Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jauernig; Jaufen; Jauja; Jauker; Jaune; Jauner; Jaunpur; Jaunthal; Jaup; Jáuregui; Jauréguiberry

176

Jauernig - Jauréguiberry.

Jauernig, Stadt in der österreichisch-schlesischen Bezirkshauptmannschaft Freiwaldau, hat ein Bezirksgericht, Bierbrauerei und (1880) 2292, mit dem anschließenden Dorf J. 3362 meist deutsche Einwohner. Über der Stadt auf steil abfallendem Felsen das Schloß Johannesberg, die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Breslau, mit Parkanlagen.

Jaufen, Paß der südlichen Ötzthaler Alpen in Tirol, führt von Sterzing an der Brennerstraße über das Jaufenjoch (2094 m) und durch das Passeierthal nach Meran.

Jauja (spr. chhaucha), Stadt im Departement Junin (Peru), am gleichnamigen Fluß, in fruchtbarem alten Seebecken, hat eine höhere Schule und (1876) 2806 gewerbthätige Einwohner.

Jauker (jüdisch-deutsch), teuer.

Jaune (franz., spr. schohn), gelb; Livre j., s. Gelbbuch; J. anglais (Viktoriaorange), ein Teerfarbstoff, besteht aus trinitrokresylsaurem Ammoniak; J. brillant, Farbstoff, s. v. w. Neapelgelb (antimonsaures Bleioxyd), auch Schwefelkadmium; J. fixe, s. v. w. Barytgelb; J. indien, s. v. w. Purée; J. mandarine, gelbe Farbe, wird aus dem beim Vergasen von Obstweintrestern erhaltenen Teer durch Behandeln desselben mit Salpetersäure gewonnen; J. de Mars, gelbe Farbe, inniges Gemenge von Eisenhydroxyd mit Thonerde, Gips etc.; J. d'oeuf ^[d'œuf], eigelb; J. d'Outremer, s. v. w. Barytgelb; J. de paille, strohgelb; J. de paille minéral, s. v. w. basisch schwefelsaures Bleioxyd; J. de Steinbuhl, s. v. w. Barytgelb.

Jauner, Franz, Schauspieler und Theaterdirektor, geb. 1834 zu Wien, debütierte am Burgtheater daselbst 1854, kam 1855 nach Mainz und nach einem längern Aufenthalt in Paris 1856 an das Stadttheater in Hamburg, 1858 an das Hoftheater zu Dresden und 1871 an das Carltheater in Wien, wo er sich als Schauspieler durch virtuoses, reich nüanciertes Spiel und scharfe Charakteristik allgemeine Beliebtheit erwarb. 1872 übernahm er die Direktion des Carltheaters, das er bis 1878 leitete. Die außerordentlichen Fähigkeiten, welche J. dabei bewährte, veranlaßten zugleich seine Berufung als Direktor des Wiener Hofoperntheaters, dem er von 1875 bis Mitte 1880 vorstand. 1881 übernahm er das Ringtheater daselbst, das 8. Dez. d. J. niederbrannte, und lebte seitdem dem Theater fern, bis er 1884 wieder die Leitung des Theaters an der Wien übernahm, von der er jedoch nach kurzer Zeit wieder zurücktrat. - Seine Gattin Emilie, geborne Krall, geb. 1832 zu Wien, wirkte bis 1871 erfolgreich als Sängerin.

Jaunpur, ostind. Stadt, s. Dschaunpur.

Jaunthal, voralpines, durch Wasserfälle geschmücktes Nebenthal der Saane im schweizer. Kanton Freiburg, auf dessen Alpen hauptsächlich der Gruyèreskäse bereitet wird. Das Thalvolk ist katholisch, in der Gemeinde Jaun oder Bellegarde (868 Einw.) deutscher Abstammung, während die Bewohner des untern Teils, in Charmey oder Galmis (1110 Einw.), in Cerniat (607 Einw.) und Crésuz (130 Einw.), französisch sprechen. 1872 wurde, mit Unterstützung des Bundes, der Bau der Jaunthalstraße (Bulle-Boltigen) begonnen, die an Stelle des doppelt so langen Umwegs über Saanen bei Broc (Bruck) in das Seitenthal einzweigt und, anfangs dem alten Fahrweg folgend, nach dem Thalort Jaun (1011 m) und von hier über die Bernisch-Freiburger Grenzberge bis nach Reidenbach (840 m) führt, wo sie in die Simmenthaler Straße einmündet. Die Paßhöhe beträgt 1650 m; die Steigung erreicht an einzelnen Stellen fast 10 Proz.

