Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Instinktiv; Institor; Instituieren; Institut

988

Instinktiv - Institut.

schaft festgehalten und unter Umständen weiter ausgebildet. Der im einzelnen Individuum zur Erscheinung kommende I. ist deshalb keine individuelle Fähigkeit, sondern ein eingebornes Besitztum der Gattung und Art. Gleichwohl kann kein Zweifel daran sein, daß sich den Instinktshandlungen sowohl Bewußtseinselemente überhaupt als auch besondere Fähigkeiten des Einzelindividuums beimischen. Unter veränderten Bedingungen sehen wir Tiere ihre Lebensweise ändern, abweichende Nester bauen, und eine Entwickelung der Instinkte ist überhaupt nur durch solche Leistungen einzelner, die in ihren Nachkommen wieder erscheinen, denkbar. Aber genau wie beim Menschen auch, können neuerworbene, aber oft geübte Thätigkeiten, nachher ohne Bewußtsein wiederholt, dem Automatismus des Körpers einverleibt, d. h. instinktmäßig, werden, somit des bewußten Willensantriebs überhoben sein. Hinfort werden sie erblich und können durch äußere oder innere Reize wie andre Reflexthätigkeiten im Körper erweckt und ausgelöst werden. Wir sehen derartig eingelernte oder künstlich anerzogene Instinkte z. B. bei Jagdhunden deutlich, wenigstens in der Anlage, vererbt werden, so daß sie bei deren Nachkommen leichter als bei wilden Individuen entwickelt und zur Vervollkommnung gebracht werden können, wie anderseits solche Zuchtinstinkte durch Kreuzung mit wilden Rassen wieder verschwinden. Die Instinkte niederer Tiere sind meist einfacher als die der höhern derselben Reihe. Bei den niedern Wirbeltieren spielt z. B. ein chemischer Sinn, der sich in der vorwiegenden Entwickelung der sogen. Riechlappen des Gehirns ausprägt, als Erregungsmittel der Instinkte eine viel größere Rolle als der Gesichts- und Gehörssinn. Unter den Förderungsmitteln der Instinkte scheint geselliges Leben und die damit in Verbindung stehende Brutpflege zur Entwickelung der Instinkte am meisten beizutragen, weil hierbei der Nachahmungstrieb (s. d.) geweckt wird und die Anleitung beginnt. Dadurch erheben sich Gesellschaftstiere, wie staatenbildende Termiten, Ameisen, Bienen, in den Instinktleistungen über ihre Klasse und zeitigen selbst Instinkte für Ackerbau, Viehzucht, Miliz, Gesundheitspolizei etc. Bei allen solchen regelmäßigen Einrichtungen und dazu gehörigen Handlungen niederer Tiere, bis zu dem Aufsuchen gleichmäßig gefärbter schützender Ruheplätze, den Schutz- und Trutzbündnissen mit andern Tieren etc., darf man annehmen, daß sie, wenn überhaupt mit Bewußtsein, so doch jedenfalls ohne Bewußtsein ihres Nutzens erfolgen. Mit dem Hinzutreten immer weiterer Bewußtseinselemente in die Handlungen wird das Wirkungsreich des Instinkts bei höhern Tieren immer weiter eingeschränkt, bis wir es im erwachsenen Menschen auf einen geringen Rest zurückgeführt sehen, der durch die Vernunft und Willenskraft völlig in Schranken gehalten wird. Um das Verständnis besonders schwieriger Fälle, wie z. B. der Instinkte geschlechtsloser Insekten, die nicht direkt vererbt werden können, und abnormer Instinkte, wie derjenigen der Kuckucksvögel, hat sich namentlich Darwin Verdienste erworben. Vgl. Reimarus, Allgemeine Betrachtungen über die Triebe der Tiere (Hamb. 1798); Flourens, De l'instinct et de l'intelligence des animaux (4. Aufl., Par. 1861); Wundt, Vorlesungen über die Menschen- und Tierseele (Leipz. 1863); Derselbe, Grundzüge der physiologischen Psychologie (2. Aufl., das. 1880); Darwin, Entstehung der Arten (deutsch, 7. Aufl., Stuttg. 1883); Derselbe, Kleinere Schriften (Leipz. 1886); Noll, Die Erscheinungen des sogen. Instinkts (Frankf. 1877); Körner, I. und freier Wille (Leipz. 1878); Schneider, Der tierische Wille (das. 1880); Romanes, Die geistige Entwickelung im Tierreich (das. 1885). Über die speziellen Instinkte der Ameisen, Bienen etc. handeln die einschlägigen Schriften von Lubbock, Huber, Fabre u. a.

