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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Italienischrot - Iter.

Weine, die zu den edelsten Italiens gehören, und zwar hauptsächlich Rot- und Likörweine. Zu letztern gehört der Aleatico, dem spanischen Tinto von Alicante ähnlich, dessen Farbe und Parfüm er besitzt. Gleichnamige Weine liefern auch Elba, Lucca und der Kirchenstaat, der toscanische aber ist der echte. Ein seiner, parfümreicher, herber Weißwein ist der Verdua von Arcetri, bekanntlich der Lieblingswein Friedrichs d. Gr. Zu erwähnen sind ferner der lichtgelbe Vino santissimo vom Monte Catino, der Ponte a Moriano, der rote Monte Serrato von Elba; der beste italienische Wein aber ist der Monte Pulciano (zwischen Siena und Rom), ein purpurfarbener Likörwein von ungemein würzigem Parfüm und durch eine gewisse Stärke gemäßigter Milde, nur selten echt zu haben. Die römische Provinz liefert meist nur kleine Weine, am berühmtesten ist der rote und weiße, stark aromatische, etwas schwere und vehemente Monte Fiascone (Est, Est, Est) vom Bolsener See, dem sich die roten und weißen Weine von Albano in der Campagna, der Muskatwein von Orvieto, der Frascati, der Monte Comparto, der Lamentano, die Weine von Terni, Farnese, Terracina, Bologna, Imola u. a. anreihen. Unteritalien, im Altertum das eigentliche Weinland der Welt, produziert auch heute noch vortreffliche Weine, besonders am Vesuv (s. Lacrimae Christi) bei Gragnano, den Falerner (s. d.) und Massiker, die Lacrimä di Castellamare di Sorrento (rot, säuerlich, sehr gesund), die weißen, leichten, sehr pikanten Weine von Bajä, von Formio, Averno und vom Capo di Misene, die roten, geistigen, vehementen Kalabreser Weine, die Weine von Capri (im Handel nur Kunstprodukt), den vehement geistigen Wein von Ischia, den sehr geschätzten Malvasia di Lipori und di Stromboli. Auf Sizilien gewinnt man die stärksten und gesuchtesten weißen Weine bei Syrakus, Catania und Marsala; sie werden stark mit Spiritus versetzt und gehen mit Ausnahme der Syrakuser unter dem Namen Marsala oder Madeira, dem sie oft sehr ähnlich sind. Drei Viertel des im Handel befindlichen Madeiras mögen sizilischen Ursprungs sein. Die feinern, sehr dunkeln Rotweine dieser Gegend gehen als Vino Calabrese und die leichten Sorten derselben, den Bordeauxweinen ähnlich, als Vino del Bosco. Von den übrigen sizilischen Weinen sind hervorzuheben: der rote sehr starke Catania, der rote köstliche Faro di Messina, der weiße starke Bronte, der sehr starke, trockne Lagrima, die Weine von Zucco, der höchst delikate weiße Castro di San Giovanni, der Siracusa Albanulle, ein weithin berühmter weißer, auch roter Muskatwein von vielem Geist, Feuer und Wohlgeschmack, der Castel Vetrano, der Baggaria, Moscario Capriato, Monte Delfino und Monte alla Rosa.

Italienischrot, s. Englischrot.

Italioten, im Altertum die griech. Bewohner von Unteritalien und Sizilien (Großgriechenland).

Italique (franz., spr. -lik), die schräg liegende lateinische Druckschrift, von Aldus Manutius erfunden; s. Kursiv.