Jaup, Heinrich Karl, hessischer Staatsmann, geb. 27. Sept. 1781 zu Gießen, wo sein Vater Helferich Bernhard J. (gest. 1806) Professor des Staatsrechts war, studierte daselbst und in Göttingen die Rechtswissenschaft und habilitierte sich 1803 in Gießen als Privatdozent. 1804 wurde er außerordentlicher und 1806 ordentlicher Professor der Rechte und nahm an der Einführung des Code Napoléon eifrigen Anteil. 1815 ward er als Geheimer Referendar ins Staatsministerium nach Darmstadt berufen, 1820 zum Geheimen Staatsrat ernannt und 1821 dem Ministerialdepartement der auswärtigen Angelegenheiten sowie dem neukonstituierten Staatsrat zugeteilt, 1824 aber an die Spitze der Gesetzgebungskommission gestellt und 1828 mit dem Präsidium des Kassations- und Revisionshofs für die Provinz Rheinhessen betraut. Als freisinniger Anhänger der konstitutionellen Richtung bekannt, ward er 1832 zum Landtagsabgeordneten erwählt. Seine Thätigkeit als solcher zog ihm aber die Ungunst der Regierung zu, und er ward deshalb nach Auflösung des Landtags 1833 pensioniert. Mittels Urlaubsverweigerung wurde er auch vom folgenden Landtag fern gehalten. 1848 ward er Mitglied des Vorparlaments und der Nationalversammlung und trat 16. Juli als Minister des Innern an die Spitze des großherzoglich hessischen Ministeriums. Nachdem er die Reform des Staatswesens im liberalen Sinn mit Geschick in die Hand genommen, mußte er 28. Juni 1850 der Reaktion weichen und ward mit dem Prädikat eines Geheimrats zum zweiten Präsidenten des Oberkonsistoriums ernannt. Er starb 5. Sept. 1860 in Darmstadt. Außer zahlreichen kleinern Abhandlungen gab er "Germanien, Zeitschrift für Staatsrecht, Politik und Statistik" (Gießen 1808-11, 5 Bde.), dazu als Fortsetzung "Germanien und Europa" (das. 1812), eine Monographie über die "Auflösung des Rheinischen Bundes" (das. 1814) und den "Staatsboten, eine allgemeine staatswissenschaftliche Zeitung" (Darmst. 1826-27) heraus.

Jáuregui (J. y Aguilar, spr. chháureghi i aghilar), Juan de, span. Dichter, geboren um 1570 zu Sevilla aus einem alten viscayischen Geschlecht, ging nach Rom, um sich dort in der Malerei auszubilden, beschäftigte sich aber gleichzeitig viel mit Poesie und ließ 1607 eine Übersetzung von Tassos "Aminta" erscheinen, die seinen Namen allgemein bekannt machte. In sein Vaterland zurückgekehrt, wurde er Stallmeister der Königin Isabella, der ersten Gemahlin Philipps IV., und starb im Januar 1649 in Madrid. Außer der formvollendeten Übersetzung des "Aminta", die in verbesserter Gestalt auch in der Ausgabe seiner kleinern Gedichte ("Rimas", Sevilla 1618; auch in der "Biblioteca de autores españoles", Bd. 42) enthalten ist, veröffentlichte J. eine freie Bearbeitung von Lukans "Pharsalia" (Madr. 1614) und ein größeres Originalgedicht: "Orfeo" (das. 1624). In dem "Discurso poetico" (Madr. 1624) trat er gegen Gongora auf, obschon seine spätern Werke selbst die Einwirkung dieses Dichters verraten. In der Malerei, über die er einen "Discurso apologetico" (1633) veröffentlichte, soll er besonders im Porträt Treffliches geleistet haben. Seine sämtlichen poetischen Werke sind in Fernandez' "Coleccion", Bd. 6-8 (Madr. 1789-1819), wieder abgedruckt.

Jauréguiberry (spr. schoreghiberri), Jean Bernard, franz. Admiral, geb. 26. Aug. 1815, trat 1832 in die Marine ein, kämpfte im Krimkrieg und in China mit, war Gouverneur der französischen Besitzungen am Senegal und wurde 1869 zum Konteradmiral