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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hintersassen - Hipparchos.

von der Rechten die Albula ihre Wasser zum Rhein. Den Überschwemmungen, welche früher die Nolla verursachte, ist jetzt durch kostspielige Wehrarbeiten Einhalt gethan. Bei dem Schloß Reichenau (586 m) vereinigt der H. seine Gewässer mit denjenigen des Vorderrheins. Das Thal des Hinterrheins bildet den Zugang zum Splügen (und Bernhardin) und hofft auf den Bau der längst geplanten Splügenbahn.

Hintersassen (Hintersättler, Hintersiedler, Kossaten, Kossäten, Kleinhäusler), Landleute, welche ohne geschlossene Güter, nur mit einem Haus, Garten oder einzelnen Feldern angesessen sind; vgl. Bauer, S. 462.

Hinterschiff (Achterschiff), letzter Schiffsteil, vom Groß-, bez. Kreuzmast bis zum Heck.

Hintersteven (Achtersteven), das letzte hauptsächliche Werkstück des Schiffskörpers, s. v. w. Rudersteven für Segelschiffe; an Bord von Schraubendampfern dagegen folgt dem H. noch der Rudersteven; s. Schiffbau.

Hinterwäldler, s. v. w. Backwoodsmen, s. Backwoods.

Hinterziehung, s. v. w. Defraudation (s. d.).

Hiob (Job), Held des nach ihm benannten Lehrgedichts im Alten Testament. Er wird als ein Herdenbesitzer im Land Uz geschildert, ist in Wahrheit entweder eine Gestalt der alten, nicht einmal spezifisch hebräischen Sagenwelt oder geradezu (schon der symbolische Name, s. v. w. Angefeindeter, läßt dies vermuten) eine zum Zweck der Veranschaulichung einer Idee fingierte Person. Das Buch H. behandelt nämlich das Verhältnis des sittlichen Wertes des Menschen zu seinem Geschick, indem es ausdrücklich die von der althebräischen Vergeltungslehre dargebotene Lösung dieses Problems verwirft. Es stellt sonach das einzige Beispiel eines Lehrgedichts im Alten Testament dar, und zwar sind zu unterscheiden der epische Prolog (1 und 2) und Epilog (42, 7-17) und die Hauptmasse der Reden, welche zwischen H. und seinen Freunden in drei Gängen (4-14, 15-21, 22-31) gewechselt werden; die Reden Elihus (32 bis 37) sind spätere Einschaltung. Das Ganze ist im besten Hebräisch geschrieben und gehört der Blütezeit der hebräischen Litteratur an. Die Bilder sind mannigfaltig, frisch und blühend, die Naturbeschreibungen nicht selten erhaben; die Gedanken zeugen von einem hohen Geiste, der viel in sich zerarbeitet und an sich gearbeitet hat. Dagegen weiß er die Dämonen des Zweifels, die er heraufbeschwört, nicht eigentlich zu bewältigen. Das einzig praktische Resultat so vieler Streitreden besteht in dem Bekenntnis, daß der Mensch unfähig sei, das Rätsel des Geschicks mit dem Gottesgedanken zu versöhnen, und ihm deshalb nur unbedingte Unterwerfung übrigbleibe. Die namhaftesten neuern Kommentare und Bearbeitungen des Buches H. sind von Ewald (2. Aufl., Götting. 1851), Olshausen (Leipz. 1851), Dillmann (3. Aufl., das. 1869), Schlottmann (Berl. 1851), Renan (Par. 1859), Delitzsch (Leipz. 1864), Merx (Jena 1871), Hengstenberg (Berl. 1870-75), Hitzig (Leipz. 1874), Studer (Brem. 1881).

Hiobspost, s. v. w. Trauerbotschaft.

Hiobsthränen, s. Coix.

