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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jericho; Jerichorose; Jerichorot; Jerichow; Jermak; Jermolow; Jernberg; Jerobeam

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Jericho - Jerobeam.

Seine Kolossalgruppe: Herkules und Hebe sowie eine in Marmor gearbeitete Penelope sind in streng antikem Geist gehalten. Eine treffliche Nachahmung der Natur ist seine Gruppe, welche einen von einem Panther angefallenen Jäger darstellt. Infolge eines von der Prinzessin Albrecht von Preußen ausgesetzten Preises lieferte er eine in Marmor ausgeführte Darstellung der Auferstehung Christi. Vortrefflich sind auch seine badenden Mädchen. Er starb 25. Juli 1883. - Seine Gattin Elisabeth J.-Baumann, geb. 21. Nov. 1819 zu Warschau, Malerin, studierte in Düsseldorf und malte früher mit Vorliebe Bilder aus dem Slowakenleben, machte aber, seitdem sie in Rom lebte, vornehmlich das dortige Volksleben zum Gegenstand ihrer Darstellungen. Später bereiste sie Griechenland und Ägypten. Ihre Arbeiten sind meist dekorativ behandelt und in der Zeichnung mangelhaft, aber mit feinem Farbengefühl und mit Vorliebe für romantische Lichteffekte ausgeführt, die oft ins Sentimentale und Weichliche übergehen. Sie stellte meist lebensgroße Figuren dar (griechischer Hirt am Parthenon, ägyptische Frauen) und malte auch Porträte, ohne jedoch zu einer tiefern Charakteristik hindurchzudringen. Sie starb 11. Juli 1881 in Kopenhagen. Vgl. Bögh, Elisabeth J.-Baumann (Kopenh. 1886).

2) Harald, dän. Maler, Sohn des vorigen, geb. 17. Aug. 1852 zu Rom, bildete sich anfangs bei dem Maler Bénouville in Rom, dann durch Studien nach der Natur zum Landschaftsmaler aus und malte seit 1870 Ansichten aus der Umgebung Roms. Dann bereiste er Griechenland, Kleinasien und die Türkei. Zu seinen Hauptbildern gehören: ein Strand von Sorrent und die im Museum zu Kopenhagen befindliche Karawane von Sardes. Später lebte J. meist in Rom, wo er 6. März 1878 starb.

Jericho (lat. Hiericus), im Altertum eine der blühendsten Städte Palästinas, 8 km westlich vom Jordan in der fruchtbaren, durch ihre Palmengärten und Balsamstauden berühmten Oase von J. Als Schlüssel zum Land wurde sie von den Juden unter Josua zuerst angegriffen und nach siebentägiger Belagerung erobert (Josua 6, 14), blühte aber bald wieder als offene Stadt auf. Ihre Lage an der Heerstraße, welche aus dem westlichen Palästina über den Jordan nach O. führte, machte sie auch zum Schlüssel Judäas für ein von NO. kommendes Heer. Herodes, der hier residierte und starb, verschönerte sie sehr und zierte sie namentlich mit einem herrlichen Palast. Unter Vespasian abermals zerstört, ward sie unter Hadrian wieder aufgebaut. Während der Kreuzzüge entstand eine Stadt Neu-J. an der Stelle des heutigen Richa, eines ärmlichen Dorfs aus braunen Lehmhütten mit einem halbverfallenen Kastell und einer russisch-griechischen Kirche.

Jerichorose, s. Anastatica und Asteriscus.

Jerichorot, s. Phenylfarbstoffe und Rosolsäure.

Jerichow, Name zweier Kreise im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, von denen der eine, J. I, Burg, der andre, J. II, die Stadt Genthin zur Kreisstadt hat. In letzterm liegt auch die Stadt J., nahe der Elbe, mit Amtsgericht und (1885) 1789 evang. Einwohnern.

Jermak, Timofejewitsch, der Eroberer Sibiriens, hatte sich als Kosak durch allerlei Gewaltthaten die Ungnade des Zaren Iwan IV. zugezogen, trat in den Dienst der Stroganows (1579), sammelte eine Schar von Kosaken, wanderte ostwärts, schlug die Magulen und den Zaren Kutschum und begründete die Herrschaft Rußlands über den ganzen Landstrich vom Uralgebirge bis zum Irtysch. Er fiel 1584 in den Kämpfen mit den Eingebornen. Sein Andenken wird in Volksliedern gefeiert; in Tobolsk ist ihm ein Denkmal errichtet. Vgl. Kostomarow, Russische Geschichte in Biographien, Bd. 1 (deutsch, Leipz. 1885).

