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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Huhn

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Huhn (Produkte der Hühnerzucht; Hühnerstall; Ernährung).

Durch geeignete Kreuzungen mit fruchtbaren italienischen und spanischen Rassen, auch mit den genannten untereinander (weiße Italiener mit weißen Minorcas z. B.) wird ein Material geschaffen, welches allen Anforderungen an ein dauerhaftes, leicht und billig zu erhaltendes, zu züchtendes und produktives Wirtschaftshuhn entspricht.

Produkte der Hühnerzucht.

Nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Produktion der Hauptrassen nach Zahl und Gewicht der Eier und Schwere der Hennen und Hühner und zwar die maximalen des bis jetzt Erreichten, welche den Höhepunkt der Legekraft, das dritte Lebensjahr, bezeichnen. Die dritte Kolumne bezeichnet die schätzbare Eigenschaft des Spätherbst- und Winterlegens (+ bedeutet gute Winterleger).

Eier Winterleger Hahn Henne Junge Gute Brüter

Anzahl bis Gewicht bis Kil. Gewicht bis Kilogr.

Brahma 210 80 + 7,3 5,9 5,0 +

Kochin 170 80 + 6,0 5,0 5,0 +

Houdan 190 85 4,1 3,2 3,2

Laflèche 180 80 4,2 2,8 2,6

Crève-coeur 180 90 3,9 3,0 2,9

Spanier 190 85 + 3,2 2,7 2,4

Italiener 200 80 + 3,2 2,3 2,0

Plymouth 180 80 + 5,5 3,6 5,0 +

Paduaner 120 65 3,2 2,2 2,0

Hamburgh 190 60 2,3 2,0 1,9

Landhuhn 190 65 + 2,8 2,1 2,0 +

Folgende Tabelle zeigt die vom Geflügelzuchtverein zu Großschönau erhaltenen Resultate über die Beschaffenheit der Eier verschiedener Rassen:

Rasse des Huhns Gew. des Gewicht von

rohen Eies gekochten Eies Eiweiß Dotter Schale

des gekochten Eies

g g g Proz. g Proz. g Proz.

