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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kardinalpunkte - Karen.

Kardinalpunkte, die Hauptgegenden des Horizonts oder die vier Punkte, in denen der Horizont vom Meridian und vom Äquator durchschnitten wird, der Süd- und Nord-, Ost- und Westpunkt; dann s. v. w. Hauptpunkte, um die sich alles dreht.

Kardinalshut, ein roter, aus Seide gewirkter, rechts und links mit je 15 seidenen, ineinander geflochtenen Quasten (geordnet 1. 2. 3. 4. 5) untereinander und Schnuren behängter Hut mit breiter Krempe, welcher von Innocenz IV. 1245 den Kardinälen verliehen wurde (s. Kardinal). Im Wappen führen ihn die Kardinäle über der Grafenkrone, doch nach einer Bulle von Innocenz X. (1644-55) nur außerhalb Roms (s. Abbildung, S. 506).

Kardinaltugenden (lat.), s. v. w. Haupttugenden, deren von Sokrates, Platon und den Stoikern vier aufgezählt wurden, nämlich von dem ersten Gottesfurcht, Enthaltsamkeit, Tapferkeit und Gerechtigkeit; von dem zweiten Weisheit, Mäßigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit; von den letztern Geschicklichkeit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Bescheidenheit, welche, im allgemeinen dem Verhalten des Wollens nach den fünf oder (wenn Gerechtigkeit- und Vergeltungsidee unter dem gemeinsamen Namen der Idee der Gerechten zusammengefaßt werden) vier (von Herbart aufgestellten) praktischen Ideen entsprechend, als Tapferkeit, Freiheit, Güte und Gerechtigkeit wiederkehren.

Kardinalzahlen, Haupt- oder Grundzahlen, im Gegensatz zu Ordinalzahlen etc.; s. Numeralia.

Kardioide (griech.), von Castilliani (1741) herrührender Name für eine ebene Kurve vierter Ordnung von herzförmiger Gestalt (s. Figur), von welcher man beliebige Punkte P, P' erhält, wenn man von einem Punkt O auf dem Umfang eines Kreises beliebige Sehnen zieht und vom Endpunkt Q einer jeden den Kreisdurchmesser nach beiden Seiten hin abträgt. Sie ist auch eine Epicykloide, die bei Wälzung eines Kreises auf einem gleichgroßen erzeugt wird. Ihre Fläche ist gleich der sechsfachen Kreisfläche, ihr Umfang gleich dem achtfachen Kreisdurchmesser.

^[Abb.: Kardioide.]

Kardiostenosis (griech.), Verengerung des Herzens.

Karditis, Herzentzündung.

Kardobenediktenkraut, s. Cnicus.

Kardol, ölig-harzige Flüssigkeit aus den sogen. Elefantenläusen, den Früchten von Anacardium occidentale L., gewonnen, ist rötlichgelb, nicht flüchtig, riecht beim Erwärmen schwach angenehm, löst sich in Alkohol und Äther, nicht in Wasser, reagiert neutral, erzeugt auf der Haut in 4-12 Stunden Blasen (oft mit sehr heftigen Nebenwirkungen) und ist als Ableitungsmittel empfohlen worden. Ein ähnliches Präparat aus ostindischen Elefantenläusen von Semecarpus Anacardium wirkt milder.

Kardone, s. Cynara.

Kardorff, Wilhelm von, Politiker, geb. 8. Jan. 1828 zu Neustrelitz, studierte in Heidelberg, Berlin und Halle die Rechte, trat als Referendar in den preußischen Staatsdienst, nahm aber als Regierungsassessor in Stralsund 1853 seinen Abschied und wurde Rittergutsbesitzer zu Wabnitz im Kreis Öls in Schlesien. Seit 1866 ist er Mitglied des Abgeordnetenhauses, seit 1867 des norddeutschen, dann des deutschen Reichstags; in ersterm gehört er zur freikonservativen, in letzterm zur deutschen Reichspartei. An verschiedenen industriellen und merkantilen Unternehmungen beteiligt, tritt er namentlich bei staatswirtschaftlichen, sozialen und Handelsfragen als Redner auf; er ist Vertreter des Schutzzollsystems, das seine Schrift "Gegen den Strom" (Berl. 1875) mit Entschiedenheit verfocht, und für dessen Förderung er 1875 den "Zentralverein deutscher Industriellen" gründete. Er konnte sich daher 1879 rühmen, zu dem Umschwung der Zoll- und Wirtschaftspolitik der Regierung wesentlich beigetragen zu haben.