Italische Sprachen, eine der Hauptfamilien des großen indogermanischen Sprachstammes (s. Indogermanen). Die italischen Sprachen wurden in der ältesten Periode der römischen Geschichte vornehmlich in Mittelitalien gesprochen, während in Oberitalien keltische, in Unteritalien griechisch und messapisch redende Bevölkerungen saßen, und waren auch in Mittelitalien durch die benachbarten, damals noch mächtigen Etrusker eingeschränkt. Das Italische zerfiel von Anfang an in zwei Hauptzweige: den lateinischen und den nur aus alten Inschriften bekannten umbrisch-oskischen. Der letztere Zweig, zu dem auch noch das Volskische, Sabinische, Marsische, Picentinische und andre Mundarten gehörten, unterschied sich von dem erstern hauptsächlich in der Bildung des Infinitivs und des Futurums; in lautlicher Hinsicht hat er mehr Diphthonge als das Latein und setzt im Anlaut der Wörter p, wo die Lateiner k oder q gebrauchen, wie z. B. das lateinische Fragpronomen quis im Umbrisch-Oskischen pis lautet. Das Oskische war die Sprache der Samniter, denen die Römer das Zepter der Herrschaft über Italien nach langen und wechselvollen Kämpfen entrissen; seitdem kam es allmählich außer Gebrauch und erhielt sich nur in einigen der südlichen Provinzen noch bis in das 1. Jahrh. v. Chr. hinein. Ebenso wurden die andern Dialekte dieses Zweigs völlig verdrängt durch das Latein, das mit dem Faliskischen, anfangs auf eine kleine Landschaft in Mittelitalien beschränkt, durch das siegreiche Vordringen der Römer sich nicht nur über ganz Italien ausbreitete, sondern auch während der römischen Kaiserzeit in fast allen den Römern unterworfenen Provinzen die herrschende Sprache wurde und daher die Grundlage der romanischen Sprachen der Neuzeit bildet.

Itamaracá, Insel, s. Iguarassú.

Itapalme, s. v. w. Mauritia flexuosa.

Itapémirim, Hafenstadt in der brasil. Provinz Espirito Santo, an der Mündung des gleichnamigen Flusses; hat Ausfuhr von Zucker.

Itapicurú, 1) Fluß in der brasil. Provinz Bahia, entspringt oberhalb Jacobina und mündet nach einem Laufe von 1660 km in 11° 43' südl. Br. ins Meer. Er wird bis zur Ortschaft Itapicurú grande, 100 km stromaufwärts, befahren. -

2) (I. mirim) Bedeutender Küstenfluß in der brasil. Provinz Maranhão, der in die Bai San José fällt. Dampfschiffe befahren ihn 70 km aufwärts bis Itapicurú mirim, einem wichtigen Stapelplatz für die Produkte des Innern.

Itapuá (Villa della Encarnacion), Dorf im südamerikan. Staat Paraguay, am Parana, ehemals eine der blühendsten Missionen der Jesuiten.

Itaqui (spr. -ki), Stadt in der brasil. Provinz Rio Grande do Sul, am Uruguay, hat Ausfuhr von Paraguaythee, lebhafte Schiffahrt und 3000 Einw.

Itaska, Binnensee im nördlichen Teil des nordamerikan. Staats Minnesota, 467 m ü. M., ist klein, von hufeisenförmiger Gestalt; aus demselben entspringt der Hauptquellstrom des Mississippi (s. d.).

Itatiaya (Itatiaiussu), Gipfel in der Serra do Mantiqueira, welche die brasilischen Provinzen Rio Janeiro und Minas Geraës scheidet, 2712 m hoch, ist der höchste Berg des brasilischen Hochlandes.

Itazismus (griech.), die besonders von Reuchlin befürwortete Aussprache des Griechischen, wobei das Eta (langes e) wie Ita (i) ausgesprochen und überhaupt die von der im übrigen Europa stark abweichende Aussprache der Neugriechen zur Richtschnur genommen wird. Vgl. Neugriechische Sprache und Etazismus.

Itelmen, Volk, s. Kamtschadalen.

Item (lat.), ebenso, ingleichen, ferner.

Ite, missa est (sc. concio, lat., "gehet, entlassen ist [die Versammlung]"), die Formel, mit welcher der Gemeinde das Ende der Messe verkündigt wird; s. Messe.

Iter (lat.), Reise, Weg; auch das Recht, über eines andern Grundstück gehen zu dürfen; daher das Rechtssprichwort: "Qui habet i., non habet actum", wer