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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kaplitz; Kapnik-Bánya; Kápnist; Kapo d'Istrias; Kapodáster

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Kaplitz - Kapo d'Istrias.

schen der Kolonie und dem Gebiet der Kaffern bilden. Da es aber der vereinigten Kräfte der weißen Bevölkerung bedurfte, um einer etwanigen neuen Erhebung der Eingebornen schnell und nachdrücklich begegnen zu können, suchte sich der Gouverneur mit den Buren im Oranjeflußgebiet in ein besseres Einvernehmen zu setzen. Am 23. Febr. 1854 kam ein Vertrag mit ihnen zu stande, worin England die Oranjeflußsouveränität (Orange-River Sovereignty) als unabhängigen Freistaat anerkannte, nachdem die Unabhängigkeit Transvaals schon 1852 anerkannt worden war. Dieser Vertrag wurde 10. April in London ratifiziert.

Einen großen Zuwachs an Ansiedlern erhielt der neue Freistaat im Lauf des Jahrs 1854 infolge der an mehreren Stellen des Landes entdeckten Goldlager. Nun wurden auch die Forderungen der Kolonisten in Bezug auf eine freiere Verfassung bewilligt und 1. Juli 1854 das erste Parlament des Kaplandes, das in ein Ober- und Unterhaus (Legislative Council und Assembly) zerfiel, vom Gouverneur eröffnet. Da man den bisherigen Erfahrungen zufolge kein allzu großes Vertrauen auf die friedlichen Gesinnungen der Kaffernstämme setzen durfte, andernteils aber die ungeheuern Kosten, welche ein besoldetes Truppenkorps erforderte, scheute, so beschloß man, die Grenzdistrikte mit militärisch geschulten und organisierten Ansiedlern zu besetzen. Zu diesem Ende wurde der Teil der während des orientalischen Kriegs gebildeten deutschen Legion, welcher das in Geld und Ländereien bestehende Angebot der Regierung annahm, nach dem Kap eingeschifft und im Frühjahr 1857 an den verschiedenen Stationen, welche den Grenzkordon bilden sollten, verteilt. Seitdem traten in den Grenzdistrikten ruhigere Zustände ein, wenn auch Feindseligkeiten von Zeit zu Zeit wieder ausbrachen und eine stete Wachsamkeit auf seiten der Grenzbewohner nötig machen. 1869 wurde das Basutoland der Kapkolonie einverleibt, 1871 das Gebiet der neuentdeckten Diamantfelder, im Herbst 1874 Ostgriqualand in Besitz genommen, 1876 Fingoland, Idutywa Reserve und Nomansland und 1877 Westgriqualand mit dem K. vereinigt. Ein Versuch des Kolonialministers Lord Carnarvon, einen Bund der europäischen Länder am Kap zu stande zu bringen (1877), in den auch die Burenrepubliken eingeschlossen werden sollten, scheiterte. Um einer engern Verbindung Transvaals mit Deutschland zuvorzukommen, ließ England 12. April 1877 Transvaal besetzen und als Provinz der Kapkolonie einverleiben; doch mußte es nach einem unglücklichen Kriege gegen die Buren (s. Transvaal) 1881 die Unabhängigkeit dieser Republik wieder anerkennen. Inzwischen war 1879 ein Krieg mit dem Zulukönig Cetewayo ausgebrochen, in welchem die Engländer anfangs Verluste erlitten (22. Jan. wurden bei Isandlana 1400 Mann überfallen und niedergemetzelt), endlich aber 4. Juli bei Ulundi siegten und den König selbst gefangen nahmen; doch ward das Kaffernland nicht annektiert. Als darauf die Regierung die Entwaffnung der Eingebornen befahl, versuchten die Basuto und Pondo einen Aufstand, der jedoch 1880 unterdrückt wurde. Der 1884 erfolgten Okkupation von Angra Pequena durch Deutschland hätte sich die Regierung von K. gern widersetzt, doch konnte sie es um so weniger, als sie der weißen Bevölkerung durchaus nicht sicher ist und der "Afrikanderbund", der die holländischen Elemente umfaßt, in einem Gegensatz zu der britischen Einwohnerschaft steht. 1884 wurde Betschuanaland zu einer Kronkolonie gemacht.

