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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Karbonisches Schichtensystem - Kardamomen.

Karbonisches Schichtensystem, s. v. w. Steinkohlenformation (s. d.).

Karbonisieren (v. lat. carbo. "Kohle"), s. v. w. verkohlen; auch s. v. w. karburieren (s. d.); K. der Lumpen, s. Shoddy.

Karbonsäuren, diejenigen organischen Säuren, welche die Karboxylgruppe COOH enthalten. Die Karboxylgruppe vereinigt sich mit Wasserstoff zu Ameisensäure und mit einwertigen Radikalen zu zahlreichen Monokarbonsäuren (z. B. Essigsäure CH3COOH ^[CH_{3}COOH]). Mit 2wertigen Radikalen verbinden sich zwei Karboxylgruppen [Bernsteinsäure C2H4(COOH)2] ^[C_{2}H_{4}(COOH)_{2}] zu Dikarbonsäuren, mit dreiwertigen Radikalen verbinden sich drei Karboxylgruppen zu Trikarbonsäuren etc. Die K. sind meist starke Säuren und bilden beständige Salze und Äther. Sie entstehen ganz allgemein bei der Oxydation organischer Verbindungen, der Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde etc.

Karbonyl, in der Chemie die Atomgruppe CO, welche als zweiwertiges Radikal in vielen Verbindungen auftritt.

Karboxygenlicht, s. Leuchtgas.

Karboxyl, in der Chemie die Atomgruppe COOH (s. Karbonsäuren).

Karbunkel (Karfunkel, Brandschwär, Carbunculus anthrax), Name einer höchst intensiven, umschriebenen Entzündung der äußern Haut, welche übrigens bei zwei streng voneinander zu scheidenden Krankheitszuständen vorkommt. Der eine, der verhältnismäßig gutartige K. (carbunculus benignus), ist nichts weiter als eine Entzündung mehrerer in die Lederhaut hineinragender Bindegewebskegel, also eine ausgedehntere furunkulöse Entzündung, während der andre ein Erzeugnis des Milzbrandgifts ist und daher als Milzbrandkarbunkel (carbunculus malignus) bezeichnet wird. Der gutartige K. tritt in der Regel vereinzelt auf und kommt selten bei Kindern, mehr bei Erwachsenen, namentlich bei durch Alter und andre schwächende Zustände Erschöpften, zumal bei Zuckerharnruhr, vor. Er erscheint häufiger im Sommer und Frühjahr als im Herbst und Winter. Der häufigste Sitz desselben ist zwischen den Schulterblättern, im Nacken und auf dem Rücken. Der Ausdehnung und Intensität der Hautentzündung entspricht die begleitende Störung des Allgemeinbefindens, welche oft recht erheblich ist. Namentlich ist Fieber vorhanden, welches schon beim ersten Beginn der Hautentzündung sich einstellt. Die kranke Hautstelle ist dunkel gerötet, derb anzufühlen, knotig verdickt, sehr schmerzhaft, fühlt sich brennend heiß an. Die Geschwulst breitet sich mehr oder weniger rasch aus, oft bis zur Größe eines Handtellers, erstreckt sich in die Tiefe und hat längere Zeit eine beträchtliche Härte, die erst dann nach und nach in Erweichung übergeht, wenn in der Tiefe das brandige Absterben des Gewebes beginnt. Der Schmerz ist außerordentlich groß, dauert lange und läßt erst nach, wenn die erweichte Stelle aufbricht, was in der Regel an mehreren Stellen geschieht, so daß die Haut siebartig durchlöchert erscheint. Aus den entstandenen Löchern sickert eine blutig-wässerige, meist sehr übelriechende Flüssigkeit aus, begleitet von gelbbraunen Fetzen abgestorbenen Zellgewebes. Die erkrankte Hautstelle kann aber auch in ihrem ganzen Umfang brandig werden und absterben. Erst nachdem alles Abgestorbene abgestoßen ist, bedeckt sich der Substanzverlust mit gesunden Fleischwärzchen (sogen. Granulationsgewebe), welche einen reichlichen und guten Eiter absondern und schließlich die durch den Hautbrand entstandene Lücke allmählich ausfüllen. Nicht selten entzünden sich auch die unter der kranken Stelle gelegenen Organe, z. B. das Bauchfell, der Kehlkopf, das Rippenfell etc. Je größer die brandige Stelle, desto heftiger sind auch die allgemeinen Erscheinungen, die namentlich bei ältern Leuten zum Tod führen können und zwar einesteils durch Erschöpfung, andernteils durch Aufnahme der Jauche ins Blut. Die Behandlung der K. muß von Anfang an eine sehr energische sein. Sobald sich die knotige Verhärtung der Haut ausgebildet hat, muß dieselbe kreuzweise und tief gespalten werden, um die Spannung der Haut zu beseitigen. Außerdem wendet man warme Umschläge von Kamillenthee, Kampferwein an bei kräftiger Diät. Der bösartige oder Milzbrandkarbunkel (der eigentliche Anthrax, so wegen der kohlschwarzen Verfärbung der kranken Hautstelle genannt) entsteht durch Übertragung des Milzbrandgifts, s. Milzbrand.

