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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kabinettformat - Kabylen.

in ihren Beziehungen zu auswärtigen Verhältnissen; in diesem Sinn spricht und sprach man von dem K. von St. James, dem K. der Tuilerien, dem K. von Petersburg, dem Berliner K. Ein lediglich von dem Staatsoberhaupt ohne Rücksicht auf den Willen des Volkes, namentlich aus dynastischen Gründen, begonnener Krieg wird Kabinettskrieg genannt. Geheimes K. heißt in manchen Staaten das höchste Landeskollegium oder das Kollegium der Geheimen Räte. K. nennt man ferner ein Zimmer oder eine Abteilung für ausgezeichnete, durch Kostbarkeit oder Seltenheit besonders wertvolle Gegenstände der Künste oder Wissenschaften, die, als Kabinettstücke, nicht allgemeinen Sammlungen einverleibt werden, also im Gegensatz zu Galerien, Sälen (Gemäldegalerie, Bibliotheksaal etc.); hieraus erklären sich Ausdrücke wie Kabinettwein, Kabinettauslese etc. Namentlich heißt K. ein Zimmer, in welchem eine Münzsammlung aufbewahrt wird (Münzkabinett); dann ein Buch, in welchem eine Münzsammlung verzeichnet und beschrieben ist. Schwarzes K., s. Cabinet noir.

Kabinettformat, Bezeichnung eines gewissen Formats für photographische Bilder, etwas großer als das "Visitenkartenformat".

Kabinettkäfer, s. Speckkäfer.

Kabinettsjustiz, die unmittelbare Einmischung des Regenten in einen bei den Gerichten anhängigen Rechtsstreit. In Deutschland wurde derselben zuerst durch die Reichskammergerichtsordnung 1495 entgegengewirkt, und seitdem ist die Unabhängigkeit der Gerichte und der Rechtsprechung stets anerkannt worden. Nach der deutschen Reichsverfassung vom 16. April 1871 (Art. 77) ist für den Fall der K. das Recht der Beschwerde an den Bundesrat gegeben, und das deutsche Gerichtsverfassungsgesetz (Art. 1) enthält die ausdrückliche Bestimmung: "Die richterliche Gewalt wird durch unabhängige, nur dem Gesetz unterworfene Gerichte ausgeübt".

Kabinettsmalerei, ein Zweig der Glasmalerei für profane Zwecke, der sich im 16. Jahrh. ausbildete. S. Glasmalerei, S. 404.

Kabinettsminister, s. Kabinett.

Kabinettstück, s. Kabinett.

Kabira, Ort im alten Pontos, an einem südlichen Zufluß des Lykos. Mithridates d. Gr., der sich häufig hier aufhielt und auf der nahen Burg Känon seine Schätze verwahrte, verschönerte den Ort; Pompejus erhob ihn zu einer Stadt, die er Diopolis nannte; später hieß sie Neocäsarea, woraus der heutige Name Niksar entstand. Konzil daselbst 314.

Kabiren, angeblich pelasgische, in Wahrheit aber, wie der Name ("die Großen, Mächtigen") besagt, ursprünglich semitische Gottheiten, welche besonders auf den Inseln Samothrake, Lemnos, Imbros u. a. verehrt wurden. Auf Samothrake erscheinen sie in der Zweizahl und wurden besonders als Beschützer der Schiffer gegen Sturmesgefahr verehrt, auch vielfach mit den Dioskuren identifiziert. Im spätern Volksglauben nahm St. Elmo ihre Stelle ein (vgl. Elmsfeuer). In Lemnos erscheinen sie in der Dreizahl, als Söhne des Hephästos und der Kabeiro, und wurden als Schmiede, aber auch als Götter des Weins verehrt. Zwei der Brüder töten den dritten, was darauf hinweist, daß sie ursprünglich Götter des Naturlebens waren. Ihre Verehrung nahm (besonders auf Samothrake) die Form eines Geheimkultus an. Auch mit den Telchinen, Daktylen, Kureten und Korybanten wurden sie vielfach in Berührung gebracht. Vgl. Welcker, Griechische Götterlehre (Bd. 3, S. 173 ff.).