Instinktiv (franz.), instinktmäßig, instinkthaft.

Institor (lat.), bei den Römern Bezeichnung derjenigen, die von den Großhändlern und Fabrikanten angestellt wurden, um die Waren im einzelnen abzusetzen. Es waren meist Freigelassene oder Leute der untern Volksklassen, da der Kleinhandel dem römischen Bürger nicht geziemte, also etwa s. v. w. Handelsfaktoren oder Hausierer für fremde Rechnung. In der rechtsgeschichtlichen Entwickelung ist das Institut insofern von Bedeutung, als nach römischem Rechte, das sonst die Berechtigung zur Klage auf die unmittelbar Kontrahierenden beschränkte, doch aus dem Geschäft des Institors eine Klage gegen den Herrn des Etablissements mit dem Beisatz "institoria" zugelassen wurde, und als sich gerade daran in der spätern Doktrin die Zulassung einer Stellvertretung im Handelsverkehr durch Faktoren, Prokuristen und Bevollmächtigte knüpfte. Vgl. Handlungsbevollmächtigter.

Instituieren (lat.), einrichten; unter- oder anweisen; Institution, Einrichtung, besonders im Staat.

Institut (lat. institutum, "Einrichtung", Anstalt), ein Wort, das im modernen Leben die weiteste Anwendung findet und jede reicher gegliederte, einem höhern Zweck dienende Unternehmung bezeichnen kann. Am häufigsten spricht man von Instituten im gewerblichen, wissenschaftlichen und pädagogischen Leben. Speziell im pädagogischen Sprachgebrauch bezeichnet man als Institute gewöhnlich die Privatunterrichtsanstalten und zwar meist solche, in denen die Zöglinge neben dem Unterricht auch Pflege und Erziehung genießen. Man ist heute darüber einig, daß die Institutserziehung nicht die eigentlich normale Art der Jugendbildung ist, sondern daß das I. immer nur als Ersatz für die Familie angesehen werden kann und sich daher nach Möglichkeit dem Ideal der häuslichen Erziehung anzubequemen hat. Doch wird, da nicht bloß Krankheit, Tod etc. manches Familienleben zerstören, sondern in unserm bewegten Leben oft genug andre Umstände der häuslichen Erziehung hindernd im Wege stehen, die Erziehung in Instituten nie ganz entbehrt werden können. Das goldene Zeitalter der Institute war die zweite Hälfte des vorigen und der Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts, die Zeit der philanthropischen Versuche auf dem Boden des Erziehungswesens; ihr klassischer Boden ist seit Pestalozzi, v. Fellenberg und v. Türk die Schweiz geblieben, wo sie meist einen internationalen Charakter tragen. Doch haben auch in Deutschland Institute wie das Salzmannsche zu Schnepfenthal, das Blochmannsche in Dresden (jetzt v. Vitzthumsches Gymnasium), das Plamannsche in Berlin, das Garniersche in Friedrichsdorf bei Homburg, das Bendersche zu Weinheim an der Bergstraße, das Stoysche zu Jena lange Zeit verdientes Ansehen zu behaupten gewußt. In Großbritannien ist noch heute die Institutserziehung sehr verbreitet, und ebenso steht in katholischen Ländern die Wirksamkeit der klösterlichen Institute für Mädchen in Ansehen. In Deutschland ist das Institutswesen neuerdings durch die erhebliche Verbesserung der öffentlichen Schulen und die straffere Ordnung im Prüfungswesen, zumal bezüglich des einjährig-freiwilligen Heerdienstes, sehr zurückgedrängt worden und hat selbst für die weibliche