Kampfbantam 30 28 15 53,6 10 35,7 3 10,7

Silberbantam 30 30 17 57,7 10 33,3 3 10,0

Jokohama 35 35 19 54,4 12 34,2 4 11,4

Perlhühner 39 39 22 66,4 12 30,8 5 12,8

Hamb. Goldsprenkel 44 43 24 55,9 14 32,5 5 11,6

Hamburg. Silberlack 44 45 27,5 62,0 13 29,0 4 9,0

Kaulhühner 48 48 25 52,1 18 37,5 5 10,4

Silberbrabanter 49 49 25 51,0 19 38,8 5 10,2

Breda, scheckig 52 50 30 60,0 15 30,0 5 10,0

Courtes Pattes 52 51 30 58,8 15 29,4 6 11,8

Italiener, kuckuckfarbig 54 54 30 55,6 18 33,3 6 11,1

Crève-coeur 55 55 32 48,2 17 30,9 6 10,9

Kochin 55 56 36 64,3 15 26,8 5 8,9

Paduaner, kuckuckgesperbert 57 56 34 60,7 16 28,6 6 10,7

Goldbrabanter 58 58 32 55,2 20,5 35,3 5,5 9,5

Brahma 58 59 33 55,8 20 34,0 6 10,2

Italiener, gelb 60 59 38 62,9 15 25,2 7 11,9

Houdan 60 60 35 58,3 19 31,7 6 10,0

Laflèche 62 59 35 59,3 18 30,5 6 10,2

Breda, schwarz 62 61 39 64,0 16 26,2 6 9,8

Dorking 65 64 40 62,5 18 28,1 6 9,4

Paduaner, chamois 65 65 41 63,1 17 26,1 7 10,8

Spanier 67 66 42 63,6 18 27,3 6 9,1

Breda, blau 68 68 41 60,3 20 29,4 7 10,3

Bergische Kräher 72 72 43 59,7 22 30,6 7 9,7

Je größer die Brütlust, desto weniger legen die Hühner. Jene ist indes nicht bei allen Individuen gleich groß und kann ebenso wie die Fruchtbarkeit durch die züchtende Hand gefördert werden. Dies gilt auch von der Eigenschaft des Winterlegens, welche durch Frühbruten gesteigert wird. Das Fleischgewicht der Jungen bezieht sich auf 5-6 Monate alte Hühner. Bei der Auswahl einer Rasse hat man vom wirtschaftlichen Standpunkt aus auch auf die Anpassungsfähigkeit an die klimatischen Verhältnisse, auf den Preis des Futterbedarfs und überhaupt der Ernährung und, wenn man selbst züchten will, auch auf gute Brüterinnen und Führerinnen und Leichtigkeit der Aufzucht Rücksicht zu nehmen. Da die besten Legehühner der Natur der Sache nach wenig oder gar nicht brüten, so ist es vorteilhaft, das Brutgeschäft einer geeigneten Mutter zu übertragen. Es sind seit einer Reihe von Jahren sehr verschiedene Rassen als "wirtschaftliche Zukunftshühner" angepriesen worden. Als die für Deutschland gewinnbringendsten scheinen sich indes die Italiener und noch mehr deren Kreuzungen mit einigen Schlägen der spanischen Rasse, besonders der Minorcas, bewährt zu haben, ebenso Kreuzungen beider Rassen mit starken Landhühnern.

Hühnerstall. Ernährung. Krankheiten.

Der Hühnerstall, wie einfach er sonst auch hergerichtet sein mag, muß möglichst warm, zugfrei, genügend groß und leicht zu reinigen sein. Peinliche Reinigung und Reinlichkeit ist die sicherste Vorbeuge gegen Krankheiten, welche öfters seuchenhaft auftreten, und trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Insassen bei, besonders im Winter, wo die Tiere mehr auf ihren Stall angewiesen sind. Südliche Lage ist vorzuziehen und dann Thür und Fenster auf der Südseite anzubringen, letzteres, innen vergittert, den Sommer hindurch Tag und Nacht offen zu halten. Die Sitzstangen sind mindestens 45 cm weit voneinander und 50 cm von der Wand entfernt, 60 cm hoch über dem Boden und liegen in Ausschnitten, um abgenommen und wie jene gründlich gereinigt werden zu können. Sie dürfen weder zu schwach noch zu stark sein, so daß die Tiere sie mit ihren Zehen umfassen, und nicht zu glatt, damit sie sich darauf festhalten können. Der Boden wird mit Sand, trockner, mit Asche vermischter Erde, kurzem Stroh, Fichtennadeln u. dgl. bestreut. In einer Ecke ein mit Asche gemischter Sand- oder Erdhaufe zum Trockenbad der Hühner. Eine Verbindung mit dem Viehstall sorgt im Winter für Wärme und reizt zum Legen. Gegen Parasiten helfen regelmäßiges und genaues Reinigen, Besprengen und Bestäuben mit gelöschtem Kalk, Insektenpulver u. dgl. Legekörbe oder Legekasten werden an den Wänden oder am Boden angebracht und mit Gerstenstroh ausgelegt.

Die Nahrung der Hühner ist teils animalischer, teils vegetabilischer Art. Allerlei Insekten und deren Eier und Larven, besonders die der größern Fliegenarten, Würmer, kalt- und warmblütige Wirbeltiere, welche sie zerstückeln oder verschlingen können, rohes, gekochtes und gebratenes Fleisch machen jene aus. An Vegetabilien verzehren sie verschiedene Grünpflanzen, Blätter, Blüten, Samen, besonders Cerealien aller Art. Dies alles in der Freiheit auf Wiesen, Äckern, im Hof, in Wald und Garten. Eifrig sind sie vornehmlich auf den Düngerstätten im Hervorscharren der verschiedenen Larven, in deren Aufsuchen sie bald ihre Jungen unterrichten. In der warmen Jahreszeit finden sie bei freiem Auslauf so viel und vielerlei Nahrung, daß sie höchstens am Abend noch eines Futters bedürfen, kaum des Morgens. In eingefenzten Räumen aber, wie auch im Winter, gibt man ihnen drei Mahlzeiten täglich, zweimal Körner und einmal Weichfutter, dazu stets, solange es möglich, Grünfutter: zartes Gras, Blätter der Lattich-^[folgende Seite]