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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Husein; Husein Pascha; Hüser; Husi; Husiatyn; Hüsing; Huskisson; Husqvarna; Huß

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Husein - Huß.

Lehre des römischen Rechts vom Darlehn" (Stuttg. 1882). Auch gab er Unterholzners "Quellenmäßige Zusammenstellung der Lehre des römischen Rechts von den Schuldverhältnissen" nach des Verfassers Tod (Leipz. 1840, 2 Bde.) heraus. Als Wortführer der preußischen Altlutheraner hat er sich in seinen Beiträgen zur "Evangelischen Kirchenzeitung" und in dem von Scheibel herausgegebenen "Theologischen Votum eines Juristen über die preußische Agende" (Nürnb. 1832) bethätigt. 1841 wurde er Direktor des Oberkirchenkollegiums der 1845 vom Staat anerkannten evangelisch-lutherischen Kirche, für deren Verfassungsgrundsätze er in der apologetischen Schrift "Die streitigen Lehren von der Kirche, dem Kirchenamt, dem Kirchenregiment und den Kirchenordnungen" (Leipz. 1863) in die Schranken trat.

Husein, zweiter Sohn des Kalifen Ali und der Fatime, der Tochter Mohammeds, wurde nach seines Bruders Hasan Tod (669) von den Schiiten als rechtmäßiger Nachfolger des Propheten angesehen und versuchte nach Muawias Tod (679) gegen dessen Nachfolger Jezid I. seine Rechte geltend zu machen, indem er mit wenigen Getreuen von Mekka nach Irak Arabi zog, fand aber hier gar keinen Anhang und wurde von Jezids Truppen 10. Okt. 680 bei Kerbela in der Nähe des Euphrat erschlagen. Die Stätte von Huseins Märtyrertum (Meschhed H.) wurde später ein vielbesuchter Wallfahrtsort der Schiiten mit einer glänzenden Moschee (s. Kerbela).

Husein Pascha, letzter Dei von Algerien, geb. 1773 in Smyrna, diente in der türkischen Miliz und wurde 1818 zum Dei erhoben. Ungeduldig und ärgerlich über die Nichtbeachtung seiner Geldforderungen an Frankreich und die hochmütige Antwort des französischen Konsuls Deval, schlug er denselben 1827 mit seinem Fliegenwedel, und da er jede Genugthuung hierfür verweigerte, aber auch keine Verteidigungsmaßregeln traf, wurde er 5. Juli 1830 von den Franzosen, die 15. Juni bei Algier gelandet waren, zur Kapitulation gezwungen und seiner Herrschaft beraubt (vgl. Algerien, Geschichte). Er starb 1838 zu Alessandria in Oberitalien.

Hüser, Johann Hans Gustav Heinrich von, preuß. General, trat 1798 in die Armee, gehörte 1808-12 als Lehrer am Kadettenkorps zu Berlin zum Kreis der Patrioten, war 1813 Blüchers Adjutant, wurde aber schon bei Bautzen schwer verwundet, war 1848-49 Gouverneur von Mainz, ward 1849 als General der Infanterie zur Disposition gestellt und starb 28. März 1857 in Berlin. Aus seinem Nachlaß erschienen: "Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Generals v. H." (Berl. 1877).

Husi, Stadt, s. Husch.

Husiatyn, Stadt in Galizien, am Podhorce, Endpunkt der Eisenbahn Stanislau-H., an der russischen Grenze, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Zollamt, eine Kontumazanstalt, ein schönes Schloß, Grenzhandel mit Rußland und (1880) 5411 Einw.

Hüsing, dünne, aus drei geteerten Garnen hergestellte Leine zum Kleiden (Bewickeln) von Tauwerk auf Schiffen.

