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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Karmath - Karmin.

nelle Behandlungsweise geschaffen und ist als der Stifter einer neuen Schule anzusehen. Sein "Handbuch der mechanischen Technologie" (Hannov. 1837-1841, 2 Bde.; 5. Aufl., bearbeitet von Hartig, das. 1875-76) ist epochemachend und das Vorbild für viele andre Werke gewesen. Von seinen übrigen Arbeiten sind, außer vielen Beiträgen zur "Technologischen Encyklopädie" von Prechtl, zu welcher er fünf Supplementbände lieferte, zu Hülßes "Maschinenencyklopädie", Ersch und Grubers "Encyklopädie" und technischen Zeitschriften, zu erwähnen: "Grundriß der Chemie" (Wien 1822); "Einleitung in die mechanischen Lehren der Technologie" (das. 1825, 2 Bde.); "Die polytechnische Schule zu Hannover" (2. Aufl., Hannov. 1856); "Beitrag zur Technik des Münzwesens" (das. 1856); "Technisches Wörterbuch" (mit Heeren, Prag 1843-44, 3 Bde.; 3. Aufl. von Kick und Gintl, 1875 ff.); "Gewerbliches Fragenbuch" (Stuttg. 1867-72, 5 Hefte); "Geschichte der Technologie" (Münch. 1872). Ein Bändchen "Gedichte" erschien nach seinem Tod (Hannov. 1880). 1834-57 redigierte er die "Mitteilungen des Hannöverschen Gewerbevereins" und mit Volz 1844-46 die "Polytechnischen Mitteilungen". Vgl. "Karl K., ein Lebensbild", nach seinen hinterlassenen "Erinnerungen" (Hannov. 1880).

Karmath (Hamdam Ebu Aschalk el Karmathi), vorgeblich der siebente Prophet seit Adam und (um 891) Stifter einer mohammedanischen Sekte, der Karmathier. Dieselben hielten auf strenge Sitten und wichen in vielen Stücken vom Koran ab. Aus ihnen gingen die Assassinen (s. d.) hervor.

Karmel ("Baumgarten", Dschebel Mar Elias), im weitern Sinn der ganze palästinensische Gebirgszug von etwa 50 km Länge, welcher, wohl bewässert und bewaldet, von den Quellen des Kison, südlich neben dem Fluß, in nordwestlicher Richtung hinzieht und an der Südseite des Golfs von Akka mit dem Vorgebirge K. (s. Karte "Palästina"), auf welches der Name oft beschränkt wird, ins Meer fällt. Es steigt zu 570 m Höhe an. Die zahlreichen Klüfte und Höhlen machten das Gebirge im Altertum zum Wohnort der Propheten, später der Einsiedler und Mönche; namentlich war es der Schauplatz der Wunder des Elias, der auf dem Gipfel des Bergs mit den Baalspriestern stritt. Der Orden der Karmeliter (s. d.) hat daselbst sein Stammkloster, das durch den Sammelfleiß eines bei der Zerstörung desselben 1821 übriggebliebenen Mönchs wiederhergestellt wurde und Reisenden gastfreie Aufnahme gewährt. Es liegt auf dem Vorgebirge K., 180 m ü. M.

