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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hitchin - Hitzig.

ten und Färbung der Zeit immer treu wiedergibt. Zahlreich eingestreute, zum Teil sehr alte Romanzen beleben das Ganze. Der erste, wertvollere Teil des Buches erschien zuerst Alcala 1588, dann Saragossa 1595 (seitdem sehr oft, auch Gotha 1805); der zweite Alcala 1604 und öfter; beide zusammen Madrid 1833 sowie in Rivadeneyras "Biblioteca" (Bd. 3, das. 1849). Eine französische Übersetzung lieferte Sané unter dem Titel: "Histoire chevaleresque des Maures en Espagne" (Par. 1809, 2 Bde.).

2) Juan Ruiz, Erzpriester von, s. Ruiz.

Hitchin (spr. hittschin), Stadt im nördlichen Teil von Hertfordshire (England), mit Korn- und Viehhandel, Strohflechterei und (1881) 8434 Einw.

Hitdorf (Hittorf), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Solingen, am Rhein, hat eine schöne, neue kath. Kirche im romanischen Stil, Tabaks- und Zigarrenfabrikation, Zündholzfabriken, Handel mit Kohlen, Holz und Getreide, Schiffahrt und (1881) 1765 Einw.

Hitlandinseln, s. v. w. Shetlandinseln.

Hitopadesa (Hitopadeça, "heilsame Unterweisung"), Titel eines sanskritischen Fabelwerkes, Auszug aus dem "Pantschatantra", der ältesten noch vorhandenen Fabelsammlung; s. Bidpai.

Hitteren, Insel an der Westküste Norwegens, Amt Süd-Drontheim, umfaßt mit mehreren umliegenden kleinern Inseln 526 qkm (9½ QM.) mit etwa 2700 Einw., die Hummerfang und Viehzucht treiben. Hauptort ist Filland an der Nordküste.

Hittorff, Jakob Ignaz, Architekt, geb. 20. Aug. 1792 zu Köln, empfing daselbst seine Vorbildung und ging sodann nach Paris, wo Percier sein Lehrer war. Er wurde 1814 Inspektor unter J. F. Belanger und nach dessen Tod sein Nachfolger als königlicher Architekt. Neben mancherlei Privatbauten in Paris und im südlichen Frankreich leitete er, gemeinschaftlich mit Lecointe, den Wiederaufbau des italienischen Theaters Favart, den Neubau des Théâtre de l'Ambigu comique und besorgte die Entwürfe zur Wiederherstellung der Kirche St.-Remy zu Reims, zu einem Grabmonument für den Herzog von Berri, zur Grabkapelle für die Herzogin von Kurland und zu dem Springbrunnen der Place de la Concorde, ferner die Herausgabe des "Recueil des décorations et descriptions du baptême du duc de Bordeaux" (Par. 1827). Die Julirevolution schob ihn als Architekten des Königs beiseite; doch blieb er bei dem Bau der Kirche St.-Vincent de Paul zu Paris als Mitarbeiter seines Schwiegervaters Lepère beschäftigt. Früher hatte H. zu wiederholten Malen Deutschland, England und 1822-24 mit seinem Schüler L. Zanth Italien und Sizilien bereist. Letzteres gewährte ihm die reichste Ausbeute, die er in seiner "Architecture antique de la Sicile" (Par. 1826-30, 3 Bde.; neue Bearbeitung 1866-67) und in der "Architecture moderne de la Sicile" (das. 1826-30) niederlegte. Seine epochemachende, später noch weiter bestätigte Entdeckung, daß die hellenischen Bauten bemalt gewesen seien, legte er in seiner "Architecture polychrome chez les Grecs" (Par. 1830) und in "Restitution du temple d'Empédocle à Sélinunte" (das. 1851) dar. Im J. 1832 wurde H. zum Regierungs- und Stadtamtsarchitekten ernannt. Seitdem waren seine wichtigsten Werke: die französische Übersetzung von "The unedited antiquities of Attica" (Par. 1832) und die Entwürfe zur Verschönerung des Konkordienplatzes und der Elysäischen Felder. 1852 ward er mit der Verschönerung des Bois de Boulogne beauftragt. Zu seinen spätern Bauunternehmungen in Paris gehören: das Panorama der Champs Elysées, der Zirkus der Kaiserin, der Zirkus des Boulevard des Filles du Calvaire, das Erziehungshaus an der Barrière du Trône und die gotische Mairie neben der alten Kirche St.-Germain l'Auxerrois. Seine letzte Schöpfung von Bedeutung (1861-65) war der Nordbahnhof, der sowohl an der Fassade als in der kühn konstruierten Halle die seltene Fähigkeit des Künstlers zeigt, große Verhältnisse zu bewältigen. H. starb 25. März 1867 in Paris.

