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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Joël; Joest; Jofra; Jôgin; Joglar; Johann

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Joel - Johann.

schrecken motivierte Bußpredigt (1, 1-2, 17) und eine Verheißungsrede (2, 18-4, 20). Vgl. Merx, Die Prophetie des J. (Halle 1879).

Joël, Manuel, jüd. Gelehrter, geb. 19. Okt. 1826 zu Birnbaum (Posen), studierte in Berlin neben jüdischer Theologie klassische Philologie, kam 1854 als Lehrer an das neuerrichtete Rabbinerseminar zu Breslau und wurde 1863 zum Rabbiner der dortigen Gemeinde gewählt. Er veröffentlichte: "Die Religionsphilosophie des Maimonides" (Bresl. 1859); "Levi ben Gerson als Religionsphilosoph" (das. 1862); "Verhältnis Alberts d. Gr. zu Maimonides" (das. 1863); "Don Chasdai Creskas' religionsphilosophische Lehren" (das. 1866); "Spinozas theologisch-politischer Traktat" (das. 1870); "Zur Genesis der Lehre Spinozas" (das. 1871). Diese Schriften wurden mit verschiedenen Abhandlungen gesammelt als "Beiträge zur Geschichte der Philosophie" (Bresl. 1876, 2 Bde.) herausgegeben. Von spätern Schriften sind zu nennen: "Notizen zum Buch Daniel. Etwas über die Bücher Sifra und Sifre" (Bresl. 1873); "Religiös-philosophische Zeitfragen" (das. 1876); "Gutachten über den Talmud" (1877); "Blicke in die Religionsgeschichte" (das. 1880-83, 2 Bde.).

Joest (spr. johst), 1) Jan, niederländ. Maler, der Schöpfer des mit 20 Darstellungen aus der heiligen Geschichte versehenen Hauptaltars in der Nikolaikirche zu Kalkar, welcher, zwischen 1505 und 1508 ausgeführt, ein wichtiges Denkmal der niederrheinischen Malerei ist. J., über dessen Persönlichkeit nichts weiter bekannt geworden ist, stand unter dem Einfluß Memlings und der italienischen Renaissance.

2) Wilhelm, Reisender, geb. 15. März 1852 zu Köln, studierte in Bonn, Heidelberg und Berlin Naturwissenschaften und Sprachen, bereiste 1874 den Orient und die nordafrikanischen Küstenländer, 1876 bis 1879 ganz Amerika vom nördlichen Kanada bis zum Süden Argentiniens, wobei er manche Teile wiederholt durchkreuzte und eine sehr reichhaltige ethnographische, anthropologische und zoologische Sammlung machte. Anfang 1879 begab er sich nach Ceylon, durchreiste von dort aus Indien bis zum Himalaja, begleitete die britische Armee im afghanischen Kriege, ging dann nach Birma und Siam, beschäftigte sich auf Borneo, Ceram und Celebes mit dem Studium der dortigen wilden Völkerschaften, kämpfte in Atschin mit den Holländern gegen die Aufständischen, durchreiste Kambodscha und die Philippinen und lebte längere Zeit unter den wilden Stämmen Formosas. Von Peking unternahm er dann einen Ausflug in die Mongolei, ging darauf nach Japan, hielt sich auf Jeso unter den Aino auf und kehrte 1881 von Wladiwostok durch die Mandschurei, Mongolei u. Sibirien nach Deutschland zurück, wo er als Früchte dieser Reisen veröffentlichte: "Aus Japan nach Deutschland durch Sibirien" (Köln 1882, 2. Aufl. 1887) und "Das Holontalo, ein Beitrag zur Kenntnis der Sprachen von Celebes" (Berl. 1884). Im J. 1883 umschiffte er von Madeira aus ganz Afrika, wobei er namentlich Südafrika eingehender studierte, und legte seine Beobachtungen in dem Werk "Um Afrika" (Köln 1885) nieder. Gegenwärtig lebt J. in Berlin. Seine bedeutenden Sammlungen übergab er deutschen Museen.

Jofra, Oase, s. Dschofra.