Vgl. außer den ältern Reisewerken von Barrow, Burchell, Lichtenstein, Shaw, Chase, Bunbury u. a. Napier, Excursions in Southern Africa, including a history of the Cape Colony (Lond. 1849, 2 Bde.); Fleming, Southern Africa; geography, national history of the colonies (das. 1856); Hall, Manual of South African geography (Kapst. 1859); Moodie, Cape records from 1652 to 1795 (das. 1856-59, 3 Bde.); Noble, Descriptive handbook of the Cape Colony (das. 1875-77); Derselbe, South Africa, past and present (das. 1877); Wilmot u. Chace, History of the colony of the Cape (Lond. 1870); Wilmot, Geography of the Cape Colony (das. 1882); Silver, Handbook to South Africa (das. 1881); Wangemann, Südafrika und seine Bewohner (Berl. 1881); Holub, Die Engländer in Südafrika (Wien 1882); Fritsch, Drei Jahre in Südafrika (Bresl. 1868); Derselbe, Südafrika (Leipz. 1885).

Kaplitz, Stadt im südlichen Böhmen, an der Maltsch und der Eisenbahn Linz-Budweis, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine Dekaneikirche, ein Krankenhaus mit Kapelle, Töpferei und (1880) 2314 Einw. In der Nähe ein Hammerwerk und eine Papierfabrik.

Kapnik-Bánya, Dorf im ungar. Komitat Szatmár mit (1881) 2609 Einw., Berg- und Hüttenamt und Montanwerken. Die jährliche Ausbeute im königlichen Berg- und Hüttenwerk (609 Arbeiter) beträgt 60 kg Gold, 1600 kg Silber, 2000 metr. Ztr. Blei und 150 metr. Ztr. Kupfer, jene der Annengruben-Gesellschaft (224 Arbeiter) 80,000 metr. Ztr. Pocherz.

Kápnist, Wasilij Jakowlewitsch, russ. Dichter, geb. 1757 aus einer ursprünglich italienischen Grafenfamilie (Kapnissi), schlug die militärische Laufbahn ein, nahm später seinen Abschied und starb als Staatsrat und Mitglied der russischen Akademie 28. Okt. (a. St.) 1823 auf seinem Landgut Obuchowka in Kleinrußland. K. war ein Freund des Lyrikers Dershawin, in dessen Art er auch zahlreiche Oden, Satiren und Epigramme dichtete (Petersb. 1796, neue Aufl. 1849). Bei weitem größere Bedeutung hat seine (in Alexandrinern geschriebene) Komödie "Jábeda" ("Die Kabalen", 1799), eine beißende Satire auf die alte russische Justiz, welche die heftigste Erbitterung der Beamten hervorrief und lange nicht auf der Bühne erscheinen durfte; erst Kaiser Paul gestattete deren Aufführung und spendete ihr selbst lebhaften Beifall. Einzelne Typen und viele Stellen aus dem Lustspiel sind sprichwörtlich geworden. K. lieferte auch Übersetzungen aus Horaz und Molière.

Kapodáster, s. Capotasto.

Kapo d'Istrias, 1) Johannes Antonius, Graf, Präsident des griech. Staats von 1827 bis 1831, geb. 11. Febr. 1776 zu Korfu aus einem nach seiner ursprünglichen Heimat, der Stadt Capo d'Istria bei Triest, benannten, 1373 nach Korfu übergesiedelten Geschlecht, widmete sich in Padua und Venedig dem Studium der Philosophie und Heilkunde, betrat aber nach der Rückkehr in seine Heimat, die inzwischen (1797) unter Frankreichs Zepter gekommen war, die diplomatische Laufbahn. Als (20. März 1800) die Ionischen Inseln als Republik unter türkische Oberherrschaft gestellt wurden, erhielt er den Auftrag, die Verwaltung der Inseln Kephalonia, Santa Maura und Ithaka zu ordnen, ward sodann Senatssekretär, arbeitete mit Theotokis und Mocenigo die neue Verfassung aus und übernahm 1803 das Ministerium des Innern, dann das Auswärtige. Bei der Rebellion Ali Paschas von Janina gegen die Pforte 1807 ward K. zum Oberbefehlshaber sämtlicher Milizen der