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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hinkelstein; Hinken; Hinkender Iambus; Hinkmar; Hinlopenstraße; Hinrichs

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Hinkelstein - Hinrichs.

die Hindki nicht angenommen haben. In politischer Beziehung gehört der H. im Südabhang des nordöstlichen Teils zu Kafiristan, im übrigen zu Afghanistan (s. d.); doch gebietet im Hochgebirge der Emir nur nominell, die Gewalt liegt hier in den Händen der Oberhäupter der einzelnen Stämme. S. Karte "Zentralasien".

Hinkelstein ("Hühnerstein"), s. v. w. Hünenstein, s. Gräber, prähistorische.

Hinken (Claudicatio, Cholosis), derjenige fehlerhafte Gang, bei welchem man mit dem einen Schenkel nicht vollständig ausschreiten und austreten kann, daher man sich mehr auf den gesunden als auf den kranken Schenkel stützt. Kann der Kranke mit beiden Schenkeln nicht vollständig ausschreiten und auftreten, dann erfolgt ein gleichsam doppeltes H., der sogen. wackelnde Gang. Jedes H. wird entweder durch einen Unterschied in der Länge der Schenkel oder durch Störungen in der Beweglichkeit derselben veranlaßt. Das H. ist ein Symptom verschiedener Übel, welche nicht allein im Schenkel selbst, sondern auch im Becken, ja in der Unterleibshöhle und in der Brusthöhle begründet sein können. Das angeborne H. (claudicatio congenita) ist gleich mit der Geburt des Kindes gegeben, kann aber erst dann wahrgenommen werden, wenn das Kind zu laufen beginnt. Es kann eine Folge sein von Mißgestaltungen der Schenkelknochen und des Hüftgelenks (z. B. bei angeborner Verrenkung des Schenkelkopfes), von Verkürzungen und abnormen Krümmungen des Schenkels, von fehlerhafter Bildung des Unterfußes, von mangelnden, mißgestalteten Zehen etc. Camper hat das angeborne H. sehr häufig in Holland vorgefunden; es erscheint daselbst mehr bei dem weiblichen Geschlecht, ist zuweilen erblich und in einem ursprünglichen Bildungsfehler der das Hüftgelenk zusammensetzenden Teile begründet, unheilbar und bleibt daher die ganze Lebenszeit hindurch, verschlimmert sich jedoch nicht. Das erworbene H. (c. acquisita) ist entweder Folge von einem Schmerz (z. B. Ischias) oder von einer Schwäche und Lähmung des einen Schenkels, oder es findet sich vor bei Fehlern der Schenkelknochen, Hüftgelenkentzündungen und Ankylose. Namentlich die letztern verursachen das sogen. freiwillige H., wobei das Knie gebogen und der Fuß nach innen oder außen gestellt ist. Ist der Schenkel verkürzt, wie z. B. nach schlecht geheilten Brüchen der Schenkelknochen oder bei Verrenkungen des Schenkelkopfes nach oben und hinten, so stellt sich ein H. ein, wobei der Fuß nur mit der Fußspitze auftritt. Bei der Ankylose ist das H. ein Symptom, welches niemals ausbleibt. Was die Vorhersage bei dem H. betrifft, so richtet sie sich nach der Möglichkeit der Beseitigung der Ursachen. Bei Kindern, welche ohne wahrnehmbare Ursache am H., namentlich an dem angebornen, leiden, reicht zuweilen anhaltendes, monatelang fortgesetztes Liegen zur Entfernung desselben aus. Der sogen. wackelnde Gang, das Wackeln, Watscheln (vacillatio, claudicatio anatica) ist eigentlich nichts weiter als ein doppeltes H.; es kann dieselben Ursachen haben wie das gewöhnliche H., kommt aber am häufigsten vor bei rhachitischen, skrofulösen Individuen, findet sich außerdem vor bei Atrophie der Gelenkköpfe, bei schleichender Entzündung und Schlaffheit der Gelenkbänder, bei Rückenmarksleiden und wird auch bei Schwangern, bei schwerfälligen Personen und bei Steinkranken wahrgenommen.

Hinkender Iambus, s. Choliambus.

