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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ich dien'; Ich hab's gewagt; Ichenhausen; Ichneumon

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Ich dien' - Ichneumon.

jedes Ding und jede Wesenheit, die nicht zum Inhalt des subjektiven Bewußtseins gehört. Dagegen kann das Subjekt auch sich selbst zum Gegenstand der Reflexion, d. h. zum Objekt, machen, und dieses Sich-selbst-objektivieren ist das Wesen des Selbstbewußtseins und nächst der Unterscheidung seiner selbst vom Nicht-Ich die wichtigste Thätigkeit des Ich. Philosophisch hat zuerst Descartes den denkenden, sich seiner bewußten Geist als Ich bestimmt. Es kam dabei besonders darauf an, zu sagen, was eigentlich zu dem Wesen des Ich gehört, und was sich nur zufällig daran anknüpft. Dies führte auf die Unterscheidung vom empirischen und reinen Ich, welches in der Philosophie Fichtes eine so wichtige Rolle spielt.

Das empirische Ich ist ein zeitlich entstandenes, veränderliches, neuen Zusätzen und Umbildungen entgegensehendes Subjekt. Ich ist dieses bestimmte Individuum mit diesen bestimmten Meinungen, Erinnerungen, Neigungen etc., die in beständiger Fluktuation sich befinden und für jeden andre sind. Faßt man aber die Veränderungen ins Auge, welche in unserm Bewußtsein vorgehen, sieht man, wie es bald körperliche Zustände sind, welche den Gegenstand desselben ausmachen, bald bestimmte Bestrebungen, Gemütslagen oder Personenverhältnisse als Hauptinhalt unsers innern Lebens sich darstellen: so kann man mit Grund zweifelhaft werden, ob das Ich etwas Beharrliches sei. Fichte glaubte das Wesen des Ich in nichts anderm als in der Reflexion auf sich selbst suchen zu müssen; er stellte die Definition auf: "das Ich ist das mit seinem Objekt identische Subjekt", und leitete von diesem obersten Satz sein ganzes System ab. Alles andre, was sich im Bewußtsein dieses oder jenes findet, die ganze Fülle von Vorstellungen und Empfindungen sind nur verschiedenartig modifizierte Produktionen des Ich und nicht zu seinem Wesen selbst gehörig, welch letzteres vielmehr in nichts als in der reinen Thätigkeit des Sich-selbst-erkennens besteht: "das Sein des Ich ist sein Sich-setzen und umgekehrt", und "das Ich ist zugleich Produzent und Produkt, die Ichheit reine, absolute Produktivität", so lauten die Formeln, in denen Fichte das reine Ich darstellte. Aus dem Satz: "das Ich setzt sich selbst", worin die Urthat des Ich und der Anfang alles Wissens ausgedrückt wird, leitet Fichte als zweite, mit der ersten unmittelbar verbundene und unabtrennliche Handlung des Bewußtseins die ab, daß das Ich sein Selbst jedem andern entgegensetzt, sich als Objekt einer bestimmten Vorstellung von allem andern, was nicht diese Vorstellung ist, unterscheidet. Dies wird in der Formel ausgesprochen: "das Ich setzt ein Nicht-Ich". Zu diesen zwei Aktionen des Ich kommt, um die Thätigkeit des Ich abzuschließen, noch eine dritte. Sollen nämlich jene beiden entgegengesetzten Vorstellungen in einem und demselben Bewußtsein vereinigt werden, so kann dies nur dadurch geschehen, daß beide sich gegenseitig beschränken und abgrenzen. Daher die dritte Aktion des Ich: "das Ich setzt sich als bestimmt (beschränkt) durch das Nicht-Ich", d. h. das vorhin als reines oder leeres Bewußtsein noch ganz bestimmungslos gedachte Vermögen des Wissens hat in sich eine Bestimmung aufgenommen, nämlich die Vorstellung eines Nicht-Ich, eines andern (einer Welt), so jedoch, daß es sich zugleich auch dieses seines Denkens dabei bewußt bleibt; es hat sich in einer Vorstellung qualifiziert mit dem Bewußtsein, daß diese Vorstellung oder innere Selbstbestimmung nur seine eigne Vorstellung, nur eine Modifikation seiner selbst sei (Idealismus).

