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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hoffmann

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Hoffmann (Naturforscher etc., Theologen).

logie und wandte sich dann nach Holland, wo er sich mit Eifer auf das Studium des Chinesischen und Japanischen warf. In der Folge wurde er zum Professor der genannten Sprachen an der Universität zu Leiden ernannt; er starb 23. Jan. 1878 im Haag. Von seinen Veröffentlichungen sind der "Catalogus librorum et manuscriptorum japonicorum" (Leiden 1845) und "Japanische Sprachlehre" (das. 1877; Nachtrag: "Japanische Studien", 1878) hervorzuheben. Mit dem Naturforscher P. Fr. v. Siebold verband er sich zur Herausgabe des umfangreichen Werkes "Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan etc." (Leiden 1832-51, 20 Sektionen).

6) Heinrich Karl Hermann, Botaniker, geb. 22. April 1819 zu Rödelsheim bei Frankfurt a. M., studierte in Gießen und Berlin Medizin, habilitierte sich 1842 als Privatdozent in Gießen und ist seit 1853 Professor der Botanik daselbst. Er beschäftigte sich vorzugsweise mit den biologischen Verhältnissen der Pilze und ihren Beziehungen zu Gärung, Fäulnis und Krankheitsprozessen. Außerdem machte er langjährige Studien über den Einfluß des Klimas auf die Pflanzen und beschäftigte sich mit experimentellen Untersuchungen über Bildung von Varietäten und Entstehung verwandter Arten auseinander. In neuerer Zeit hat er namentlich die Phänologie durch eingehende Untersuchungen gefördert. Er schrieb: "Schilderung der deutschen Pflanzenfamilien vom botanisch-deskriptiven u. physiologisch-chemischen Standpunkt" (Gieß. 1846; 2. Ausg., Mainz 1851); "Untersuchungen über den Pflanzenschlaf" (das. 1851); "Pflanzenverbreitung u. Pflanzenwanderung" (Darmst. 1852); "Witterung und Wachstum, oder Grundzüge der Pflanzenklimatalogie" (Leipz. 1857); "Lehrbuch der Botanik" (Darmst. 1857); "Icones analyticae fungorum. Abbildungen und Beschreibungen von Pilzen mit besonderer Berücksichtigung auf Anatomie und Entwickelungsgeschichte" (Gieß. 1861-65, 4 Hefte mit 24 Tafeln); "Index fungorum" (Leipz. 1863); "Untersuchungen zur Bestimmung des Wertes von Spezies und Varietät" (Gieß. 1869); "Mykologische Berichte" (das. 1870-73, 3 Tle.); "Resultate der wichtigsten pflanzenphänologischen Beobachtungen in Europa" (das. 1885).

Theologen.

7) Andreas Gottlieb, biblischer Kritiker und Orientalist, geb. 13. April 1796 zu Welbsleben in der Grafschaft Mansfeld, nahm als freiwilliger Jäger an dem Feldzug von 1813 teil, bezog dann die Universität Halle, wo er Theologie und unter Gesenius Syrisch und Hebräisch studierte, später auch selbst Vorlesungen über orientalische Sprachen hielt, ward 1823 außerordentlicher, 1825 ordentlicher Professor in Jena, 1828 Kirchenrat und 1843 Geheimer Kirchenrat. Er starb 16. März 1864. Als seine Hauptschrift ist die "Grammatica syriaca" (Halle 1827) zu nennen. Außerdem erwähnen wir seinen "Commentarius philologico-criticus in Mosis benedictionem" (Halle, dann Jena 1822, 8 Programme) und "Die Apokalyptiker der ältern Zeit unter Juden und Christen in vollständiger Übersetzung etc." (Bd. 1, Jena 1833-1838, 2 Tle., das Buch Henoch enthaltend). Auch hat er die zweite Sektion der Ersch und Gruberschen Encyklopädie anfangs gemeinschaftlich mit G. Hassel, vom 8. Band an allein redigiert.

