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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kaskett; Käsmark; Kasna; Kaso; Kaspar von der Rhön; Kasperle; Kaspische Pforte; Kaspisches Meer

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Kaskett - Kaspisches Meer.

Kaskett (franz. Casquet, ital. Celata), einfacher Visierhelm der Lanzenreiter und Kürassiere des 16. und 17. Jahrh.; Hut der preußischen Infanterie unter Friedrich Wilhelm II., dessen Krempe vorn und hinten aufgeschlagen war; überhaupt ein kleiner leichter Lederhelm, z. B. der Feuerwehr.

Käsmark (ungar. Késmárk), königl. Freistadt im ungar. Komitat Zips, am Poprád, in der Nähe der Hohen Tátra, mit altem Schloß, großer kath. Kirche, schönem Rathaus, (1881) 4475 meist deutschen Einwohnern, Tuchweberei, Spinn- und Stärkefabriken, Flachsbau und bedeutendem Leinwandhandel. K. hat ein evang. Obergymnasium, eine Handelsschule, mehrere Geldinstitute und ein Bezirksgericht und ist der Sitz des Ungarischen Karpathenvereins, welcher daselbst ein Museum besitzt und seit 1874 ein Jahrbuch herausgibt. In der Nähe die Reste des Schlosses Tököly. - K. wurde 1380 zu einer königlichen Freistadt erhoben. Seit 1440 hatte auch der Graf der Zipser Sachsen zu K. seinen Sitz, die Stadt kam 1530 in die Gewalt Johann Zápolyas, später fiel sie an Polen, bis sie 1655 wieder eine königliche Freistadt wurde.

Kasna (russ.), die Kasse, der Fiskus; Kasnaczei, Schatzmeister, Rentmeister, Verwalter der Kreisrentei.

Kaso, türk. Insel im Mittelmeer, zwischen Kreta und Karpatho, 49 qkm (0,9 QM.) groß, zählte vor dem griechischen Aufstand 12,000 Einw., darunter 3000 waffenfähige Männer, die mit ihren Schiffen die türkischen Städte auf Kreta blockierten. 1824 von den Türken verwüstet, blieb sie einige Zeit verlassen und hat jetzt etwa 5000 Einw.

Kaspar von der Rhön, s. Heldenbuch.

Kasperle, eine speziell österreichische Variation des alten Hanswursts (s. d.), die, nachdem letzterer von den Brettern verbannt war, an dessen Stelle auf die Bühne kam und da neben Thaddädl, Lipperl, Staberl etc. herrschte, am längsten auf dem Leopoldstädter Theater in Wien. Jetzt kommt er nur noch als lustige Person im Puppentheater (Kasperletheater) auf Jahrmärkten, Volksfesten etc. vor.

Kaspische Pforte (Porta Caspia), im Altertum berühmter Engpaß in Medien, östlich der Hauptstadt Rhagä, in einem südlichen Ausläufer des heutigen Elburs, 14 km lang, führte nach Hyrkanien und Parthien und war von Menschenhänden zu einer Straße von eines Wagens Breite umgeschaffen. Links und rechts erhob sich senkrecht das kahle Gebirge. Die Perser hielten ihn mit eisernen Thoren versperrt und mit Mannschaft besetzt. Da diese enge Felsenspalte (heute Girduni-Sirdara) für die Grenzscheide sowohl des nördlichen und südlichen als des westlichen und östlichen Asien galt, so berechneten die griechischen Geographen von diesem Punkt aus viele Meridiane.