Hiogo (Fiogo), Hafenstadt auf der japan. Insel Hondo in der Provinz Settsu, an der Bai von Osaka, seit 1860 dem europäischen Verkehr geöffnet, hat sich seit der Niederlassung der Fremden zu einer ansehnlichen Stadt von (1881) 36,587 Einw. emporgeschwungen. Die Erwartungen, die sich an die Eröffnung dieses Hafens geknüpft hatten, weil H. für die zwei wichtigen Städte Osaka (mit 293,686) und Miako oder Kioto (mit 239,425 Einw.) den Seeplatz bildet und vom Meer leicht zugänglich ist, konnten sich freilich nicht sofort erfüllen, da das ältere, der Reichshauptstadt nähere Jokohama alle Kräfte beanspruchte. Schon 1868 bestanden hier 20 europäische Firmen; seitdem sind eine englische Bank und vier weitere deutsche Firmen hinzugekommen. Osaka besitzt eine Münzstätte, in der bis Mitte 1884 für 114,365,259 Jen Münzen geschlagen wurden. Die Fremden bewohnen den östlichen Teil, Kobe genannt. Dies ist eine Stadt für sich und das Zentrum des Verkehrs mit (1881) 20,579 Einw. Kobe, von H. durch ein meist trocknes Flußbett geschieden, hat eine prächtige Lage am japanischen Binnenmeer und einen sichern, tiefen Hafen, der auch Osaka dient, und dessen Handelsverkehr nur dem von Jokohama nachsteht. Es verkehren hier die Dampfer der japanischen Nippon Jusen Kaisha sowie die der Messageries maritimes; auch besteht hier eine internationale Telegraphenstation. Die 1874 eröffnete Eisenbahn von H. nach Osaka, 36 km lang, hat eine Station in Kobe. Die Handelswerte betrugen 1883 bei der Einfuhr 8,329,630 (deutsch 498,675) Doll., bei der Ausfuhr (hauptsächlich Thee) 7,116,529 (deutsch 122,702) Doll. H. ist Sitz eines deutschen Berufskonsuls.

Hip! hip! hurrah! in England die hergebrachte Art, ein Hurra auszubringen.

Hippanthrop (griech.), Pferdemensch, Kentaur.

Hipparch (griech.), bei den alten Griechen der Befehlshaber der Reiterei (s. Hippeis).

Hipparchia, die schöne Gemahlin des cynischen Philosophen Krates (s. d.), gebürtig aus Maronea in Thrakien, Schwester des Metrokles, war eine eifrige Anhängerin der Schule ihres Gatten, die um 330 v. Chr. blühte, aber gleich diesem durch ihre vielleicht vom Gerücht übertriebene Schamlosigkeit berüchtigt.

Hipparchos, 1) Sohn des Peisistratos, erbte mit seinem Bruder Hippias 527 v. Chr. des Vaters Gewalt über Athen, zeichnete sich durch Liebe zur Kunst und Wissenschaft aus, war aber sinnlich und lüstern und fiel am Feste der Panathenäen (514) unter den Dolchen der von Privatrache getriebenen Jünglinge Aristogeiton und Harmodios (s. d.).

2) Der Gründer der wissenschaftlichen Astronomie, geboren im Anfang des 2. Jahrh. v. Chr. zu Nicäa in Bithynien, nach andern auf der Insel Rhodos, lebte hier und wahrscheinlich auch zeitweilig in Alexandria. Über seine sonstigen Lebensverhältnisse ist nichts bekannt, und von seinen Schriften ist uns nur eine Jugendarbeit erhalten, ein Kommentar zu der poetischen Sternbeschreibung, welche Aratos unter dem Titel: "Phaenomena et prognostica" geschrieben hatte, herausgegeben von Victorius (Flor. (1567) und in des Patavius "Uranologia" (Par. 1630). Was wir sonst von seinen Arbeiten wissen, hat uns Ptolemäos in seinem "Almagest" aufbewahrt. Die älteste ihm zugeschriebene Beobachtung ist die des Herbstäquinoktiums 161 v. Chr., die erste sichere aber die einer Mondfinsternis im J. 146, die letzte im "Almagest" verzeichnete eine Mondbeobachtung von 126. Das Erscheinen eines neuen Sterns im Skorpion im J. 134 veranlaßte ihn zur Anfertigung eines Sternkatalogs, wobei ihn die Vergleichung der eignen Beobachtungen mit denen von Aristyll und Timocharis (um 300 v. Chr.) auf die Entdeckung der Präzession (s. d.) führte. Die Länge des tropischen Jahrs bestimmte er zu 365 Tagen 5 Stunden 55 Minuten, die des siderischen zu 365 Tagen 6 Stunden 10 Minuten. Die um das Jahr 150 von ihm konstatierte Ungleichheit der Jahres-^[folgende Seite]