Hinkmar, Erzbischof von Reims, einer der hervorragendsten Kirchenfürsten und Staatsmänner seiner Zeit, um 806 geboren, erhielt im Kloster St.-Denis bei Paris seine Bildung und folgte sodann seinem Lehrer, dem gelehrten Abt Hilduin, 830 freiwillig ins Exil nach Korvei. 845 wurde er zum Erzbischof von Reims erwählt. Als Primas der westfränkischen Geistlichkeit wachte H. eifrig über der Reinheit der Lehre, trat mit Entschiedenheit gegen des Königs Lothar II. von Lothringen Ehescheidung und zweite Vermählung auf und wußte den Streit zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen zur Erhöhung der Autorität der Kirche zu benutzen. Dem Papst Nikolaus I. gegenüber versuchte er seine Selbständigkeit vergeblich zu wahren. Größern Erfolg hatte er unter Hadrian II., gegen den er sich weigerte, König Karl wegen der Besetzung Lothringens zu bannen, und das Recht der fränkischen Kirche, den Bischof H. von Laon, seinen eignen Neffen, abzusetzen, unter Zurückweisung der pseudoisidorischen Dekretalen mit Glück verteidigte. Vor den Normannen flüchtete er 882 nach Epernay, wo er bald darauf starb. Seine Schriften, teils Abhandlungen dogmatischen Inhalts, wie die Schrift gegen Gottschalk (s. d. 1): "De praedestinatione Dei", teils Briefe und Gutachten, gab am vollständigsten Sirmond (Par. 1645, 2 Bde.) heraus. Am wichtigsten sind die Briefe als Hauptquelle für die Geschichte der karolingischen Periode. Die "Reichsannalen" ("Annales Bertiniani", in Pertz' "Monumenta", Bd. 1) hat H. von 861 bis 882 fortgesetzt. Vgl. v. Noorden, Erzbischof H. von Reims (Bonn 1862); Sdralek, Hinkmars von Reims kanonistisches Gutachten über die Ehescheidung Lothars II. (Freiburg 1881); Schrörs, H., Erzbischof von Reims (das. 1884).

Hinlopenstraße, Meerenge im nordöstlichen Teil der Spitzbergengruppe, zwischen der großen Insel und dem Nordostland, mit zwei größern Buchten, der Lommebai und der Wahlenbergbucht. Im südlichen Teil die Süd-Waygatsinseln, die Wilhelminsel und die Bastianinseln. Das südöstliche Ende der Straße ist meist den ganzen Sommer hindurch vom Eis versperrt; außerdem ist dieselbe durch die dichten Nebel berüchtigt, welche ein scharfer Südostwind von fast beständiger Dauer hervorruft.

Hinrichs, Hermann Friedrich Wilhelm, Philosoph, geb. 22. April 1794 zu Karlseck in Oldenburg, am Gymnasium zu Jever gebildet, studierte in Straßburg Theologie, dann in Heidelberg Philosophie unter Hegel, welcher seine Schrift "Die Religion im innern Verhältnis zur Wissenschaft" (Heidelb. 1822) mit einer Vorrede einleitete. Nachdem sich H. 1819 in Heidelberg habilitiert, wurde er 1822 außerordentlicher Professor zu Breslau, 1824 ordentlicher Professor der Philosophie zu Halle, wo er durch seine "Grundlinien der Philosophie der Logik" (Halle 1826) und die "Genesis des Wissens" (Heidelb. 1835, Bd. 1) ein Hauptvertreter der orthodox-hegelschen Richtung ward. In seinen schwer lesbaren ästhetischen Schriften: "Vorlesungen über Goethes Faust" (Halle 1825) und "Schillers Dichtungen nach ihrem historischen Zusammenhang" (Leipz. 1837-39, 2 Bde.) hat H. zuerst den Inhalt klassischer Dichtungen nach Hegelschen Kategorien abgehandelt. Seine "Geschichte der Rechts- und Staatsprinzipien seit der Reformation bis auf die Gegenwart" (Leipz. 1848-52, 3 Bde.) hat als Materialiensammlung Wert; sein Versuch, in dem Werk "Die Könige" (2. Aufl., das 1853) die verschiedenen historisch aufgetretenen Formen des Königtums als Momente des modernen (preußischen) darzustellen, fand, wie die vorhergegangenen "Poli-^[folgende Seite]