Huskisson (spr. hoskiss'n), William, brit. Staatsmann, geb. 11. März 1770 zu Birch-Moreton in der Grafschaft Worcester, wurde in London und seit 1783 in Paris erzogen, nahm an der Erstürmung der Bastille teil und machte sich auch in den Klubs als Redner bemerklich, ohne indes, wie man ihn fälschlich beschuldigt hat, zu den Jakobinern zu gehören. 1792 kehrte er als Privatsekretär des britischen Gesandten Lord Gower nach London zurück und erhielt eine Anstellung im Emigrantenbüreau; 1795 wurde er Unterstaatssekretär im Kriegsministerium und auf Pitts Verwendung auch ins Parlament gewählt, trat aber 1801 bald nach Pitts Entlassung von seinem Amt zurück und verlor bei der Auflösung des Parlaments 1802 auch seinen Sitz im Unterhaus. Als Pitt 1804 wieder an die Spitze der Verwaltung trat, wurde H. für Liskeard ins Unterhaus gewählt und zum Sekretär der Schatzkammer ernannt. Unter dem Ministerium Fox verlor er 1806 diesen Posten, erhielt ihn aber schon im folgenden Jahr durch Portland wieder. Seitdem war er ununterbrochen Mitglied des Unterhauses, zuletzt seit 1823 für Liverpool. Als Canning 1809 aus dem Ministerium ausschied, trat auch H. zurück; nahm aber 1814 das Generaldirektorium der Forsten und die Mitgliedschaft des Geheimen Rats an. 1823 wurde er Präsident des Handelsamtes, 1827 nach Cannings Tod Staatssekretär für die Kolonien. Das gleiche Amt behielt er auch anfangs unter Wellington, entzweite sich aber im Mai 1828 mit diesem und nahm seine Entlassung. Seinem Beispiel folgten bald die übrigen liberalern Mitglieder des Kabinetts. Er ist der Begründer der neuern Handelspolitik Englands und gewährte allen Ländern Anteil an dem Handel mit den früher auf den Verkehr mit dem Mutterland beschränkten Kolonien, sowie er auch einige Einfuhrzölle beseitigte und die Bestimmungen der Navigationsakte milderte. Bei der Eröffnung der Eisenbahn zwischen Liverpool und Manchester 15. Sept. 1830 verunglückte er und starb noch an demselben Tag. Die Stadt Liverpool hat ihm ein Denkmal errichtet. Eine Auswahl seiner Reden erschien in 3 Bänden (Lond. 1831).

Husqvarna, Fabrikort im schwed. Län Jönköping, an der Husqvarnaä (mit schönem Wasserfall), hat Waffen- und Nähmaschinenfabriken.

Huß (richtiger Hus, "Gans"), Johann, böhm. Reformator, geb. 1369 zu Hussinetz, war der Sohn von Bauern slawischer Abstammung. Er studierte in Prag, nahm die Weihen, wurde 1393 Bakkalaureus der freien Künste, 1394 der Theologie und im Januar 1396 Magister an der Artistenfakultät. 1398 begann er Vorlesungen an der Universität zu halten und wurde 1402 zum Predigeramt an der bei den Tschechen in besonderm Ansehen stehenden Bethlehemskapelle der Altstadt Prag berufen. Über die innere geistige Entwickelung des hochbegabten Mannes ist man leider nur sehr ungenügend unterrichtet. Jedenfalls brachten die Schriften Wiclefs eine Umwandlung in ihm hervor, zu welcher auch Lehrer der Prager Universität, wie Magister Niklas von Leitomischl, Stephan Palec und vor allen Magister Stanislaus von Znaim, den Grund gelegt haben mochten. Auf einer Disputation von 1399 zeigte es sich, daß H. die Lehren des englischen Reformators schon in umfassender Weise angenommen hatte. Bald darauf (1403) ward die Ausbreitung Wiclefscher Lehren jedem Magister bei seinem Universitätseid verboten. Inzwischen hatte sich H. durch seine Predigten in der Bethlehemskapelle nicht nur bei der großen Masse des Volkes, sondern auch bei dem König und bei dem klugen, aber in die wissenschaftlich-theologischen Fragen nicht eingeweihten Erzbischof Sbynko Ansehen verschafft. Am Hof erhielt er die Stelle eines Beichtvaters bei der Königin, während der Erzbischof 1403 ihm das wichtige Amt eines Predigers bei den Diözesansynoden erteilte. Vom Erzbischof mit der Untersuchung über die durch die Reliquie des Bluts Christi