1867 und 1872 sehr durch Sturmfluten; durch die von 1867 ward der flache und schmale südliche Teil vom Hauptteil getrennt. An der Südseite der Insel, bei Neuendorf, wurden 1872-74 vierzehn zu einem Brustschmuck gehörige Hängestücke, eine Scheibenfibula und ein Halsring aus dem 10. Jahrh. gefunden, die (jetzt im Provinzialmuseum zu Stralsund) durch Nachbildungen von P. Telge in Berlin wegen der zierlichen, mit der skandinavischen Kunstübung verwandten Ornamentik als Schmuck beliebt geworden sind (s. Tafel "Schmucksachen"). Vgl. P. Telge, Prähistorische Goldfunde (Berl. 1885).

Hide (Hyde, engl., spr. heid; gewöhnlich übersetzt mit Hufe), im alten England so viel Ackerland, wie in einem Jahr mit einem Pflug bestellt werden konnte, im allgemeinen 100 englische Acker = 40,467 Hektar. Die dem König für eine H. zu entrichtende Abgabe hieß Hidage oder Hydage (Hufensteuer).

Hidl, s. Grundwasser.

Hidri, s. Arsenige Säure.

Hidschas, Landschaft in Arabien (s. d., S. 721).

Hidschr, El (auch Madâin Saleh), alte Ruinenstadt in Arabien (Hidschas), auf der großen Pilgerstraße von Damaskus nach Mekka etwa unter 26¼° nördl. Br. gelegen. Zu Ptolemäos' Zeiten, der sie Egra nennt, war sie eine Hauptstation des Gold- und Weihrauchhandels. Später wurden auf die Angaben von Arabern wie von türkischen und persischen Pilgern hin aufsehenerregende Berichte über dortige wunderbare Felsbauten verbreitet, bis der Engländer Doughty, welcher 1878 als der erste Europäer den Ort erreichte, diese Vorstellungen gründlich zerstörte. Statt der fabelhaften sieben Städte, welche in ebenso viele Berge gehauen sein sollten, fand er in den Sandsteinfelsen nur etwa 100 Grabkammern mit Inschriften und eingegrabenen Bildern der Toteneule, während die zugehörige Stadt, nach ihren Überresten zu schließen, nichts war als ein Haufe von 4-5 aus Lehmschichten bestehenden und mit Mauern umgebenen Dörfern.

Hiebfechten, s. Fechtkunst, S. 90.

Hiebzug, s. Forsteinteilung.

Hiefe, s. v. w. Hagebutte.

Hiefhorn, s. Hifthorn.

Hieflau, Dorf in Steiermark, Bezirkshauptmannschaft Leoben, 517 m ü. M., an der Enns, welche zwischen Admont und H. das berühmte Gesäuse (s. d.) bildet, und an der Eisenbahn St. Valentin-Pontafel, von welcher sich hier die Linie nach Eisenerz abzweigt, mit Eisenbergwerken, Hochofen, großem Holzrechen und (1880) 976 Einw.

Hiel, Emanuel, vläm. Dichter, geb. 31. Mai 1834 zu Dendermonde, war erst Chef einer Baumwollspinnerei, dann nacheinander Buchhändler und Douanenbeamter, bekleidete darauf einen Posten im Ministerium des Innern und ist gegenwärtig Professor der Deklamation am Konservatorium der Musik und Bibliothekar am Industriemuseum zu Brüssel. Ein eifriger Kämpfer für Freiheit und Fortschritt, ist er auch als vlämischer Parteiführer und tonangebender Litterator hervorzuheben. Als Dichter dürfte er unter den Vertretern der jüngsten vlämischen Lyrik unübertroffen dastehen. Außer verschiedenen Gedichtsammlungen: "Gedichten" (Gent 1863; neue Folge, Arnh. 1868), "Nieuwe liedekens" (Gent 1861) u. a., sind als bedeutend besonders zu erwähnen: die preisgekrönte Hymne "De Wind" (1869), die beiden großartigen und umfangreichen Gesänge: "Lucifer" und "De Schelde", deren Aufführung (mit Musik von Benoist) Epoche machte, die "Vrijheidshymne" (von R. Hol komponiert), das Oratorium "Prometheus" und die der nordischen Sage entlehnte "Helga"; ferner die Dichtung "Breidel en de Conning" (1876), welche die "Sporenschlacht" bei Courtrai von 1302 besingt, und das Drama "Jacoba van Beieren" (1879). Daneben ist er mit großem Erfolg als Kinderliederdichter aufgetreten mit "Liederen voor groote en kleine kinderen", die zu Unterrichtszwecken von van Gheluwe komponiert wurden "Liedersolfege", 1875) und später (1879) in zweiter, sehr vermehrter Auflage und größtenteils den Melodien deutsch-vlämischer und vlämischer Volkslieder angepaßt erschienen. Schon vorher hatte er eine Reihe neuer, zart empfundener und schwungvoller Gedichte: "Bloemeken, een liederkrans" (Utrecht 1877), und die lyrisch-dramatische Dichtung "Bloemardinne" (1877) herausgegeben. 1862-68 erschien außerdem unter Hiels Leitung in Brüssel die patriotische "Nederduitsch Maandschrift", die nachher den Titel: "Nederduitsch Tijdschrift" annahm. Aus neuester Zeit sind seine 1880 zur Feier des 50jährigen Bestehens der belgischen Unabhängigkeit gedichteten Festlieder: "Belgenland" und "Eer Belgenland", die zu den kräftigsten lyrischen Ergüssen des Dichters gehören, hervorzuheben. Eine Sammlung von Hiels Gedichten erschien in 3 Bänden ("Volledige dichtwerken", Rousselaere 1885).

Hiëmal (lat.), winterlich.

Hiémpsal, s. Jugurtha.

Hienfong, Kaiser von China, aus der Dynastie Thing, vierter Sohn des Kaisers Taokuang, seines Vorgängers, geboren im August 1831, bestieg im Februar 1850 den Thron und nahm hierbei den Regententitel H. ("Fülle des Segens") an. Die wichtigsten Ereignisse unter seiner Regierung sind der Krieg der vereinigten englischen und französischen Truppen gegen sein Reich, der mit dem siegreichen Einzug derselben in der Landeshauptstadt endete (24. Okt. 1860), und das Auftreten der Taipingrevolution. Der Kaiser starb 22. Aug. 1861 und hatte seinen ältesten Sohn, Tungtschih (geb. 5. Sept. 1855), zum Nachfolger. Vgl. China, S. 21.