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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Honduras

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Honduras.

als Wasserstraßen zu dienen, der künstlichen Nachhilfe. Unter den Seen ist die Laguna de Yojoa ^[Stichwort: Yoyoa] (s. d.), 625 m ü. M., der merkwürdigste. Das Klima ist mit Ausnahme der heißen Küstenebenen, wo das Jahresmittel 26° C. beträgt, gesund und, wo es sich nur 300 m über das niedere Küstenland erhebt, von den verderblichen Miasmen desselben völlig frei. Das Bergland gehört größtenteils zur sogen. Tierra templada; in die eigentliche Region der Tierra fria reicht es nur an einzelnen Stellen hinein. Die jährliche Regenmenge ist 1200 mm, im Innern und auf der Südseite des Gebirges noch geringer. Die trockne Jahreszeit währt vom Februar bis April; vom Mai bis Juli ist die Übergangszeit zum nassen Winter, dessen Dauer sich bis in den Dezember erstreckt. Kalte Nordwinde (nortes) sind während des Winters häufig, Schnee und Reif dagegen selten. Die üppige Vegetation wird durch den starken nächtlichen Tau erhalten, der aber nur bis zu einer Höhe von 950 m fällt. Der Boden ist durchgängig fruchtbar. Das Hochland ist noch größtenteils mit Wald, namentlich von Fichten, bedeckt, während in dem niedrigern Bergland im O. nur die Höhen bewaldet, die Hochebenen aber anmutige Savannen sind. Die Wälder des Küstenstrichs liefern außer Fichten treffliche Nutzhölzer, namentlich Mahagoni-, Palisander-, Brasil- und Sandelholz; außerdem Vanille, Sassaparille, Harze und Balsame, Ipekakuanha und viele andre nutzbare Gewächse. Auch an Wild sind die Wälder noch reich. Charakteristische Tiere sind: der Ameisenfresser, das Pekari, das amerikanische Schwein (Warri), der Tapir, der Waschbär, das Opossum, Armadill, verschiedene Affenarten, der Jaguar, Kuguar, der Alligator. Unter den Vögeln ist der Quetzal, unter den niedern Tieren die Langosta (Chapulu), eine wegen der großen Verheerungen, die sie anrichtet, allgemein gefürchtete Heuschrecke, bemerkenswert. Das Meer zeichnet sich besonders an der Nordküste durch Reichtum an Fischen, Schildkröten und Schaltieren aus.

[Bevölkerung.] Honduras hatte 1883: 323,274, 1884 nur 319,972 Einw., es kommen also auf das QKilometer keine 3 Seelen. Die Zahl der Weißen reinen Bluts ist sehr unbedeutend. Indianer und Mischlinge, die indes zum größten Teil die spanische Sprache angenommen haben, bilden die überwiegende Mehrheit. Auch Neger sind zahlreich und sollen rascher zunehmen als die andern Elemente der Bevölkerung. Die Indianer sind fast sämtlich ansässig, aber von geringer Bildung und Kunstfertigkeit. Dagegen gelten die 20,000 Kariben, welche an der Nordküste wohnen und von den 1796 durch die Engländer nach der Insel Roatan versetzten Eingebornen der Insel St. Vincent abstammen, für arbeitstüchtig und zuverlässig. Die römisch-katholische Kirche ist die einzige anerkannte des Landes, doch herrscht große Toleranz gegen Andersgläubige. Seit Einziehung der Kirchengüter und Aufhebung der Kloster ist die Kirche lediglich auf freiwillige Gaben und einen geringen Staatszuschuß angewiesen. Der Klerus, überwiegend aus Farbigen bestehend, ist unwissend und ungebildet und steht nicht gerade im Ruf großer Sittlichkeit. Das geistliche Oberhaupt desselben ist der Bischof von Comayagua. Für öffentliche Bildung geschieht nur wenig. Die beiden Universitäten zu Comayagua und Tegucigalpa genügen selbst den bescheidensten Forderungen nicht. Erfreulich ist indes zu hören, daß im J. 1882 die 573 Elementarschulen von 20,518 Schülern besucht wurden.