Hitzacker, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Kreis Dannenberg, am Einfluß der Jeetze in die Elbe und an der Linie Berlin-Buchholz der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Pfarrkirche, ein altes Schloß, eine Burgruine, eine Stahlquelle und Badeeinrichtung für Stahl-, Moor- und Solbäder, ein Hauptsteueramt und (1885) 1024 Einw. Die Bibliothek zu Wolfenbüttel ward hier von Herzog August (gest. 1666) gegründet und 1643 nach Wolfenbüttel verlegt.

Hitzbläschen, populäre Bezeichnung verschiedener Hautausschläge in Bläschenform; s. Blase.

Hitze, hoher oder relativ hoher Grad von Wärme. Gewöhnlich wendet man die Bezeichnung H. nur auf Temperaturen über 100° an, dagegen spricht man auch von H., sobald die Körpertemperatur bei fieberhaften Zuständen über 37,5° steigt. "Hitze" schreibt man auch dem Erdboden zu, wenn derselbe Sand, Kalk, Gips oder Kreide enthält, welche die Feuchtigkeit schnell anziehen, aber nicht behalten, den Dünger schnell auflösen und die Gewächse zu schnell zur Reife bringen. Sie erzeugt sich auch bei starker Mistdüngung (Mistbeete). Beim Rammen heißt H. die von zwei Ruhepausen begrenzte Arbeitszeit, welche nach der Anzahl von Schlägen, die in dieser Zeit gemacht wurden, benannt wird, z. B. eine H. von 25 Schlägen.

Hitzemesser, s. Pyrometer.

Hitzig, 1) Julius Eduard, kriminalistischer Schriftsteller, geb. 26. März 1780 zu Berlin, wurde bei der Regierung in Warschau 1799 als Auskultator, 1804 als Assessor angestellt und schloß hier mit den Dichtern Mnioch und Werner ein inniges Freundschaftsverhältnis. Nach dem Ende der preußischen Herrschaft in Warschau (1806) privatisierte er in Potsdam und Berlin als Schriftsteller, übersetzte namentlich Chaptals "Chimie appliquée aux arts" (Berl. 1808, 2 Bde.) und begründete 1808 in Berlin ein Verlagsgeschäft, mit dem er später eine Sortimentshandlung und 1810 ein Lesezimmer für die Universität verband. Nachdem er 1814 sein Geschäft verkauft hatte, ward er 1815 Kriminalrat beim Kammergericht, 1827 Direktor des Kammergerichtsinquisitoriats. Infolge eines Augenübels nahm er 1835 seine Entlassung. Er starb 26. Nov. 1849. Seinen schriftstellerischen Ruf hatte er durch die Lebensbeschreibungen Z. Werners (Berl. 1823) und E. Th. A. Hoffmanns (das. 1823, 2 Bde.; 3. Aufl., Stuttg. 1839, 3 Bde.) begründet. 1825 gründete er die "Zeitschrift für die Kriminalrechtspflege in den preußischen Staaten" und 1828 die "Annalen der deutschen und ausländischen Kriminalrechtspflege", welche seit 1837 von Demme und in neuer Folge seit 1845 von Schletter fortgesetzt wurden. Auch gab er ein "Gelehrtes Berlin" (Berl. 1826; fortgesetzt von Büchner, das. 1834) heraus. Seit 1842 führte er die Oberredaktion der in Leipzig erscheinenden "Preßzeitung" und gab mit W. Häring den "Neuen Pitaval" heraus. Im letztwilligen Auftrag seines Freundes A. v. Chamisso schrieb er dessen Biographie, die unter dem Titel: "Leben und Briefe von A. v. Chamisso" (Leipz.