Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kakadu; Kakamut; Kakaobaum

372

Kakadu - Kakaobaum.

Die die Tropen passierenden Dampfer sind wegen des gesteigerten Lüftungsbedürfnisses mit größern (und eckigen) Seitenfenstern ausgestattet. Die von beiden Schiffsseiten meist durch die Kabinette abgesperrten Salons empfangen ihr Tageslicht durch Oberlicht (skylights) von zweierlei Art: 1) durch in das Oberdeck eingelassene Glasstücke und 2) durch einen am Deckausschnitt sich erhebenden glasüberdachten Aufbau, welcher bei schönem Wetter thürartig geöffnet und zugleich mit Sitzbänken auf Oberdeck ausgestattet ist. Meist ist die zweite K. unter der ersten eingebaut. In neuesten Dampfern liegen beide Kajütten jedoch häufig auf demselben (Haupt-) Deck. Sämtliche transatlantische Passagierdampfer, darunter die Auswandererschiffe, besitzen auch Damenkajütten, d. h. entsprechend ausgestattete Räumlichkeiten, welche ausschließlich für den Aufenthalt von Damen bestimmt sind, während die männlichen Kajüttenreisenden sich in Rauchzimmer zurückziehen können. Auch die Wohnräume der Schiffsbeamten sind als Kajütten zu betrachten, zu denen auch deren Speiseräume zu rechnen sind, welche auf Kriegsschiffen "Messe" genannt werden. Kajüttenreisende heißen die Personen, welche Kajüttenplätze belegt haben, im Gegensatz zu den Zwischendeckpassagieren, welche gegen billiges Passagegeld in tiefer gelegenen großen Räumen, die nur mit Bettstellen (Kojen) ausgestattet sind, befördert werden. Mit dem Kajüttenbillet erwirbt der Reisende zugleich das Recht, gewisse Partien des Oberdecks, bez. des Promenadendecks, beschreiten zu dürfen, deren Grenzen nach obenhin streng zu beachten sind. Das Quarterdeck, etwa das hintere Schiffsdrittel, darf nur von Passagieren erster K. betreten werden, während mittschiffs Reisende der zweiten K. sich ergehen können. Die "Zwischendecker", Reisende dritter Klasse, sind nur auf das Vorschiff angewiesen.

Kakadu, s. Papageien.

Kakamut, s. Acacia.

