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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: J'y pense; J'y suis et j'y reste; Jux; Juxtabuch; Juxtaposition; Juynboll; Jylland; Jynx

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Jux - J'y suis et j'y reste.

Bibel u. a. O. zeigen, daß man im Altertum zwischen natürlichen Steinen und Glasfluß nicht streng unterschied. Bis in das Mittelalter fand man einen Hauptreiz in der Zusammenstellung verschiedenfarbiger Steine. Wie auf dem Brustgeschmeide des Hohenpriesters der Juden zwölf verschiedene Steine die zwölf Stämme andeuteten, schreibt der Mönch Theophilus vor, Edelsteine verschiedener Farbe miteinander abwechseln zu lassen, z. B. an Kronreifen, Gewandsäumen etc. Den Griechen und griechisch gebildeten Römern war der Edel- und Halbedelstein das vorzüglichste Material für den Gemmen- und Kameenschnitt, und wenn auch die Färbung oder die Seltenheit den Wert eines Ringsteins erhöhte, so wurde dieser doch vor allem in der Arbeit des Künstlers gesucht. Die berühmten Kleinodien des Altertums, wie der Ring des Polykrates, waren Intaglien, und Plinius sagt noch ausdrücklich, die Edelsteine seien dazu da, mit Zeichen (Schriftzügen, Sinnbildern etc.) versehen zu werden; allein er rügt auch bereits, daß seine Zeit anfange, auf die Steine selbst einen ungebührlichen Wert zu legen. Die Kleinodien und die Kostümbilder aus dem Mittelalter zeigen in den Kronen, Agraffen, an Rüstungen, Büchereinbänden etc. die Edelsteine nur geglättet und wesentlich in ihrer natürlichen Gestalt, ferner in Verbindung mit Email, Filigran etc. Den ersten Diamantschmuck in Frankreich soll Agnes Sorel (gest. 1450) besessen haben. Von jener Zeit an erlangte das Fassen, Aufbringen, Tingieren der Edelsteine (s. Edelsteine) eine höhere Bedeutung. Cellini gibt zu alledem umständliche Anweisungen. Zu seiner Zeit war es bereits allgemein gebräuchlich und erlaubt, den Edelsteinen (zu welchen er nur Rubin - Feuer, Diamant - Wasser, Saphir - Luft, Smaragd - Erde und bedingungsweise Topas - Sonnenlicht rechnet) Folie zu geben. Dagegen war die Anwendung einer Tinktur auf der Unterseite des Steins nur bei den Diamanten gestattet, bei den übrigen Steinen galt es ebenso als Fälschung wie das namentlich in Mailand betriebene Dublieren. In Deutschland erreichte die J. in der Zusammenstellung von farbigen Steinen, Perlen und Email ihren Höhepunkt im 16. Jahrh. Durch das Vorwiegen des Diamanten und zumal seit Einführung des Brillantschliffs im 17. Jahrh. wurde eine Umwälzung im Geschmack bewerkstelligt, welche für die J. verhängnisvoll werden sollte. Das unruhige Gefunkel des facettierten Steins ordnet sich in kein künstlerisches Ensemble ein, zerstört in der Zusammenstellung mit andern Steinen deren Wirkung, und so ging allmählich auch der Sinn für künstlerischen Schmuck überhaupt verloren. Kleine Steine verschiedener Färbung und Perlen wurden im vorigen Jahrhundert noch zur Umrahmung von Medaillons u. dgl. verwendet (Rokokoschmuck); vorwiegend aber suchte man ein Gleichgewicht gegen den Diamanten in der Zusammenstellung großer Edelsteine von durchaus gleicher Farbe zu Einem Schmuck oder in der Häufung vieler kleiner gleicher Steine auf Einem Stück in der Art, daß das Ganze ungefähr einem einzigen, zu unzähligen Facetten geschliffenen Stein glich. Eine heilsame Reaktion gegen den farblosen Schmuck begann erst mit der allgemeinen Reform des Kunstgewerbes seit dem Beginn der 70er Jahre des 19. Jahrh., wobei man auf die farbigen Renaissancemuster des 16. Jahrh. zurückgriff. Eine reiche Sammlung von solchen Mustern enthält das Werk von F. Luthmer: "Der Goldschmuck der Renaissance" (Berl. 1881). Als Kuriosität ist zu erwähnen, daß in der ersten französischen Revolution Bijoux de la révolution, gefaßte Stücke Stein von der Bastille, als Schmuck getragen wurden. Vgl. auch Boue, Traité d'orfèvrerie, bijouterie et joaillerie (Par. 1832, 2 Bde.); v. Kulmer, Handbuch für Gold- und Silberarbeiter und Juweliere (2. Aufl., Weimar 1887), sowie die Artikel Bijouterien und Goldschmiedekunst und die Abbildungen auf Tafel "Schmucksachen".

Jux, s. Jocus.

Juxtabuch (lat. juxta, "daneben"), das Stammregister, aus welchem Wertpapiere herausgeschnitten werden, damit dieselben zur Prüfung der Echtheit mit der Schnittfläche des zurückgebliebenen Stumpfes (franz. souche) verglichen werden können.

Juxtaposition (lat.), die "Nebeneinanderstellung", z. B. von Ziffern, die dadurch verschiedenen Wert erhalten; das Wachsen anorganischer Körper durch Ansetzen neuer Schichten von außen. In der Logik das Verhältnis von zwei oder mehreren niedern Begriffen (Nebensätzen), welche unter einem höhern stehen.

Juynboll (spr. jeun-), Theodor Willem Jan, namhafter niederländ. Orientalist, geb. 6. April 1802 zu Rotterdam, war seit 1841 nacheinander Professor der orientalischen Sprachen zu Franeker, Groningen und Leiden; starb 16. Sept. 1861. Besondere Verdienste erwarb er sich um die arabische Historiographie und Geographie sowie um die samaritanische Geschichte und Litteratur. Werke: "Commentatio de carmine Montenabbii in Europa nondum edito" (Amsterd. 1840); "Commentatio de versione arabico-samaritana etc." (das. 1846); "Commentatio in historiam gentis samaritanae" (Leiden 1846); "Liber Josuae; chronicon samaritanum, arabice conscriptum, cui titulus est liber Josuae" (mit lat. Übersetzung, das. 1848); "Lexicon geographicum" (1852 bis 1864, 5 Bde.) u. a.

Jylland, dän. Name für Jütland.

Jynx, Wendehals; Jyngidae (Wendehälse), Familie aus der Ordnung der Klettervögel (s. d.).

J'y pense (franz., spr. schipangs, "ich denke dran"), Art Vielliebchen (s. d.) und das Losungswort dabei.

J'y suis et j'y reste (franz., "hier bin ich, und hier bleibe ich"), Worte, die Mac Mahon 9. Sept. 1855 nach der Erstürmung des Malakow an Pélissier schrieb, als ihn dieser aufforderte, den Malakow zu räumen, da derselbe von den Russen in die Luft gesprengt werden könne. Von neuem wurden die Worte Mac Mahon in den Mund gelegt, als die Republikaner nach dem Scheitern der monarchistischen Restaurationsversuche (1873) denselben von seinem Posten als Präsident der französischen Republik zu verdrängen beabsichtigten.