Kaspisches Meer (Kaspisee), der größte Binnensee der Erde, auf der Grenzscheide Europas und Asiens, vom Astura- im SW. bis zum Atrekfluß im SO. von Persien, sonst von russischen Landschaften umschlossen, ist von N. nach S. 1224 km lang, 185-450 km breit, hat einen Küstenumfang von 6380 km und bedeckt ohne die Inseln einen Flächenraum von 439,418 qkm (7980,7 QM.). Merkwürdig ist die tiefe Lage des Kaspischen Meers; es füllt nämlich die tiefste Stelle einer Senkung der Erdoberfläche aus, die unter dem Niveau des Meeresspiegels liegt. Diese ganze Vertiefung (Aralo-kaspische Erdsenke) war früher ein Meer, aus dem nur einige Höheninseln emporragten, und das sowohl mit dem Arktischen als mit dem Schwarzen Meer in Verbindung stand. Als Reste jenes Meers, das bei einer die Zuflußmenge noch übersteigenden Verdunstungsmenge (nach Aragos Ansicht) stetig abnehmen mußte, sind das Kaspische Meer und der Aralsee (s. d.) zurückgeblieben, zwei Wasserbecken mit stark salziger Flut und ohne sichtbaren Abfluß, denen jedoch die Fische und Robben der offenen See fehlen. Die russischen Untersuchungen über den alten Lauf des Amu Darja haben zu dem Schluß geführt, daß die Isolierung des Aralsees vom Kaspischen Meer früher stattgefunden habe als die Trennung des Kaspischen vom Schwarzen Meer. Durch die Manytsch-Wasserrinne hing das Kaspische Meer in geschichtlicher Zeit mit dem Asowschen Meer zusammen; noch jetzt fließt zeitweilig etwas Wasser aus dem Manytsch in den Kumafluß ab, und noch im 17. Jahrh. muß der Wasserweg zwischen den beiden Meeren selbst für größere Fahrzeuge offen gewesen sein. 1859 hat Bergsträsser einen Kanal zur Benutzung dieses von der Natur vorgezeichneten Wasserwegs empfohlen; seit es wahrscheinlich ist, daß sich im Schwarzen Meer stets ein Überschuß an Wasser befindet, und daß sein Spiegel über dem des Ozeans steht, trägt man sich mit dem kühnen Gedanken, einst "diesen Überschuß an Wasser (durch Ableitung des Don in einen künftigen Manytsch-Kumakanal) dem Kaspischen Meer zu gute kommen zu lassen, wodurch alle zentralasiatischen Steppen neu belebt würden; denn infolge der Vergrößerung der Oberfläche des Kaspischen Meers würde sich seine Verdunstung steigern und mit dieser der jetzt dort so seltene Regen" 1859 gab die Regierung den Befehl, die Frage auf sich beruhen zu lassen; 1876 nahm sie der Amerikaner Spalding wieder auf, die russischen Blätter besprachen aber seinen Plan sehr abfällig. Das Kaspische Meer liegt 25,5 m unter dem Asowschen Meer, während der Aralsee 74 m über dem Kaspischen Meer liegt. Letzteres wird von dem größten Strom Europas, der Wolga, außerdem vom Ural, Kuma, Terek, Sulak, Kur, Sefid Rud, Atrek etc. gespeist, ohne daß sein Wasservolumen vermehrt würde. Man schreibt dies der mehrfach erwähnten sehr starken Verdunstung und der Aufsaugung durch den sandigen Boden zu, denen der Zufluß kaum das Gleichgewicht zu halten vermag. Der Wasserstand des Sees steigt zwar im Juni und Juli, wenn die Flüsse ihr Hochwasser bringen, sinkt jedoch im Winter wieder zurück, und ein allmählich fortschreitendes Sinken ist deutlich nachgewiesen. Die Ufer des Kaspischen Meers sind meist sandig und niedrig, besonders im N. und NO., wo jedoch der Ust-Urt (das Plateau zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aralsee, das sich hinter der Bai Kadam bis zu 232 m über das Kaspische Meer erhebt) hohe Felswände bildet; bergig ist der Süden, wo die persischen Landschaften Gilan und Masenderan hoch und steil nach dem See abfallen. Die am meisten vorspringenden Küstenpunkte sind auf der Westseite das Kap Schachow (die Spitze der Halbinsel Apscheron) und südlicher bei der Kurmündung das Kap Kurinsk; ferner auf der Ostseite das Kap Tarta und Kap Tjup Karagan an der Halbinsel Mangischlak. An Baien sind zu nennen: an der Westküste die von Agrachansk, Baku, Kisilagatsch und Enseli; an der Ostseite die Busen von Astrabad, Krasnowodsk, Balchan, Karabugas, Kenderli, Alexander, Kotschak, Mertwy-Kultuk und Kaidak. Es lassen sich zwei Abteilungen des Sees deutlich unterscheiden, die durch einen Bogen von Petrowsk bis zum Vorgebirge Tjup Karagan gesondert werden. Das nördliche Becken hat eine Ausdehnung von W. nach O. und ist seicht, da seine Tiefe nirgends 21½ m übersteigt; dieser Teil des Sees friert im Winter zu, und erst Mitte April kann man