Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Katechese; Katechet; Katechetik; Katechin; Katechisation; Katechismus

609

Katechese - Katechismus.

(1842-44) eine Reihe Satiren gegen den litterarischen Geschmack der Zeit. Unter seinen größern Gedichten, die meist religiösen Inhalts sind und mehrfach in andre Sprachen übertragen wurden, sind besonders "De schepping" ("Die Schöpfung", Utr. 1866; deutsch von Koppelmann, Brem. 1884), "De planeeten" (Arnh. 1869), "De jaargetijden" ("Die Jahreszeiten", Groning. 1871) u. "Palmbladen en dichtbloemen" (Amsterd. 1884) zu nennen. K. besitzt eine große Herrschaft über die Sprache, und unter seinen Übersetzungen von Tasso, Goethe u. a. finden sich vorzügliche Arbeiten. Auch eine Anzahl geschätzter wissenschaftlich-theologischer Werke sowie "Italië; reisherinneringen" (Arnh. 1857) und "Niuwe bladen uit het dagboek der reisherinneringen" (das. 1860-62) gab er heraus. Seine "Kompleete dichtwerken" erschienen in acht Bänden (Arnh. 1867).

2) Herman ten, holländ. Maler, geb. 16. Febr. 1822 im Haag, machte seine Studien bei Cornelis Kruseman in Amsterdam und vervollkommte dann seine koloristische Technik durch einen einjährigen Aufenthalt in Paris. 1849 kehrte er nach Amsterdam zurück und war eine Zeitlang hier thätig, bis er nach dem Haag übersiedelte. Er schöpft seine Stoffe teils aus dem 17. Jahrh., wobei er in der Wiedergabe der Kostüme ein glänzendes, fattes Kolorit entfaltet, teils aus dem holländischen Volksleben. Zur letztern Gattung gehören: ländliches Fest (1855), die Fischer von Marken (1857, im Museum zu Bordeaux), die unvermutete Alarmierung, die Spieler in der Schenke (1859); zur erstern: die calvinistischen Gefangenen unter Ludwig XIV., der Werber, die Degenspitze, die Pinselspitze, der Sieger und der Besiegte (Aquarell), die Wache (Aquarell), die Bürgergarde. K. hat sich besonders van der Helft zum Vorbild genommen, dem er sowohl in der Lebensfülle als in dem Reichtum des Kolorits nacheifert. Er hat auch tüchtige Porträte, unter andern das des Königs von Holland, gemalt.

Katechese (griech., Katechisation), mündlicher Unterricht, besonders derjenige, welchen die Kirche den Unmündigen erteilen läßt, um sie zur kirchlichen Mündigkeit heranzubilden; endlich auch der Religionsunterricht als einzelner Akt (s. Katechetik).

Katechet (Katechetes, Katechistes, griech.), in der ersten Zeit der christlichen Kirche derjenige, welcher den Katechumenen (s. d.) den Unterricht zu erteilen hatte. Daher die Katechetenschulen der alten Kirche, zumal in Alexandria, wo als Katecheten Pantänus, Clemens, Origenes, Dionysios u. a. wirkten. Gegenwärtig nennt man K. den Religionslehrer (vgl. Katechetik).