Karduchen, s. Kurden.

Kareien, das Absengen der Haare von kammwollenen Zeugen.

Karelien, der südöstliche Teil des ehemaligen Herzogtums Finnland, westlich und nördlich vom Ladogasee begrenzt, wurde im Frieden zu Nystad 1721 an Rußland abgetreten und bildet gegenwärtig Teile der Gouvernements Petersburg, Archangel und Olonez.

Karelier, Bezeichnung für eine ganze Gruppe finnischer Völker, zu denen man die folgenden rechnet: 1) die eigentlichen K. (finn. Karjalaiset, "Hirtenvolk"), 303,000 Köpfe stark, im südöstlichen und östlichen Teil Finnlands, im N. der Gouvernements Twer und Nowgorod, im W. der Gouvernements Archangel und Olonez; 2) die Quänen oder Oster-Bottnier (finn. Kainullaiset), 291,000 Seelen, im N. und NW. Finnlands; 3) die Suomi (finn. Suomalaiset, "Sumpfbewohner"), von den Russen Sumi, von den Schweden Finnen genannt, 280,000 Seelen, im westlichen und südwestlichen Finnland; 4) die Jämen oder Tawasten (finn. Hämenmaa), östlich von den vorigen, 530,000 Köpfe; 5) die Sawolaks (finn. Sawolaiset, "Rauchvolk"), 472,000 Köpfe, östlich von den vorigen; 6) die Aürämoiset, 76,000 Seelen, im südöstlichen Teil Finnlands und im Gouvernement Petersburg; 7) die Sawakot und die Ingrier oder Ischoren, beide zusammen 64,000 Köpfe stark, in dem zuletzt genannten Gouvernement. Alle diese Völker zusammen zählen etwas über 2 Mill. Seelen und zeigen den gleichen Typus: hervorstehende Backenknochen, helle Augen und Haare; in ihrer Lebensweise und ihrem Charakter lassen sich jedoch keine Züge wiedererkennen, welche denen der übrigen zur altaisch-uralischen Familie der Mongolen gehörigen Völker (Lappen, Wotjaken, Wogulen, Samojeden etc.) gleichen. Die K. sind ein gediegener, arbeitsamer, mutiger und ehrlicher Menschenschlag, der dem sumpfigen Boden seiner nordischen Heimat mit ausdauerndem Fleiß kärglichen Ertrag abringt. Zu den guten Eigenschaften gesellen sich eine phantastisch-düstere Lebensanschauung, die den Aberglauben stark begünstigt, und ein unbändiger Jähzorn, Die lange Herrschaft der Schweden über die K. hat einen großen und wohlthätigen Einfluß auf das Volk und die Organisation des öffentlichen Lebens ausgeübt. Im 12. Jahrh. wurden die K. durch den König Erich von Schweden zum Christentum bekehrt und im 16. Jahrh. durch Gustav Wasa dem Protestantismus gewonnen. Die K. sind größtenteils Ackerbauer, treiben aber auch Schiffahrt, Fischerei und Viehzucht.

Karen, zu den Lohitavölkern gehöriger Volksstamm in Hinterindien, in den Waldgebirgen von Arakan, in Pegu und im südlichen Birma, in den Thälern des Irawadi und Saluen und sporadisch bis an den Menam wohnend. Sie zerfallen in drei durch ihre Sprache deutlich geschiedene Stämme: Sgau, Pwo und Bghai. Die K. sind von kleiner, aber namentlich in den Ebenen kräftiger Gestalt, heller als die Birmanen, in Gesichtstypus und Augenstellung den Chinesen ähnlich. Während ein größerer Teil unter bri-^[folgende Seite]