Kakaobaum (Theobroma L.), Gattung aus der Familie der Sterkuliaceen, Bäume mit abwechselnden, großen, ungeteilten, oblongen Blättern, seiten-, achsel- oder endständigen Blütenbüscheln oder einzelnen Blüten und großer, lederartig holziger, eiförmiger oder eilänglicher, gerippter oder kantiger, fünf-, zuletzt einfächeriger, nicht aufspringender Frucht mit in einem Mus nistenden, etwas zusammengedrückten, eilänglichen Samen. Sechs im tropischen Amerika heimische Arten. Kakao- oder Schokoladenbaum (T. Cacao L., s. Tafel "Genußmittelpflanzen"), ein 12 m hoher Baum mit ausgebreiteter Krone, gestielten, eilänglichen, zugespitzten, 20-30 cm langen Blättern, fast das ganze Jahr hindurch aus dem Stamm und den Ästen, selbst aus der bloßgelegten Wurzel hervorbrechenden, sehr kleinen, roten Blüten und länglicher, spitzer, 10-20 cm langer, 5-7 cm breiter, gelber oder rötlicher, nach dem Trocknen brauner Frucht mit zehn Längsrippen, weichem, süßlichem, etwas schleimigem, farblosem Mus und zahlreichen in fünf Längsreihen aufgestapelten, durch das Mus und die zersprengten Scheidewände der Frucht zu einer Säule vereinigten, weißen, nach dem Trocknen braunen Samen mit zerbrechlicher Samenschale. Der K. ist einheimisch im mittlern Amerika zwischen dem 23.° nördl. Br. und dem 20.° südl. Br.; er gedeiht besonders in geschützten Thälern und an Flußufern, im Schatten hoher, stark belaubter Bäume, dann auch an Küstenstrichen, selten aber in einer Höhe von über 300 m. Er steht gewöhnlich vereinzelt und bildet nur selten kleine Wälder. Die in Mexiko früher sehr starke Kultur ist jetzt bedeutend verringert, am stärksten noch bei Tabasco und in der Provinz Oajaca bei Colima. Im nördlichen Mexiko und in den Thälern von Louisiana und Georgia finden sich nur selten einzelne Bäume. Guatemala liefert die besten Bohnen, besonders Soconusco, dann die Gegenden von Honduras und Mosquito und die Provinzen Costarica und Nicaragua. Wiederholt blühte die Kakaokultur auf Haïti, Jamaica und Martinique; allein Orkane zerstörten die Plantagen, und jetzt liefern diese Inseln nur sehr wenig Kakaobohnen. Ste.-Croix, Santa Lucia, Granada und Trinidad geben reiche Erträge, ebenso Kolumbien, besonders die Provinz Magdalena und die Gegend von Popayan, dann Ecuador, namentlich um Quito und Guayaquil. Wenige, aber vorzügliche Kakaobohnen liefern Porto Cabello und die Gegenden am Busen von Maracaibo in Venezuela; große Mengen guter Kakaobohnen aber der Nordabhang der Küstenkette bei Caracas und der ganze Küstenstrich von Cumana bis zur Mündung des Tocuyo. Weiter nach S. liefert der K. zwar mehr, aber schlechtere Früchte. Das kolumbische Guayana liefert nur Früchte wilder Bäume, dagegen blühen Kakaoplantagen am Surinam und Berbice. Im französischen Guayana steigt die Kultur, im brasilischen liegt sie fast gänzlich danieder. Die Ufer des Amazonenstroms liefern wenig und nicht besonders gute Kakaobohnen von wilden Bäumen, etwas bessere von einigen Plantagen, noch schlechtere die brasilischen Provinzen Ceará und Pernambuco, wo überhaupt die Grenze für Kakaokultur ist. Sehr gut gedeiht der K. auf Java, Manila, Bourbon und den Kanarischen Inseln. Die Kakaokultur ist sehr schwierig; sie erfordert eine gleichmäßige Temperatur zwischen 24 und 28°, sehr guten, lockern Boden, Feuchtigkeit und Schatten sowie Schutz vor den Winden. Die junge Saat wird mit Bananen und Erythrinen beschattet. Die Blüte erscheint nach 2½-3 oder 5 Jahren, die ersten Früchte nicht vor dem Ende des vierten Jahrs; dann aber dauert die Tragfähigkeit bis zum 30., ja bis zum 50. Jahr. Die Früchte reifen in vier Monaten und werden meist zweimal im Jahr geerntet. Jeder Baum liefert jährlich nur 1-2 kg Samen. Die aus den gesammelten Früchten herausgenommenen Samen werden sorgfältig vom Fleisch befreit und 4-5 Tage unter bisweiligem Umrühren in bedeckten Haufen einer schwachen Gärung überlassen, um einen herben Beigeschmack zu beseitigen. Dann trocknet man die Samen und siebt sie ab. An andern Orten vergräbt man die Bohnen in die Erde oder überläßt sie in großen Fässern einer stärkern Gärung. Diese gerotteten Bohnen sind dunkler und vollständiger von dem krautigen, bittern Geschmack befreit als der nach der ersten Methode gewonnene ungerottete, Sonnen- oder Inselkakao. Die Bohnen verlieren beim Trocknen die Hälfte ihres Gewichts. Sie gleichen etwa einer Bohne oder Mandel, sind gelblich- oder graurot, matt und bestehen aus einer leicht zerbrechlichen, pergamentartigen Schale, welche einen dunkelbraunen, glänzenden, von einem dünnen Häutchen umgebenen Kern einschließt, der marmorartig gezeichnet erscheint, vielfach zerklüftet ist und sehr leicht in Bruchstücke zerfällt. Die Bohnen enthalten in 100 Teilen: Kakaofett 45-49, Stärke 14-18, Stärkezucker 0,34, Rohrzucker 0,26, Cellulose 5,8, Pigment 3,5-5, Eiweißkörper 13-18, Theobromin 1,2-1,5, Asche 3,5, Wasser 5,6-6,3. Der Gehalt an Fett schwankt nicht nur in den verschiedenen Kakaosorten, sondern auch in einer