Haupterwerbszweige sind Landwirtschaft und Bergbau; allein beide liegen sehr danieder, und H. nimmt trotz seiner großen natürlichen Reichtümer hinsichtlich der Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse unter den zentralamerikanischen Staaten die letzte Stelle ein. Der Boden ist ungemein fruchtbar. Tropenpflanzen, wie Kakao, Indigo etc., kommen vortrefflich in den Tiefebenen fort; Zucker, Kaffee, Bananen geben noch bis zu einer Höhe von 1300 m einen reichen Ertrag, und Mais, Bohnen, Reis, Tabak (letzterer von vorzüglicher Güte in der Gegend von Gracias), Yukka, Yams etc. können sogar bis zu noch beträchtlicherer Höhe mit Vorteil gebaut werden. Auf den höhern Plateaus geben die europäischen Getreidearten die doppelte Ernte wie in Europa. Von den aus Europa eingeführten Haustieren kommen Pferde und Rindvieh sehr gut fort, und es bilden daher die Zucht von Pferden, Maultieren, Rindvieh und die Käsebereitung in einem großen Teil des Landes den bedeutendsten Erwerbszweig. Auch für die Schafzucht ist das bergige Land sehr geeignet. Der Bergbau könnte bei rationellem Betrieb einen großen Ertrag liefern. Hauptprodukt ist Silber, welches um Tegucigalpa und Gracias gewonnen wird. Gold wäscht man bei Guayapa im Departement Olancho. Außerdem kommen Eisen (bei Agalteca), Blei (als Nebenprodukt beim Ausschmelzen von Silber), Kupfer, Platina, Antimon, Zink vor. Opalgruben finden sich bei Erandique. Auch Steinkohlen hat man gefunden.

Von Industrie im eigentlichen Sinn des Wortes kann kaum die Rede sein, auch der Handel ist noch wenig entwickelt. Der Verkehr ist noch immer fast einzig auf Maultierpfade angewiesen; Brücken gibt es nur wenige; für Schiffbarmachung der Flüsse ist nichts geschehen, und die projektierte Eisenbahn von Puerto Cortez nach dem Fonsecagolf ist nur 54 km weit, bis nach San Pedro Sula, ausgeführt worden. Telegraphenlinien befinden sich 3080 km im Betrieb, und 1883 wurden 107,730 Depeschen befördert. Die Ausfuhr (1882: 2,265,650 Doll.) besteht vorwiegend aus Vieh, Mahagoniholz, Häuten (auch Rohhäuten), Vieh und Gummi; die Einfuhr (1,807,000 Doll.) aus Baumwollwaren, Kurzwaren u. dgl. Die wichtigsten Hafenplätze sind: Trujillo und Omoa am Atlantischen, Amapala am Stillen Ozean. Maße und Gewichte sind die spanischen. Münze ist der Dollar zu 100 Cents, im Nominalwert von 4 Mk.

[Verfassung.] Die neueste Verfassung wurde 1. Nov. 1880 angenommen. An der Spitze des Staats steht ein vom Volk auf vier Jahre gewählter Präsident, der ein absolutes Veto hat. Ihm zur Seite stehen sechs von ihm ernannte Minister: für ausländische und inländische Angelegenheiten, öffentliche Bauten, Finanzen, Bildung und Rechtspflege. Die gesetzgebende Gewalt übt ein Kongreß von 32 Mitgliedern aus. Für Verwaltungszwecke ist der Staat in 13 Departements eingeteilt, von denen jedes von einem von der Regierung ernannten Jefe politico verwaltet wird, und die behufs der Rechtspflege in 60 Distritos zerfallen. Die Zahl der Munizipien ist 212. Hauptstadt ist Tegucigalpa. Die Finanzen befinden sich infolge langer Bürgerkriege und namentlich des 1872-76 mit Guatemala und Salvador bis zur völligen Erschöpfung des Landes geführten Kriegs in traurigem Zustand. Indes sollen seit 1880 die Einnahmen die Ausgaben überstiegen haben, denn erstere beliefen sich im Jahresdurchschnitt (1880-84) auf 1,279,500 Doll., letztere nur auf 1,043,300 Doll. Hauptquellen der Einnahmen sind die Zölle (die in der Regel verpachtet werden) und das Branntweinmonopol. Die auswärtige Schuld belief sich Ende 1884 auf 5,398,570 Pfd. Sterl., wozu noch seit 1872 rückständige Zinsen im Betrag von 6,269,550 Pfd.