8) Gottlieb Wilhelm, württemberg. Separatist, geb. 19. Dez. 1771 zu Ostelsheim bei Kalw, wurde kaiserlicher Notar und Bürgermeister in Leonberg und sammelte, mit allen Größen des Pietismus befreundet, die mit den Neuerungen in der Landeskirche Unzufriedenen in der 1818 mit königlicher Erlaubnis gestifteten, nach apostolischem Vorbild eingerichteten Gemeinde Kornthal, von wo er auf die württembergische Landesgeistlichkeit bis zu seinem 1846 erfolgten Tod einen bedeutenden Einfluß ausübte. Verwandte Unternehmungen setzten in anderm Stil seine Söhne Wilhelm und Christoph (s. unten 9 und 10) fort. Vgl. Palmer, Gemeinschaften und Sekten Württembergs (Tübing. 1877).

9) Ludwig Friedrich Wilhelm, namhafter Kanzelredner und Kirchenpolitiker, Sohn des vorigen, geb. 30. Okt. 1806 zu Leonberg, bekleidete erst verschiedene geistliche Ämter im Württembergischen, führte 1839-50 die Inspektion über die Missionsanstalt zu Basel und hielt seit 1843 zugleich als Professor der Theologie Vorlesungen an der Universität. Er ward dann als Professor und Ephorus des theologischen Stifts nach Tübingen, 1852 als Hof- und Domprediger nach Berlin berufen, wo er seit 1853 auch als Mitglied des evangelischen Oberkirchenrats, Generalsuperintendent der Kurmark, Oberkonsistorialrat und Ephorus des Domkandidatenstifts, seit 1855 als Brandenburger Domherr, seit 1871 als erster Hofprediger mit dem Rang eines Geheimrats erster Klasse wirksam war. Er genoß in hohem Grade das Vertrauen Friedrich Wilhelms IV. und hatte bis zu seinem 28. Aug. 1873 erfolgten Tod vielleicht den größten Einfluß auf die innern Verhältnisse der protestantischen Kirche. Als Theolog war er ohne Bedeutung; doch rühren von ihm her eine Reihe von Schriften über Missionswesen und Missionsgeschichte ("Missionsstunden und Vorträge", Stuttg. 1847-51, 2 Bde., u. a.), mehrere Sammlungen von Predigten ("Ruf zum Herrn", Berl. 1854-58, 8 Bde.; "Die Haustafel", das. 1859-63, 3 Tle.; "Ein Jahr der Gnade", das. 1864), die Schriften: "Deutschland einst und jetzt im Lichte des Reiches Gottes" (Berl. 1868) und "Deutschland und Europa im Lichte der Weltgeschichte" (das. 1869) u. a. Sein Leben beschrieb sein Sohn Karl H. (Berl. 1877-80, 2 Bde.).

10) Christoph, Stifter der deutschen "Tempelgesellschaft" (s. d.) in Palästina, Bruder des vorigen, geb. 1808, wurde 1840 Repetent am theologischen Seminar in Tübingen, 1841 Lehrer auf dem Salon bei Ludwigsburg, 1848 Abgeordneter zur deutschen Nationalversammlung, 1853-55 Vorsteher der Evangelistenschule in St. Chrischona bei Basel und erließ 1854 in Verbindung mit Christoph Paulus einen Aufruf zu einer großartigen Auswanderung der Gläubigen nach Palästina, um daselbst mit allen frommen Juden und Katholiken das Gesetz des Moses zu erfüllen. Vorläufig wurde damit ein Anfang auf dem Kirschenhardthof bei Marbach gemacht, hierauf 1861 ein abermaliger Aufruf an die Christenheit zur Stiftung eines Zentralheiligtums in Jerusalem erlassen. 1858 machte er seine erste Forschungsreise nach Palästina, wohin er 1868 übersiedelte. Seit 1869 kam es zur Gründung der gut organisierten Kolonien zu Haifa, Jafa und Sarona in Palästina, und 1878 wurde die Zentralleitung des "deutschen Tempels" nach Jerusalem verlegt. Da aber der Stifter in der "Süddeutschen Warte" und in seinem Buch "Occident und Orient" (Stuttg. 1875) den trinitarischen und christologischen Grundlehren der Kirche den Krieg erklärte, sagte sich der "Reichsbrüderbund" zu Haifa unter dem Tempelvorsteher Hardegg (gest. 1879) von dem Haupttempel los. H. gab heraus "Bibelforschungen" (Jerusal. u. Stuttg. 1882-84, 2 Bde.) und starb 8. Dez. 1885. Vgl. seine Selbstbiographie "Mein Weg nach Jerusalem" (das. 1882-84, 2 Bde.).