Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hilde; Hildebrand

527

Hilde - Hildebrand.

ner ein altertümliches Rathaus und ein Kriegerdenkmal. Die Einwohnerzahl beträgt (1885) mit Einschluß der Garnison (ein Bataillon Infanterie Nr. 95) 5476. Die industrielle Thätigkeit erstreckt sich vorzüglich auf Fabrikation von Papiermaché-, Spiel- und Meterwaren, landwirtschaftlichen Maschinen, Mineralwässern und kondensierter Milch, Suppentafeln, Büffelhornarbeiten, Backsteinen etc. Meyers Bibliographisches Institut, das 1828 von Gotha nach H., 1874 aber nach Leipzig verlegt wurde, war für die Stadt von besonderer Bedeutung. In H. befinden sich ein Amtsgericht, ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Taubstummenanstalt, ein Technikum (Maschinenbau- und Gewerkschule), eine kartographische Anstalt mit Kupferstecherei, eine Landwirtschafts- und Gewerbeschule, ein Kreiskrankenhaus und eine Landesirrenanstalt. - H., in Urkunden Hilpershusia, Villa Hilperti, gehörte im 13. Jahrh. den Grafen von Henneberg, kam im 14. Jahrh. an Thüringen, später an die Ernestinische Linie des Hauses Sachsen und ward 1683 Hauptstadt eines Herzogtums, das 1826 mit Sachsen-Meiningen vereinigt wurde. Vgl. Human, Chronik von H. (Hildb. 1886 ff.).

^[Abb.: Wappen von Hildburghausen.]

Hilde (Hildr, "Krieg"), in der nord. Mythologie eine Walküre, Tochter des Königs Högni, ward von dem Recken Hedin entführt, worauf ein Kampf zwischen diesem und ihrem Vater entbrannte, der bis zum Weltuntergang fortdauert, da H. vermöge ihrer Zauberkraft die am Tage gefallenen Krieger während der Nacht wieder aufweckt.

Hildebrand ("Kriegsflamme"), früherer Name des Papstes Gregor VII. (s. Gregor 7).

Hildebrand, 1) Bror Emil, schwed. Archäolog und Numismatiker, geb. 22. Febr. 1806 zu Flerohopp im Kalmar-Län, studierte in Lund, wo er sich 1830 als Dozent habilitierte, wurde zwei Jahre später im königlichen Münzkabinett in Stockholm angestellt und 1837 zum Reichsantiquar (d. h. Direktor des archäologisch-historischen Staatsmuseums und des königlichen Münzkabinetts, Inspektor der Denkmäler) und Sekretär der königlichen Akademie der schönen Wissenschaften etc. ernannt, welches Amt er bis 1879 bekleidete. Seit 1866 Mitglied der schwedischen Akademie, starb er 30. Aug. 1884. Von seinen Veröffentlichungen nennen wir: "Svensk diplomatarium. III-V" (1842-65); "Svenska sigiller från medeltiden" (1862-69); "Anglosachsiska mynt i Sveriges kungl. myntkabinett, funna i Sveriges jord" (1846, neue Ausg. 1881); "Minnespenningar öfver enskilda svenska män och kuinnor" (1861); "Sveriges och svenska konungahusets minnespenningar, praktmynt och belöningsmedaljer" (1874 bis 1875) und "Teckningar ur svenska statens historiska museum. I-III" (mit seinem Sohn [s. unten: H. 5], 1873-84).