Jôgin, eine den Anhängern Siwas (s. d.) zugehörige indische Büßersekte, benannt von der Ausübung des Jôga, d. h. des Bestrebens, durch Unterdrückung aller sinnlichen Regungen und Versenkung des Geistes in die Selbstbeschauung die Vereinigung mit Gott und dadurch die Herrschaft über die Naturgesetze zu erringen. Vorschriften zur Erreichung dieses Ziels finden sich schon in dem Jôga çâstra des Patandschali aus dem 2. Jahrh. v. Chr.: anhaltendes Zurückhalten des Atems, besondere Stellungen, 84 verschiedene Richtungen der Augen auf die Nasenspitze etc. Dadurch soll der Mensch die acht übernatürlichen Fähigkeiten bekommen: 1) sich leichter zu machen als alle andern Gegenstände, 2) sich schwerer zu machen als die schwersten Gegenstände, 3) sich beliebig zu verkleinern, 4) sich beliebig zu vergrößern, 5) überall hingelangen zu können, 6) jede Gestalt anzunehmen, 7) alle Naturgesetze zu beherrschen, 8) alles von sich abhängig zu machen. Die Zahl der J. ist jetzt nicht sehr groß. Sie führen ein Bündel Pfauenfedern mit sich und behaupten, durch die Besprengung damit Kranke zu heilen, neugeborne Kinder vor bösen Geistern zu schützen, den bösen Blick zu bannen etc. Sie treten als Wahrsager, Traumdeuter und Charlatane auf, spielen auf kleinen Violinen oder Lauten und singen Lieder in den Volkssprachen, ziehen mit einem abgerichteten Stier, Affen oder Ziegenbock im Land umher. Sie verehren den Siwa unter dem Namen Bhairawa und haben ihr größtes Heiligtum in Benares.

Joglar (provençal., altfranz. Jogléor), s. Jongleur.

Johann (Abkürzung von Johannes, franz. Jean, engl. John, span. Juan, portug. João, ital. Giovanni, holländ. Jan), Name von 23 Päpsten:

1) J. I., der Heilige, gebürtig aus Toscana, bestieg 523 den römischen Stuhl, ward 525 vom ostgotischen König Theoderich nach Konstantinopel gesandt, um den Kaiser Justinus I. zur Milderung seiner Edikte gegen die Arianer zu vermögen, aber nach der Rückkehr von dieser erfolglosen Sendung von jenem zu Ravenna ins Gefängnis geworfen, wo er 18. Mai 526 starb. Tag: 27. Mai. - 2) J. II., früher Mercurius, ein Römer, bestieg 532 den römischen Stuhl, beteiligte sich an den Streitigkeiten der Theopaschiten (Monophysiten) im streng orthodoxen Sinn; starb 535. - 3) J. III., ein Römer, ward 560 Papst, konnte aber die Weihe nicht eher erhalten, als bis Kaiser Justinian durch den Exarchen seine Wahl hatte bestätigen lassen, that viel für Verschönerung der Kirchen; starb 573. - 4) J. IV., aus Salona gebürtig, bestieg den päpstlichen Stuhl 640, ließ die Monotheleten auf einem Konzil zu Rom verdammen und lehnte die Annahme der von Sergius auf Befehl des Kaisers Heraklios verfaßten Unionsformel (Ekthesis) ab; starb 642. - 5) J. V., aus Antiochia in Syrien, Legat auf dem sechsten ökumenischen Konzil, ward 685 zum Papst gewählt, starb schon 686. - 6) J. VI., ein Grieche, ward 701 Papst, bewog durch Androhung göttlicher Strafen den Herzog Gisulf von Benevent zur Rückgabe der dem Exarchat entrissenen Städte; starb 705. - 7) J. VII., ein Grieche, Nachfolger des vorigen 705, starb 707. - 8) J. (VIII., Johanna Papissa), s. Johanna 4). - 9) J. VIII., ein Römer, ward 872 Papst, folgte dem Vorbild Nikolaus' I. in dem Bestreben, die päpstliche Macht zu erhöhen und über die weltlichen Herrscher zu erheben. Er krönte Karl den Kahlen ungeachtet des von Ludwig dem Deutschen dagegen erhobenen Widerspruchs 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, kraft apostolischer Vollmacht die Kaiserkrone vergeben zu können; auf den Synoden zu Ravenna (877) und zu Troyes (878) verlangte er die Unabhängigkeit der Bischöfe von der weltlichen Macht. Er zerfiel mit Karls des Kahlen Sohn und Nachfolger Karlmann, der ihn 878 in Rom gefangen nehmen ließ. Wieder frei, belegte er dessen Anhänger mit dem