Karmeliter, Mönchsorden, 1156 auf dem Berg Karmel in Palästina von Berthold, einem Kreuzfahrer aus Kalabrien, nach der Klostersage aber vom jüdischen Propheten Elias (daher Eliä Ordensbrüder) gestiftet. Nach der 1209 vom Patriarchen Albert zu Jerusalem gegebenen Ordensregel müssen die K. in abgesonderten Zellen leben, sich abwechselnd bei Tag und bei Nacht mit Handarbeiten und Gebet beschäftigen, dürfen nichts Eignes besitzen, niemals Fleisch essen und haben zu gewissen Stunden ein gänzliches Schweigen zu beobachten. 1224 erhielten sie als Orden Unsrer lieben Frau vom Berge Karmel die päpstliche Bestätigung. Von den Sarazenen aus Palästina vertrieben, ließen sie sich 1238 zuerst in Cypern, dann im westlichen und südlichen Europa nieder, hielten 1245 ihr erstes Generalkapitel zu Aylesford in England und erlangten 1247 von Innocenz IV. eine mildere Regel und die Privilegien der Bettelorden. Seitdem ließen sie mehr und mehr von der ursprünglichen Strenge ab und erhielten 1431 vom Papst Eugen IV. noch größere Freiheiten, bis sich unter Pius II. die Konventualen oder beschuhten K., welche von diesen Milderungen Gebrauch machten, von den bei der ersten Strenge beharrenden Observanten oder Barfüßer-Karmelitern trennten. Später zerfiel der Orden in viele selbständige Kongregationen mit eignen Regeln, z. B. die Kongregation von Mantua, den Tertiarierorden u. a. Auch hatte er das Amt, die Santa Casa in Loreto (s. d.) zu bewachen. Die Tracht der K. bestand ursprünglich in einer braunen oder dunkelgrauen Kutte und einem weißen, schwarz und braun quergestreiften Mantel, zur Andeutung der auf dem Mantel des heil. Elias entstandenen Brandflecke, wozu in der Folge das graue Skapulier kam. Später ward in mehreren Klöstern der Konventualen die schwarze Farbe herrschend, während die Observanten die dunkelgraue beibehielten. Auch trug man breitkrempige weiße Hüte mit schwarzem Futter. Während des Klostersturms in Frankreich 1880 mußten 176 K. das Land verlassen. Die Karmeliterinnen wurden 1452 von dem Karmelitergeneral Johann Baptist Soreth und zwar nach der ursprünglichen Ordensregel gestiftet.

Karmelitergeist (Karmeliterwasser, Melissenwasser, Spiritus melissae compositus, franz. Eau de mélisse des carmes, Eau des carmes), altes, vom Karmeliterkloster in Nürnberg eingeführtes Riechmittel, besteht aus einem farblosen Destillat (200 Teile) von 150 Teilen Spiritus und 200 Teilen Wasser über 14 Teile Melisse, 12 Teile Zitronenschale, 6 Teile Koriander, 6 Teile Muskatnuß, 3 Teile Zimtkassie und 3 Teile Gewürznelken.

Karmesin (v. arab. "kermes" [s. d.], mittellat. carmesinus, franz. cramoisi), Farbenbezeichnung, hoch- und mehr dunkelrot, etwas ins Bläuliche fallend.

Karmesinlack, s. v. w. Karminlack, s. Florentiner Lack; s. auch Rotholzlacke.

Karmin, roter, aus der Kochenille dargestellter Farbstoff, zu dessen Gewinnung man Kochenille mit Regenwasser anhaltend kocht und die klare Flüssigkeit in flachen Porzellangefäßen an der Luft stehen läßt, bis sich der K. abgeschieden hat. Nach Entfernung dieser besten Sorte (3-4 Proz.) scheidet sich bei weiterm Stehen noch etwa halb so viel geringerer K. ab. Die Abscheidung des Karmins wird durch Zusatz von Salzsäure, Kleesalz, Weinstein, Zinnsalz, Alaun etc. begünstigt, doch müssen alle diese Materialien durchaus eisenfrei sein. Die Schönheit des Karmins soll durch Einwirkung von Sonnenlicht bei der Fabrikation gehoben werden. Die Ausscheidung des Karmins beruht auf einer Zersetzung des Kochenillefarbstoffs (Karminsäure) in Karminrot und Zucker, doch verbindet sich das in Wasser lösliche Karminrot wahrscheinlich mit einer tierischen harzigen Substanz und wird dadurch unlöslich. Die Karmine des Handels zeigen verschiedene Nüancen, von denen die hochrote am beliebtesten ist. Leichte Einwirkung von Ammoniak macht ihn violett. K. ist geruch- und geschmacklos, löst sich in Ammoniak und dient als Wasser- und Ölfarbe, zum Färben von Papier, Zucker etc., auch als Schminke. Seine Farbe leidet durch Seife, alkalische Flüssigkeiten und Licht. Die Lösung von K. in Ammoniak bildet den flüssigen K. Der gebrannte K. wird durch vorsichtiges Erhitzen geringer Mengen Karmins als dunkel purpurrotes bis violettes Pulver erhalten und ist sehr beständig. Karminviolett wird aus einer Kochenilleabkochung durch Bleizuckerlösung, welche mit Essig angesäuert