2) Bruno, Statistiker, geb. 6. März 1812 zu Naumburg a. S., studierte die Rechtswissenschaft in Leipzig, dann in Breslau, wo er 1834 in die burschenschaftlichen Untersuchungen verwickelt wurde. Nachdem er mehrere Jahre als Dozent und außerordentlicher Professor in Breslau thätig gewesen war, folgte er 1841 einer Berufung nach Marburg, wo er aber durch sein unabhängiges Auftreten mit der Regierung bald in Konflikt geriet. 1846 wurde er wegen eines in der deutschen "Londoner Zeitung" veröffentlichten Artikels der Majestätsbeleidigung angeklagt und suspendiert. Seine Freisprechung erfolgte erst zu Anfang 1848. Die Bewegung dieses Jahrs zog H. in die parlamentarische Thätigkeit hinein, indem er Marburg in der deutschen Nationalversammlung 1849-50 und Bockenheim in dem kurhessischen Landtag vertrat. Dem wieder zur Macht gelangten Minister Hassenpflug trat er auf das entschiedenste entgegen und bewirkte durch seinen Antrag die Verweigerung des von jenem begehrten Finanzzuschusses, welche die Auflösung der Ständeversammlung zur Folge hatte. Von 1851 bis 1856 lehrte H. an der Züricher Hochschule; dann nach Bern berufen, gründete er dort das erste Statistische Büreau der Schweiz und folgte 1861 dem Ruf als Professor der Staatswissenschaften und Direktor des Statistischen Büreaus der thüringischen Staaten nach Jena, wo er 29. Jan. 1878 starb. Von seinen schriftstellerischen Arbeiten verdienen namentlich Erwähnung: "Die Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft" (Frankf. a. M. 1848); "Die kurhessische Finanzverwaltung" (Kassel 1850); "Statistische Mitteilungen über die volkswirtschaftlichen Zustände Kurhessens" (Berl. 1853); "Beiträge zur Statistik des Kantons Bern" (Bern 1860, Bd. 1). Seit 1863 gab er die "Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" (seit 1873 mit J. Conrad) heraus; auch veröffentlichte er das amtliche Quellenwerk "Statistik Thüringens" (Jena 1867-78, 2 Bde.).

3) Heinrich Rudolf, germanistischer Sprachforscher, geb. 13. März 1824 zu Leipzig, besuchte 1836-1843 die Thomasschule, dann die Universität daselbst, wo er sich insbesondere dem Studium der neuern, namentlich germanischen, Sprachen widmete, und ward 1848 Lehrer an der Thomasschule. An der Ausarbeitung des Grimmschen Wörterbuchs von Anfang an in hervorragender Weise beteiligt, übernahm er 1864 nach dem Tode der Brüder Grimm in Gemeinschaft mit Professor Weigand in Gießen die Fortsetzung des großen Nationalwerkes, legte 1868 seine Lehrerstelle, um sich ganz jenem Unternehmen widmen zu können, nieder und wurde 1869 zum außerordentlichen, 1874 zum ordentlichen Professor an der Universität zu Leipzig ernannt. Vom "Deutschen Wörterbuch" hatte H. zunächst die Bearbeitung des fünften Bandes (den Buchstaben K) übernommen, der 1873 vollendet ward; seitdem arbeitet er am vierten Band, erste Abteilung (den Buchstaben G enthaltend). Er schrieb: "Vom deutschen Sprachunterricht in der Schule und von deutscher Erziehung und Bildung überhaupt" (Leipz. 1865, 2. Aufl. 1879), "Über Grimms Wörterbuch in seiner wissenschaftlichen und nationalen Bedeutung" (das. 1869) etc. und gab Soltaus "Deutsche historische Volkslieder. Zweites Hundert" (das. 1856) u. a. heraus.

4) Ernst, Maler, geb. 1833 zu Falkenberg i. Schl., wurde Schüler von Steffeck in Berlin, wo er, abgesehen von einem einjährigen Aufenthalt in Paris, auch nachher thätig war, bis er 1875 als Professor an die Kunstschule zu Karlsruhe berufen wurde, wo er bis 1880 blieb, um dann einem Ruf an die Kunstakademie in Berlin zu folgen. Hier übte er eine erfolgreiche Lehrthätigkeit, die er jedoch 1885 aufgab. Anfangs widmete er sich nur dekorativer Malerei, wandte sich dann aber dem Porträt und dem Genre zu, worin er sich in einem kräftigen Naturalismus, naturwahrer Darstellung und wirkungsvollem Kolorit bewegt. Seine Hauptwerke sind: das kranke Kind; der seiner Mutter wiedergegebene Moses, dekorativ