Kabis, s. Kohl.

Kabitai, s. Capitay und Koba.

Kabliau, s. v. w. Kabeljau.

Kabotage, s. Küstenfrachtfahrt.

Kabra, Stadt im Sudân, s. Kabara.

Kabriolett (franz.), leichter zweiläderiger, einspänniger, meist mit Verdeck versehener Gabelwagen. Bei Postkutschen heißt K. die vordere kleinere, meist nach vorn offene Abteilung mit nur einer Reihe Sitze.

Kabul, Fluß im östlichen Afghanistan, entspringt am Ostabhang der Pagmankette bei dem Unaipaß, fließt in östlicher Richtung, einen großen Bogen nach S. bildend, an der Stadt K. vorüber, wird durch zahlreiche Zuflüsse (Logar, Alischang, Kunar, Lundai etc.) verstärkt, tritt nordöstlich vom Chaiberpaß auf britisches Gebiet und mündet nach etwa 500 km langem Lauf oberhalb Attok in den Indus. Der ungestüme und reißende Strom kann nur mit Flößen befahren werden.

Kabul, Hauptstadt von Afghanistan, am Fluß K., 1950 m ü. M. gelegen, am Westende einer weiten Ebene, welche hier durch zwei aufeinander stoßende Höhenzüge abgeschlossen wird, hat etwa 60,000 Einw., worunter an 12,000 Türken und Perser, welche Nadir Schah hierher führte, besteht aus der Citadelle, dem Bala Hissar, einer Stadt für sich mit dem Palast des Schahs, Regierungsgebäuden, großen Gärten, einem Bazar, der alten Stadt, die durch Mauern mit Thoren in verschiedene Quartiere geteilt ist und in ihren engen Gassen kein einziges bemerkenswertes Gebäude zählt, und weiten Vorstädten. Die an sich starken Werke der Festung werden durch benachbarte Höhen beherrscht, die Wälle der Stadt sind längst gefallen. Die gewerbliche Thätigkeit der Stadt ist unbedeutend, doch hat sich in K. als Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen von jeher ein lebhafter Verkehr entwickelt, dem zwei ziemlich parallel laufende, fast eine halbe Stunde lange Bazare dienen. - K. ist eine sehr alte Stadt und schon durch den Zug Alexanders d. Gr. bekannt geworden; Baber, der hier begraben liegt, machte es zu seiner Hauptstadt, doch hat die Stadt diesen Rang erst seit dem Ende des letzten Jahrhunderts endgültig behauptet. In den Kämpfen mit England hat K. wiederholt eine hervorragende Rolle gespielt. Vgl. Afghanistan (Geschichte).

Kabuse (Kabüse, wahrscheinlich v. franz. cambuse, s. v. w. Kombüse, s. d.), ärmliche kleine Wohnung, schlechtes Zimmer.

Kabylen (arab. Qabail, "Stämme"), ein Volk berberischer Abstammung in Algerien, das zum größern Teil die Provinz Algier, zum kleinern die Provinz Konstantine bewohnt und in 1400 Ortschaften 450-500,000 Köpfe zählt. Sie haben in wiederholten heftigen Kämpfen lange ihre Unabhängigkeit gegenüber den Franzosen behauptet, bis es diesen 1857 gelang, sie ganz zu unterwerfen (s. Algerien). Die K. sind sämtlich Mohammedaner. Sie treiben nicht bloß Ackerbau und Viehzucht, sondern zeichnen sich auch im Weben von Stoffen und in der Verfertigung von Waffen aus und bearbeiten die Eisen- und Bleibergwerke des Atlas. Man findet Wassermühlen, Teppichwirkereien und Töpfereien bei ihnen; besonders national aber ist die Ölbereitung. Auch wandern jährlich Tausende in die Städte, selbst nach Tunis, hinein, um als Lastträger und Arbeiter, namentlich in den Häfen, eine kleine Summe zu erwerben, mit der sie in die Heimat zurückkehren. Ihre zu dem hamitischen Stamm gehörige Sprache wurde von Hanoteau grammatisch bearbeitet (Algier 1858), der auch "Poésies populaires de la Kabylie du Jurjura" (mit Übersetzung,