Herbart dagegen erklärt die von Fichte dem Ich beigelegte absolute Produktivität für eine Erschleichung, leugnet die reelle Existenz des sogen. reinen Ich, dessen Begriff nicht nur ganz leer, sondern auch in sich widersprechend sei, und weist nach, daß die Ichvorstellung ein Phänomen neben andern Phänomenen des geistigen Lebens sei und als solches, wie jede andre psychische Erscheinung, ihre Geschichte habe. Daher kann es nicht nur geschehen, daß die Ichvorstellung zeitweise aus dem Bewußtsein schwindet (wie es z. B. im Schlaf, in der Ohnmacht etc. geschieht), sondern auch, daß (allerdings nicht zugleich) mehrere verschiedene Ichvorstellungen in demselben Subjekt vorhanden sind (wie es z. B. bei dem Wahnsinnigen der Fall ist, der sich im Delirium für einen andern hält, als der er im lichten Zustand ist). Die große Wichtigkeit der Ichvorstellung erhellt daraus, weil ohne Vorhandensein derselben von seiten des Subjekts keine Aneignung der im Bewußtsein vorhandenen Zustände (Vorstellungen, Gefühle, Strebungen) als der seinigen statthaben, demselben daher irgend ein Einfluß auf diese (hemmend oder fördernd) nicht zugemutet werden kann. Zurechnungsfähigkeit (s. Zurechnung) setzt daher jederzeit das Vorhandensein des Ich voraus.

Ich dien', der Überlieferung nach Devise des Königs Johann von Böhmen, dem sie nach seinem Tod in der Schlacht von Crécy Eduard, der Schwarze Prinz, zugleich mit dem aus drei Straußfedern bestehenden Helmschmuck abnahm; seitdem Devise der Prinzen von Wales (vgl. Großbritannien, S. 784).

Ichenhausen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Günzburg, an der Günz, mit kath. Kirche, Schloß, Flachsbau und (1885) 2630 meist kath. Einwohnern (675 Juden).

Ich hab's gewagt, Wahlspruch Ulrichs v. Hutten, den er fast stets seinen deutschen Versen als Schluß anhängt.

Ichneumon (Manguste, Herpestes Ill., Mangusta Oll.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Raubtiere und der Familie der Schleichkatzen (Viverridae), Zehengänger mit gestrecktem Körper, kleinem oder mittelgroßem Kopf, spitziger Schnauze, kurzer, nackter Nase, abgerundeten, kurzen Ohren, niedrigen Beinen, fünfzehigen Füßen, nicht zurückziehbaren Krallen, kegelförmigem, an der Wurzel sehr starkem Schwanz und rings um den After liegendem, flachem Drüsensack. Der ägyptische I. (Pharaonsratte, Herpestes Ichneumon Wagn.), 65 cm lang, mit 45 cm langem Schwanz, nur 20 cm hoch, ist sehr kräftig gebaut, mit rauhem, langhaarigem Pelz, grünlichgrau, am Kopf und auf dem Rücken dunkler, an den Beinen und der Schwanzquaste schwarz. Er findet sich im ganzen nördlichen Afrika und in Westasien, lebt besonders in Rohrdickichten, ist sehr furchtsam, mißtrauisch und listig, streift aber am Tag weit umher und erbeutet kleinere Säugetiere, Geflügel, Reptilien, Würmer etc. Er ist verhaßt, weil er die Hühner- und Taubenställe plündert und viel mehr mordet, als er bewältigen kann. Er saugt von Säugetieren und Vögeln nur das Blut, frißt aber auch Eier. Das Weibchen wirft in tiefen Bauen 2-4 Junge. Von den alten Ägyptern wurde er heilig gehalten und findet sich auf ihren Denkmälern häufig dargestellt. Die Alten fabelten viel von demselben, z. B. daß er die Eier der Krokodile aufsuche und fresse, daß er schlafenden Krokodilen in den offenen Rachen schlüpfe und sie so töte. Heutzutage wird er nicht selten in Ägypten gezähmt und als Mäuse- und Rattenvertilger im Haus gehalten. Der Mungos (H. pallidus Cuv.), 50 cm lang, mit fast ebenso langem Schwanz, blaßgrau, silberfarben, am Kopf und an