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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Johannisgürtel - Johanniterorden.

in die Flammen, damit gleich ihnen alles Unglück in Rauch aufgehe, sondern auch Pferdeköpfe, Knochen und selbst lebende Tiere, welche einst als Opfergaben dienen sollten. Die in manchen Orten herrschende Sitte, am J. die Gräber mit Blumen zu schmücken, ist wahrscheinlich von den Johanniskirchhöfen ausgegangen, die an diesem Tag ihr Kirchweihfest feierten. Dagegen sind die zahlreichen Mittel, am J. die Zukunft zu erforschen, Überbleibsel aus heidnischer Zeit. Auch gehört der Johannistag zu den sogen. Lostagen (s. d.). Über die mythische Bedeutung der Johannisfeuer belehren: Kuhn, Die Herabkunft des Feuers (2. Aufl., Gütersl. 1886); Schwartz, Poetische Naturanschauungen (das. 1864); Mannhardt, Wald- und Feldkulte (Berl. 1875-77, 2 Bde.).

Johannisgürtel, s. Lycopodium.

Johannisjünger, s. Johanneschristen.

Johanniskäfer, s. Maikäfer.

Johanniskraut, Pflanze, s. Hypericum.

Johannislauch, s. Lauch.

Johannisliebe, s. Johannisweihe.

Johannisorden, verschiedene Orden, Brüderschaften, Kongregationen etc., die meist den Apostel Johannes zum Schutzpatron wählten. Der geistliche Ritterorden von St. Johannes dem Täufer und St. Thomas wurde um 1205 in St.-Jean d'Acre von Kreuzrittern zum Schutz der Pilger und zur Bekämpfung der Ungläubigen gestiftet, breitete sich über Italien und Spanien aus und machte sich durch Kämpfe gegen die Mauren berühmt. Nachdem der Orden seinen Sitz in Palästina verloren hatte, wurde er den Johannitern einverleibt; nur in Spanien lebte noch ein Zweig als St. Thomasorden fort.

Johannistag, s. Johannisfest.

Johannistrieb, mit Anwendung eines botanischen Ausdrucks (s. Prolepsis) Bezeichnung für Liebesneigungen, welche, über die Zeit der Jugend hinaus, noch im spätern Alter erwachen; besonders durch P. Lindaus gleichnamiges Schauspiel populär geworden.

Johannisweihe, der Gedächtnistag Johannis des Evangelisten (27. Dezember), an welchem man in den katholischen Kirchen Wein (Johannistrunk) zu weihen pflegt, der vor Vergiftung und andrer Gefahr schützen soll, weil jener Heilige den ihm von den Heiden dargereichten Giftbecher ohne allen Schaden geleert haben soll. In manchen Gegenden hebt man diesen geweihten Wein auf, um ihn zum Abschiedstrunk vor Reisen und zum Versöhnungstrunk zu nehmen oder bei Trauungen den Brautleuten zu reichen, weshalb der Johannistrunk auch Johannissegen oder Johannisliebe (Johannisminne), heißt. Ähnlich ist ein zum Teil auch im evangelischen Süddeutschland am Johannistag (24. Juni) getrunkener Johannissegen, wahrscheinlich eine uralte Sitte, welche an die dem Freyr, dem Gotte der Fruchtbarkeit, dargebrachten Trankopfer erinnert. Vgl. Zingerle, Johannissegen und Gertrudenminne (Wien 1852).

