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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Jura

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Jura (französisch-schweizerischer).

fernung von 148 km zwischen Quelle und Mündung. Manche der hoch gelegenen Thalmulden sind aber geschlossen und besitzen dann zum Teil wenig tiefe Seen ohne sichtbaren Ausfluß, wie das Thal des Lac de Joux und der See von Brevine. Nur das klüftige, oft senkrecht aufgerichtete Kalkgestein und seine Höhlen bieten unterirdischen Abfluß durch Entonnoirs (Trichter), welche man wohl künstlich unterhält, erweitert oder durch Anlegung wenig tiefer Schächte auch erneuert. In tiefer gelegenen angrenzenden Thälern treten die versunkenen Gewässer wieder in Quellen oder Bächen zu Tage, so die Orbe bei Vallorbe.

Dieser Bau des Gebirges ist durchaus bedingt durch die Lagerung und verschiedene Widerstandsfähigkeit der Sedimentgesteine. Seinen Hauptkörper bilden die Glieder der verschiedenen Juraformationen: Lias, brauner und weißer J.; nur in der Nordkette und im äußersten Westen (so bei Besançon, Salins, Pontarlier) tritt darunter als nächste Unterlage insular die Trias auf: Gips und Steinsalz führender Keuper und Muschelkalk. Im S. und SO., auch noch am Neuenburger See, lagert dagegen am Rand und in den Mulden des Gebirges untere Kreide (Neokom und Gault). Jüngere Kreide und Nummulitengebirge fehlen allerorten im J.; dagegen finden sich durch das ganze Gebirge ältere tertiäre Bohnerze und mitteltertiäre Meeres- und Süßwasserablagerungen verbreitet, welch letztere auch am Fuß das schweizerische Hügelland zusammensetzen. Erratische Alpengeschiebe finden wir hoch an den Schweizer Gehängen hinauf verbreitet und selbst in innere Thäler eindringend, so oberhalb Neuenburg Geschiebe und Blöcke aus dem Rhônethal. Nur im W., so bei Besançon, sind die Höhlen knochenreich. Im ganzen finden sich die Hauptkalkmassen im Bereich des obern J., welche Formation hier in eingehendster Weise studiert wurde. Meist sind es diese Kalke, welche die Gewölbeketten und die felsigen Kämme bilden, während den Grund der Combes die leicht verwitterbaren und durch Wasser wegführbaren Gesteine des braunen J., des Lias etc. bilden. Während die hohen Kalkrücken wasserarm und daher meist kahl sind oder doch nur Weiden darbieten, deckt oft dichter Fichtenwald die Gehänge, und die Combes sind wasser- und wiesenreich. Die Muldenthäler sowie die plateauartigen Rücken sind oft versumpft. Nach der Tiefe, bis zu welcher das Gebirge aufgeschlossen ist, unterscheidet Thurmann folgende Gebirgsformen: Die Ketten ersten Ranges, Gewölbeketten, bestehen aus dem obern weißen J., wo nur in der Tiefe der Cluses die ältere Unterlage aufgeschlossen ist. Durch Wegführung von Teilen ihres Gewölbes an den Seiten tritt auch an ihnen Klippen- oder Felsbildung auf (so bei Dôle). Die Gewölbeketten herrschen im S. und an den östlichen und westlichen Außenwänden vor. Bei den Ketten zweiten Ranges ist das Gebirge bis auf den braunen J. aufgesprengt, und dieser selbst tritt oft in der Mitte wieder als hohe Gewölbekette, von den umringenden Kämmen tiefern Niveaus durch eine Combe geschieden, hervor. Diese Ketten bilden im J. die vorherrschende Form; alle höchsten Höhen des mittlern J., wie der Chasseral, Chasseron, und überhaupt die Hälfte aller Juraketten gehören hierher. Bei den Ketten der dritten Ordnung, wie im Paßwang, im Mont Terrible, im Weißenstein, geht die Spaltung und Entblößung bis zum Keuper herab, während bei denen der vierten Ordnung, deren überhaupt nur vier bekannt sind, auch der Muschelkalk in niedrigen Hügelreihen wie in mächtigen Domformen hervorbricht, welch letztere zum Teil zirkusähnlich aufgerissen und in der Tiefe der wilden Kessel bis zu dem Gips des Salzgebirges im mittlern Muschelkalk aufgeschlossen sind, so bei Meltingen. Beide letztern Formen kennt man nur im nördlichsten J.

