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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holz

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Holz (Holzhandel).

ein mit der Schießbaumwolle entfernt vergleichbares Produkt, welches zu explosiven Präparaten dient. Holzzeug hat man mit Schwefelsäure behandelt, um einen Teil der Holzsubstanz in Zucker zu verwandeln, der dann durch Gärung in Alkohol übergeführt wird. Durch Behandlung von H. mit Alkalien stellt man Oxalsäure dar, durch Behandlung mit Alkalien und Schwefel Farbstoffe. Manche Hölzer enthalten aber auch wertvolle Bestandteile (Farbhölzer, Arzneihölzer) und werden nur wegen dieses Gehalts benutzt; aus dem Koniferin unsrer Nadelhölzer stellt man Vanillin dar.

Das zur Verarbeitung bestimmte H. (Nutzholz) ist Handelsware in ganzen Stämmen (Ganzholz), zersägt (Schnittholz) und gespalten (Spaltholz). Das Ganzholz kommt für gewisse Zwecke unbeschlagen vor (Rundholz); meist aber wird es durch Beschlagen, Abvieren, mit vier Flächen versehen (Balken, Kant-, Eckhölzer). Um das Austrocknen und die Abfuhr zu erleichtern, beschlägt man es unvollständig schon im Wald (Bewaldrechten, Berappen), wobei es zwar vier Flächen, aber keine scharfen Kanten erhält (wahnkantig, wald- oder baumkantig). Das Stammholz (Langholz) wird je nach Länge, Stärke, Geradwüchsigkeit und sonstiger Beschaffenheit in Klassen rangiert und damit zu Schiffbauholz, Planken, Bohlen, Mühlwellen, Bauholz, Böttcherholz etc. bestimmt. Bei den stärkern Nadelholzstämmen entscheidet auch die Stärke des Zopfendes. Stämme von über 22 m Länge und gegen 40 cm Zopfdurchmesser liefern Mastbäume, Segelstangen und die stärksten Bauhölzer. Zum Ganz- oder Rundholz gehören auch das dünne Stangenholz und das Krummholz, das in seiner natürlichen Krümmung zu Schiffen, Booten, Schlitten etc. benutzt wird. Das Schnittholz ist das Erzeugnis der Sägemühlen, welche häufig im Wald selbst arbeiten. Sie liefern nur einmal der Länge nach geteilte Stämme (Halbholz), durch zwei Schnitte in vier Längsstücke geteilte Stämme (Kreuzholz), im übrigen breites Schnittholz (Bohlen, Planken, Pfosten, Bretter, Dielen, Furniere) und kantiges Schnittholz (Stollen-, Säulenholz, Latten etc.). Spaltholz (Kluftholz) entsteht durch Längsteilung der quer durchschnittenen Stämme mit der Axt und mit Keilen. Da hierbei die Trennung genau dem Lauf der Fasern entsprechend erfolgt, so ist das Spaltholz biegsamer, elastischer, fester und weniger dem Werfen ausgesetzt als Schnittholz.

Holzhandel.

Der Holzhandel ist sehr umfangreich und greift häufig gerade in solche Gegenden ein, die dem großen Verkehr entzogen sind. Der Transport geschieht stets soviel wie möglich zu Wasser; mit großem Vorteil aber hat man in neuester Zeit in den Waldungen Schienenbahnen angewandt, die leicht verlegt werden können (s. Waldeisenbahnen). In waldreichen Gegenden dient das H. noch mehr oder weniger ausschließlich als Feuerungsmaterial; doch tritt diese Benutzung bei den steigenden Holzpreisen immer mehr zurück, und auf Holzfeuerung begründeter ausgedehnter Fabrikbetrieb findet sich nur noch in wenigen Gegenden. Trotzdem ist der Holzverbrauch keineswegs gesunken. Er betrug (für einheimisches und fremdes H.) in Großbritannien zu Anfang dieses Jahrhunderts 0,224, um die Mitte des Jahrhunderts 0,168, in den 60er Jahren 0,252 und in der Gegenwart 0,386 cbm pro Kopf der Bevölkerung. Die durchschnittliche Produktion und Konsumtion von H. in den wichtigsten Ländern zeigt folgende Tabelle:

Verbrauch Jährlicher Verbrauch

Länder Produktion aller Holzarten von Brennholz von Bau- und Nutzholz von allen Arten Wert in Tausenden Mark Kubikmeter pro Kopf

in Tausenden Kubikm. im Jahr

Großbritannien 3920 1680 11060 12740 405000 0,336

Frankreich 30240 23800 12040 35840 428000 0,924

Deutsches Reich 40600 21280 19320 40600 490000 0,896

Rußland 179200 77560 93800 171360 1126000 2,128

Österr.-Ungarn 55440 31360 21280 52640 602000 1,428

Italien 13440 6440 7840 14280 246000 0,504

Spanien und Portugal 5600 3080 5880 8960 188000 0,448

Belgien u. Holland 1960 560 2520 3080 94000 0,336

Schweden und Norwegen 25200 8960 9660 18620 226000 2,856

Europa 355600 174720 183400 358120 3805000 1,448

Verein. Staaten 86800 39760 47040 86800 1548000 1,624

Kanada 8700 3920 2240 6160 108000 1,372

Zusammen: 451100 218400 232680 451080 5461000 1,232

Von dem Werte der überseeischen Einfuhren in Europa entfallen gegen 70 Mill. Mk. auf die Vereinigten Staaten und gegen 100 Mill. Mk. auf Kanada, der Rest (vorzüglich für Teakholz) auf Indien, Westindien, Mittel- und Südamerika und einige Gegenden Afrikas. Auch Tasmania und Queensland liefern kleine Quantitäten H. nach Europa. Der Holzhandel im Zollgebiet des Deutschen Reichs bezifferte sich 1885 wie folgt:

Im Jahresaußenhandel Metr. Ztr. Wert in Mark

Brennholz, Lohkuchen etc., auch Schleifholz Einfuhr 1377500 2748000

Ausfuhr 1788800 3576000

Bau- u. Nutzholz, europäisches u. außereuopäisches Einfuhr 28906200 122269000

Ausfuhr 9901400 56899000

Faßdauben und Stabholz Einfuhr 843200 7433000

Ausfuhr 374050 3741000

Furniere etc. Einfuhr 16436 1984000

Ausfuhr 6325 852000

Überhaupt Einfuhr 31143336 134434000

Ausfuhr 12070575 65068000

Außerdem wurden 1885 an Holzwaren, resp. Tischler-, Drechsler-, Böttcher-, Wagnerarbeiten, Spielzeug etc. für 7,947,000 Mk. importiert und für 57,189,000 Mk. exportiert. Brennholz wird hauptsächlich aus Rußland und Österreich geholt und besonders nach der Schweiz, wenig nach Frankreich, Österreich, Dänemark exportiert. Auch die eingeführten Nutzhölzer stammen meist aus Rußland und Österreich.

[Litteratur.] Gayer, Forstbenutzung (6. Aufl. Berl. 1883); Hartig, Vollständige Naturgeschichte der forstlichen Kulturpflanzen Deutschlands (das. 1851); Roßmann, Der Bau des Holzes der Bäume und Sträucher Deutschlands (Frankf. 1865); Schröder, Das H. der Koniferen (Dresd. 1872); Nördlinger, Die technischen Eigenschaften der Hölzer (Stuttg. 1860); Derselbe, Querschnitte von 100 Holzarten (das. 1852-82, 10 Bde.; jeder Band 100 natürliche, durchscheinend dünne Blättchen Hirnholz nebst erläuterndem Text); Derselbe, Der Holzring als Grundlage des Baumkörpers (das. 1872); Derselbe, Anatomische Merkmale der wichtigsten deutschen Wald- und Gartenholzarten (das. 1881); Burkart, Sammlung der wichtigsten europäischen Nutzhölzer (Brunn 1880, 40 Tafeln); Dupont und