Johanniswürmchen (Lampyris Geoffr.), Käfergattung aus der Gruppe der Pentameren und der Familie der Weichkäfer (Malacoderma), Käfer mit kugeligen, großen, zusammenstoßenden Augen, kurzen Fühlern, halbkreisförmigem Thorax, gleich breiten, dünnen, biegsamen Flügeldecken beim Männchen, die Weibchen ohne Flügeldecken und Hinterflügel. L. splendidula L. (s. Tafel "Käfer"), 9 mm lang, graubraun, mit zwei glasartigen Fensterflecken auf dem Halsschild, beim weißgelben Weibchen mit zwei Läppchen hinter dem Halsschild. Die wurmförmige Larve hat sechs gespreizte Beine, einen sehr kleinen Kopf und am letzten Hinterleibsring eine Art von vorstreckbarem Trichter, welchen das Tier als aufsaugendes Werkzeug benutzt, um sich von dem Schleim der Schnecken, die ihm zur Nahrung dienen, zu reinigen. L. noctiluca L., 11 mm lang, hell pechbraun, ohne Fensterflecke, das Weibchen ohne Flügelstümpfe. Diese Art findet sich besonders in Westeuropa und Süddeutschland, die erstere mehr nördlich, beide an buschigen Orten in der Nähe von Wasser; das Männchen fliegt leuchtend (das der großen Art schwächer als das der kleinen) an warmen Sommerabenden um Johannis und sucht das Weibchen, welches leuchtend im Grase sitzt. Nach der Begattung erlischt das Leuchtvermögen. Das Weibchen legt seine gelben Eier an die Erde, die bald auskriechenden, nur schwach leuchtenden Larven überwintern und verpuppen sich wenige Wochen vor der Schwärmzeit. Vgl. Leuchtkäfer.

Johanniswurz, s. Anacyclus und Aspidium.

Johannit, s. v. w. Uranvitriol.

Johanniterinnen, Hospitaliterinnen vom Orden des heil. Johannes von Jerusalem, im 13. Jahrh. in Frankreich gestiftet, besaßen daselbst mehrere Hospitäler, wurden 1610 wegen zu freien Lebens reformiert und begaben sich 1624 in den Schutz des Großmeisters des Johanniterordens. Sie bestanden bis zur französischen Revolution.

Johanniterorden (später Rhodiser- und Malteserorden). Der erste und älteste geistliche Ritterorden "vom heil. Johannes zu Jerusalem" verdankte seine Entstehung einem reichen Kaufmann aus Amalfi, Maurus, welcher sich (1070) durch Geschenke vom ägyptischen Kalifen die Erlaubnis auswirkte, unweit des Heiligen Grabes in Jerusalem eine Kirche (Santa Maria della Latina) und ein Mönchskloster nach der Regel des heil. Benedikt zu erbauen, womit bald in zwei Gebäuden eine Herberge und ein Hospital für Pilger beiderlei Geschlechts verbunden wurden. Jedes dieser Gebäude erhielt seine eigne Kapelle; die für das weibliche Geschlecht wurde der Maria Magdalena, die für das männliche dem heil. Johannes dem Barmherzigen (einem Patriarchen von Alexandria im 7. Jahrh.) geweiht (nicht Johannes dem Täufer). Die Benediktiner, welche sich hier mit der Krankenpflege beschäftigten, nannte man Johanniter (Johannitae) oder Hospitalbrüder zum heil. Johannes (Fratres hospitales St. Joannis). Nach der Eroberung Jerusalems durch Gottfried von Bouillon 1099 trennte der Abt Gerhard Tonque seine Brüderschaft ganz von der Kirche Santa Maria della Latina. Papst Paschalis II. bestätigte 1113 die Verfassung des neuen Instituts und die ihm durch Schenkungen zugefallenen Besitzungen und gab ihm das Recht, seinen Rektor selbst zu wählen. Gerhards Nachfolger (seit 1118) Raimund Dupuis (de Podio) verpflichtete die Brüder auf die Gelübde "der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams" und verlieh ihnen eine besondere Ordenstracht, nämlich einen Mantel von schwarzer Farbe mit einem weißen linnenen Kreuz auf der linken Seite. Bald fügte er zu den Mönchsgelübden der Brüderschaft die Verpflichtung zum Kampf gegen die Ungläubigen hinzu und schuf sie so nach dem Vorbild der Tempelherren in einen geistlichen Ritterorden um. Statt des einfachen Kreuzes führte er ein solches mit acht Spitzen (Sinnbild der acht ritterlichen Tugenden) als Ordenszeichen ein; für den Krieg wurde (im 13. Jahrh.) ein rotes Oberkleid, über der Rüstung zu tragen, eingeführt. Die Mitglieder wurden in drei Klassen eingeteilt: Ritter adliger Geburt zur Kriegführung, Ordenspresbyter zum Kirchendienst und