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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Illyrische Litteratur; Ilm; Ilmarinen; Ilme; Ilmenau

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Illyrische Litteratur - Ilmenau.

bis ins 11. Jahrhundert seine Machtstellung wahrte. Außer dem kroato-serbischen Dalmatien oder Chrobatien, wie es die Byzantiner nannten und in ein nördlich und südlich der Czettina gelegenes christliches und heidnisches (Pagania) unterschieden, entwickelten sich Altserbien oder Rasa, Rascien (so genannt nach der Hauptstadt Rasa, jetzt Novipasar), Divolna (Duklja oder Zeta) und Trebunia (Travunja) mit Canalia (Ronavlje, südlicher Teil der heutigen Herzegowina), Zachlumia (Zahumje, Hauptteil der heutigen Herzegowina) und Narentania (Neretva), während Bosnien (Bosna) aus dem östlichen Teil Altkroatiens hervorging. Alle diese Gebiete standen teils unter fremder Herrschaft, der Ungarn, der Byzantiner oder auch zuweilen der Venezianer, teils im 12. Jahrh. und weiterhin seit dem Aufschwung der serbischen Fürstenmacht der Nemanjaden unter eignen slawischen Herrschern, die sich zeitweilig der ungarischen Oberhoheit fügen mußten und im 14. Jahrh. der türkischen Botmäßigkeit verfielen. Auch der Name I. mußte naturgemäß seine alte umfassende Bedeutung, die er in der römischen Epoche auch für das heutige Innerösterreich hatte, verlieren. Im 15. Jahrh. brachten die Venezianer den Küstenstrich am Adriatischen Meer an sich; doch wurde ihnen in der Folge diese Eroberung von den Türken bedeutend geschmälert. Durch den Frieden von Passarowitz (1718) aber erweiterte sich der Besitz der Venezianer wieder.

Der Name "Illyrier" gewann im 17. und 18. Jahrh. eine konfessionelle Bedeutung, indem er die griechisch-nichtunierten Slawen umfaßte, also vorzugsweise die Serben oder Raizen (Rascier). Seit Maria Theresia sprach man in diesem Sinn von der "illyrischen Nation" Ungarns. Der Friede von Campo Formio (1797) schlug das venezianische I. zu Österreich, unter dessen Herrschaft der Name I. durch die Bezeichnung Dalmatien verdrängt ward, bis Napoleon I. ihm 14. Okt. 1809 bei dem Frieden von Schönbrunn zu neuer Bedeutung verhalf, indem er die Provinzen, welche nun, von Österreich an Frankreich abgetreten, einen von letzterm abhängigen besondern Staat bildeten, mit dem Namen illyrische Provinzen belegte. Diese umfaßten, außer der Grafschaft Görz und dem Gebiet von Monfalcone, Krain, Triest, den kärntnerischen Kreis Villach, Fiume, das ungarische Litorale und Istrien sowie den größten Teil von Kroatien und hatten die Save zur Hauptgrenze gegen Österreich. Nachdem Napoleon hiermit noch die ehemalige Republik Ragusa vereinigt hatte, erfolgte 1811 die definitive Organisation dieses neuen Staats, der nun von einem Gouverneur regiert und in sechs Zivilprovinzen (Krain, Kärnten, Istrien, Zivilkroatien, Dalmatien und Ragusa) und eine Militärprovinz mit sechs Grenzregimentern eingeteilt ward. Mit Ausnahme der Militärprovinz, welcher ihre alte Verfassung blieb, erhielt das Land den Code Napoléon als Gesetzbuch. Mit Napoleon I. fiel die ephemere Schöpfung, und das Land kam im Pariser Frieden an Österreich zurück; doch blieb der Name, denn Österreich bildete 1816 aus den Ländern Krain, Kärnten, Görz, Gradisca und Istrien ein Königreich I., das 28,000 qkm mit 1,300,000 Einw. umfaßte und in zwei voneinander fast unabhängige Gubernien, Laibach (mit fünf) und Triest (mit drei Kreisen), zerfiel, bis endlich 1849 dieses unhistorische Königreich, das noch dazu immer an Napoleon erinnerte, ebenfalls zusammenfiel und zufolge der neuen Reichseinteilung in die Kronländer: Kärnten, Krain, Görz-Gradisca und Istrien zerlegt wurde. In neuester Zeit wurde, zuerst 1835 von L. Gaj (s. d.), der Versuch gemacht, den Ausdruck "illyrisch" oder "illyrische Völker" im nationalen Sinn auf die Einheit der Südslawen, Serben, Kroaten und Slowenen, zu beziehen und durch Wiederherstellung eines illyrischen Königreichs (Großillyrien), das außer Kroatien und Slowenien auch Südsteiermark, Kärnten, Krain, Istrien, Görz, Gradisca, Dalmatien, das serbische Ungarn, ferner Bosnien und Herzegowina umfassen sollte, die Macht der Südslawen zu befestigen. Doch ist dieser "Illyrismus" zunächst noch von einer Verwirklichung fern. Vgl. Zippel, Die römische Herrschaft in I. bis auf Augustus (Leipz. 1877); Ducange, Illyricum vetus et novum (Posen 1746).