Jermolow, Alexei Petrowitsch, russ. General und Diplomat, geb. 1772 zu Moskau, focht mit Auszeichnung 1794 unter Suworow bei Praga und 1796 in dem persischen Krieg. Doch fiel er in Ungnade, wurde verbannt und lebte bis zur Regierung Alexanders I. in Kostroma. Hierauf machte er die Feldzüge von 1805 bis 1807 mit und befehligte 1812 mit Auszeichnung eine Brigade der Garde. Während des Kriegs 1813-14 rückte er zum Generalleutnant vor und kommandierte unter Barclay de Tolly das 2. Korps der russischen Armee, welche 1815 der Hauptarmee an den Rhein nachrückte. 1817 wurde er Generalgouverneur der transkaukasischen Provinzen und Oberbefehlshaber der dortigen Streitkräfte und von da aus nach Persien gesandt, wo er einen für Rußland sehr vorteilhaften Handelsvertrag abschloß. In sein Gouvernement zurückgekehrt, bemühte er sich eifrigst, hier europäische Kultur zu verbreiten. 1826 schlug er mit seinem auf 100,000 Mann vermehrten Heer den Angriff der Perser zurück, welche unter Abbas Mirza den Frieden gebrochen hatten, züchtigte 1827 die räuberischen Tschetschenzen, fiel jedoch im November 1827, mitten im Siegeslauf begriffen, plötzlich in Ungnade und mußte das Oberkommando an Paskewitsch abgeben. Seitdem lebte er, mit wissenschaftlichen Studien beschäftigt, in Moskau, übernahm aber 1853 auf kurze Zeit den Oberbefehl über die Miliz des Gouvernements Moskau. Er starb 23. April 1861. Auszüge aus seinen Memoiren gab Pogodin (Mosk. 1863), seine Aufzeichnungen über den Krieg von 1812 sein Sohn (das. 1863) heraus.

Jernberg, August, schwed. Maler, geb. 16. Sept. 1826 zu Stockholm, war anfangs Schüler der dortigen Akademie und ging 1851 nach Düsseldorf, wo er sich weiter ausbildete und seinen Wohnsitz nahm. Er begann mit einigen historischen Genrebildern, wandte sich aber bald mit größerm Glück der Darstellung von Dorfgeschichten zu, die er mit drastischer Charakteristik und vielem Humor behandelt. Zu den besten gehören: das Unglück im Maleratelier, die Überredung (1864), der Klarinettist, die neue und die zerbrochene Pfeife, der erste Gang zur Schule, Maler auf der Studienreise (1869), die Besucher vor Rembrandts Nachtwache in Amsterdam, der Bär auf dem Jahrmarkt, der Großvater als Kinderwärterin und der Marktplatz in Düsseldorf. Auch als Stilllebenmaler ist er von Bedeutung. - Sein Sohn Olof J. hat sich als Landschaftsmaler bekannt gemacht.

Jerobeam (Jeroboam), Name zweier Könige von Israel: J. I., Sohn Nebaths, aus dem Stamm Ephraim, erster König des Reichs Israel (953-927 v. Chr.), stand früher in Salomos Diensten, mußte aber, weil der an der Spitze einer Volkspartei stehende Prophet Ahia, die Unzufriedenheit des Volkes mit Salomos Regierung benutzend, ihn als künftigen Beherrscher der zehn Stämme bezeichnet hatte, nach Ägypten fliehen. Nach Salomos Tod erhoben ihn die zehn Stämme, welche von Rehabeam wegen der Ablehnung ihrer Forderungen abfielen, in Sichem zum König von Israel. Er befestigte Sichem und Pniel und wählte erst die erstere Stadt, dann Thirza zu seiner Residenz. Politische Rücksichten bestimmten ihn, die gottesdienstlichen Wallfahrten seiner Unterthanen nach dem Zentralheiligtum zu Jerusalem abzuschaffen und als Ersatz an den alten Opferstätten Dan und Bethel goldene Stierbilder als Gegen-^[folgende Seite]