Karbunkelkrankheit, s. v. w. Milzbrand.

Karburete, s. Kohlenstoff.

Karburieren (v. lat. carbo, "Kohle"), Luft, Wasserstoff oder mit wenig leuchtender Flamme brennendes Leuchtgas mit den Dämpfen von Benzol, Petroleumäther etc. sättigen, um ein mit hell leuchtender Flamme brennendes Gas zu erhalten.

Karchedon (griech.), s. v. w. Karthago.

Karchemisch, uralte Stadt in Syrien, am Euphrat, wo 605 Nebukadnezar den ägyptischen König Necho schlug. Jetzt Dscherabis.

Karchesion, der dem Bakchos beigelegte und bei seinem Kult gebräuchliche Becher, gewöhnlich mehr weit als tief, nach der Mitte eingezogen, mit niedrigem Fuß und mit hoch über den Rand erhabenen Henkeln versehen, eins der ältesten Trinkgeschirre (s. Abbildung).

^[Abb.: Karchesion.]

Karczag (spr. karzag), Stadt im ungar. Komitat Jász-N.-Kun-Szolnok, ehemals Hauptort des Distrikts Großkumanien, an der Ungarischen Staatsbahn, mit (1881) 15,825 ungar. Einwohnern, bedeutendem Ackerbau, reformiertem Gymnasium und Gerichtshof.

Kardamomen (Kardamum, Cardamomum), Fruchtkapseln verschiedener Arten der Pflanzengattungen Elettaria und Amomum. Die gebräuchlichste Sorte, von Elettaria Cardamomum White et Maton auf der Küste von Malabar und auf Ceylon (malabarische oder kleine K., C. minus, s. Tafel "Gewürzpflanzen"), besteht aus hellgelben, gestielten, an der Spitze deutlich geschnäbelten, rundlichen oder in die Länge gezogenen, etwa 1 cm langen Kapseln mit geruch- und geschmacklosem, strohigem Fruchtgehäuse und etwa 20 hellgrauen oder braunen, gerunzelten Samen von fein gewürzhaftem Geschmack. E. major Smith auf Ceylon liefert die Ceylon-K: (C. longum), welche bis 4 cm lang, 8-10 mm dick, etwas bogig gekrümmt, deutlich kantig und dunkelgrau sind und zahlreiche Samen von etwas weniger feinem, mehr scharfem Geschmack enthalten. Viel seltener sind im Handel die Siam-K. (C. racemosum s. rotundum) von Amomum Cardamomum L. auf den ostindischen Inseln und in Siam, kugelige, gerundet dreikantige Kapseln mit brüchigem Gehäuse, mit graubraunen, feinrunzeligen, fest zusammengeballten, kampferartig schmeckenden Samen, und die javanischen K. (C. majus) von A. maximum Roxb. auf Java. Die Samen der kleinen K. wiegen etwa dreimal mehr als die Fruchthülle und enthalten etwa 4,5 Proz. ätherisches und 10 Proz. fettes Öl. Das erstere, vom spez. Gewicht 0,93-0,94,