Man kann den J. in drei Strecken einteilen. Der südliche oder französisch-waadtländische J. enthält neben den niedrigsten südlichen Anfängen die höchsten Gipfelhöhen, weist aber den einfachsten Gebirgsbau und die ausgedehntesten Ketten und Längenthäler (Jouxthal) aus. Dem Montblanc gerade gegenüber sich erhebend, sind seine vordern Höhen ausgezeichnete Aussichtspunkte (Dôle). In der zweiten Strecke, von Neuenburg und Franche-Comté, besitzt der J. seine größte Breite und Massenerhebung, während seine Gipfelhöhen um etwa 100 m hinter den südlichen zurückbleiben. Hier sind nur die östlichsten und westlichsten Ketten vorherrschend Gewölbeketten, die übrigen meist Ketten zweiten Ranges; auch entwickelt sich in der Kette des Chasseral die ausgezeichnete Bildung elliptischer Zirkusthäler zur vollen Deutlichkeit. Der Mont Chasseron erhebt sich zu 1611 m, die Tête de Rang zu 1423, der Chasseral zu 1609 m. Im Kamm liegen Motiers im Val Travers 735, Locle 921, La Chaux de Fonds sogar 997 m hoch, während der Paß von Les Loges, zwischen diesem Ort und Neuenburg, 1286 m Höhe erreicht. Im nördlichen Teil, dem Berner, Baseler und Aargauer J., sind die Höhen immer noch bedeutend, darunter berühmte Aussichtspunkte: der Kurort Weißenstein (1284 m), die Hasenmatt (1449), die Röthifluh (1398 m), die Gislifluh (774 m). Es ist dies der verwickeltste und am tiefsten aufgerissene Teil des J. Zu den großartigen vielfachen Störungen, auch durch Verwerfung, kommen hier vollständige Zurückfaltungen, so daß man beim Bohren auf Steinsalz unter dem Muschelkalk die Juraformation hinauf bis zum Oxfordthon traf. Auf Merians Profil, von Basel bis Kestenholz zwischen Solothurn und Olten, sieht man den weißen Jurakalk siebenmal, den braunen J. neunmal, Kies und Keuper viermal und auch den Muschelkalk auftreten. Der Gebirgsbau des J. macht ihn zu einer mächtigen Schutzmauer gegen sein westliches Nachbarland: die wenigen das Gebirge überschreitenden Straßen führen alle durch leicht zu verteidigende Felsengen (Cluses). Die Cluses von Balsthal, Montier und Pierre Pertuis verteidigen die Zugänge von N. und NW., die über Basel und Porrentruy in die innere Schweiz führen; durch die von Vitteboeuf führt der Weg aus Burgund nach Grandson. Das Fort Les Rousses, welches drei Straßen aus Burgund nach der Schweiz beherrscht, die durch das Jouxthal, die über den Paß von St.-Cergues nach Nyon und die durch das Dappenthal nach Genf führende, ist in französischen Händen, ebenso der durch das Fort L'Ecluse verteidigte Zugang auf der Lyon-Genfer Straße. Mehrere Eisenbahnen überschreiten jetzt den J.: im Paß von Jougne, im Val de Travers, aux Loges und im Mont Sagne, in der Pierre Pertuis, in den Pässen von La Croix und Glovelier, im untern Hauenstein und im Bözberg. Längs seines ganzen Ostfußes führt eine Eisenbahn nach Genf.

Erreichen auch die höchsten Höhen des J. noch nicht die Schneegrenze, so bleibt der Schnee doch auf seinen höchsten Teilen wohl 6-7 Monate liegen, es gehören dieselben schon zu den des Anbaues unfähigen subalpinen Regionen. Am Fuß des Gebirges ist überall der Weinbau verbreitet; in seine äußern Thäler dringt der Obstbau; in seinen innern Hochthälern reifen, aber nicht immer, die Sommergerste und der Hafer. Ausgedehnte Nadelwälder sind noch durch viele Thä-^[folgende Seite]