Illyrische Litteratur, s. Serbische Sprache und Litteratur.

Ilm, Fluß in Thüringen, entspringt 575 m ü. M. am Nordabhang des Thüringer Waldes, zwischen dem Finsterberg und Schneekopf, in drei Quellbächen (Freibach an der Schmücke, Taubach am Finsterberg und Lengwitz), durchfließt den Manebacher Grund, verläßt bei Ilmenau das Gebirge, bildet bei Berka ein tiefes, schön bewaldetes Thal, fließt an Weimar (zur Erinnerung an die Glanzperiode der deutschen Litteratur Ilm-Athen genannt) vorbei und mündet nach 120 km langem Lauf bei Großheringen unterhalb Sulza in die Saale.

Ilmarinen, finn. Gottheit, Wainämöinens ^[Artikel Wäinämöinen] (s. d.) Bruder, der kunstfertige himmlische Schmied.

Ilme, Fluß in der preuß. Provinz Hannover, entspringt auf dem Sollinger Wald und mündet unweit Einbeck in die Leine.

Ilmenau (Elmenau), Fluß in der preuß. Provinz Hannover, entspringt in der Lüneburger Heide in mehreren Bächen, erhält bei Bodenteich ihren Namen, wird bei Lüneburg schiffbar und mündet bei Hopte nach 105 km langem Lauf in die Elbe.

Ilmenau, Stadt im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Verwaltungsbezirk Weimar, besuchter Bade- und Luftkurort, am Fuß des Thüringer Waldes, an der Ilm sowie an der Linie Neudietendorf-I. der Preußischen Staatsbahn und der Eisenbahn I.-Großbreitenbach, 492 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen, ein Amtsgericht, ein Bergamt, eine Forstinspektion, ein großherzogliches Schloß (in welchem Amtsgericht und Bergamt), ein Fräuleinstift, einen großen Felsenkeller, bedeutende Porzellan-, Thonwaren-, Terrakotta-, Glas- und Glasinstrumenten-, dann Spielwaren-, Buchdruckfarben-, Handschuh- und Schuhfabrikation, Firnissiederei, Rußbrennerei, Bierbrauerei, Bergbau auf Eisen und Braunstein, eine Gußstahlfabrik (auf dem nahen Grenzhammer bei der "Schillerhöhe"), Wasser- und andre Mühlen und (1885) 5452 Einw. Seit 1839 besteht in I. eine vielbesuchte Kaltwasserheilanstalt, in welcher kalte und warme Bäder aller Art (auch Fichtennadelbäder) geboten werden; als weitere Kurmittel finden Molken, Heilgymnastik und Elektrizität Anwendung. 1886 wurde I. von 1760 Sommergästen besucht. Früher den Grafen von Käfernburg gehörig, dann 1343-1583 ein Teil der Grafschaft Henneberg, kam I. 1631 in den Besitz Kursachsens und später Weimars. Noch jetzt führt I. den Titel einer Bergstadt. In der Nähe ein Denkmal des Dichters V. v. Scheffel, der hier öfters weilte, und der 873 m hohe Kickelhahn (s. d.). Vgl. Voigt, Geschichte des ilmenauischen Bergbaues (Sondersh. 1821); Springer, Die klassischen Stätten von Jena und I. (Berl. 1869); Fils, Bad I. und seine Umgegend (4. Aufl. von Preller, Hildburgh. 1886); Lausch, I. und seine Umgebung (2. Aufl., Gotha 1883).