Katechetik (griech.), Lehre von der Kunst des mündlichen Unterrichts, neuerdings insbesondere vom religiösen Unterricht in fragender Form (erotematischer oder dialogischer Unterricht) gebraucht. Aus dem kirchlichen Altertum besitzen wir von hierher gehöriger Litteratur eigentlich nur die katechetischen und mystagogischen Lehrvorträge des Cyrillus von Jerusalem (s. d.) und Augustins Schrift "De catechizandis rudibus", welche übrigens durchaus nur erwachsene Katechumenen im Auge haben. Religiöser Jugendunterricht dagegen stellte sich keineswegs etwa sofort mit Einführung der Kindertaufe ein, vielmehr begegnen wir erst in den spätern Zeiten des Mittelalters Anweisungen zur geschickten Handhabung der Kinderbeichte, wie überhaupt die Pädagogie des Beichtstuhls den mangelnden religiösen Jugendunterricht ersetzen mußte. Diesen ließen sich fast nur Sekten, wie Waldenser und Hussiten, oder die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens angelegen sein. Das Zeitalter der Reformation war zwar reich an Katechismen, aber die Versuche, eine zusammenhängende und methodisch begründete K. zu geben, gehören der sogen. pietistischen Schule an, in welcher es auch Sitte wurde, neben dem Katechismus Bibeltexte katechetisch zu behandeln. Seit Mosheim wurde die K. fleißig bearbeitet und zwar zunächst im Sinn der sogen. religiösen Aufklärung. Man glaubte in den Unterredungen des Sokrates mit seinen jungen Freunden ein klassisches Vorbild der wahren katechetischen Methode zu besitzen, und seither gehört wenigstens das fragweise Verfahren, das Lehrgespräch, zu den herkömmlichen Anforderungen, die an den populären Religionsunterricht in Kirche und Schule gestellt werden. Darüber hinaus noch ging freilich die eigentliche Sokratik, welche vom Katecheten verlangte, daß er durch geschickte Fragen geradezu alle Erkenntnisse aus dem Befragten hervorlocken sollte. Als berühmte Meister dieser sokratischen K. galten ihrer Zeit J. F. Chr. ^[Johann Friedrich Christoph] Gräffe in Göttingen (1754-1816; "Die Sokratik", 3. Aufl. 1798; "Lehrbuch der Katechetik", 2. Aufl. 1805) und Dinter (s. d.). Pestalozzi bekämpfte die Einseitigkeit der Sokratiker, indem er hervorhob, daß man den Kindern vor allem etwas geben müsse und zwar in der dem kindlichen Fassungsvermögen angemessenen Gestalt wirklicher Anschauung, ehe man an die begriffliche Verarbeitung ginge. Aus dem Streit hat sich heutzutage im ganzen ein erfreuliches Einverständnis über die kombinierte Methode der K. entwickelt. Vgl. Palmer, Evangelische K. (6. Aufl., Stuttg. 1875); v. Zezschwitz, System der christlich-kirchlichen K. (2. Aufl., Leipz. 1872-74, 2 Bde.).

Katechin (Katechusäure, Tanningensäure) C19H18O8 ^[C_{19}H_{18}O_{8}] findet sich im Katechu, Gambir, im Waldmeisterkraut, bildet feine, weiße, seidenglänzende Kristalle, löst sich schwer in kaltem, leicht in heißem Wasser, in Alkohol und Äther, schmeckt etwas bitter adstringierend, schmilzt bei 127°, zersetzt sich leicht bei höherer Temperatur; die wässerige Lösung färbt sich beim Kochen an der Luft braun und fällt dann Leim. Es reagiert sauer, zersetzt aber nicht die kohlensauren Alkalien und bildet mit Basen keine konstanten Verbindungen.

Katechisation, s. v. w. Katechese (s. d.); katechisieren, als Katechet (s. d.) oder in katechetischer Weise unterrichten (s. Katechetik).

Katechismus (griech.), im allgemeinen ein in Fragen und Antworten abgefaßtes Lehrbuch für Anfänger, insbesondere dasjenige Buch, worin die Anfangsgründe der christlichen Religion, namentlich die Zehn Gebote, das apostolische Symbolum und das Vaterunser, für das Volk in Fragen und Antworten erklärt werden. Doch kann auf kirchlichem Boden diese Form keineswegs als ursprüngliches und begriffbestimmendes Merkmal gelten. Die ältesten deutschen Katechismen, darunter besonders der von dem Weißenburger Mönch Otfried (Mitte des 9. Jahrh.) verfaßte eine geschichtliche Bedeutung gewonnen hat, erklären bloß Vaterunser, Symbol und ähnliche im allgemeinen Kirchengebrauch befindliche Stücke. Nachdem Luther schon 1520 seine kleine Schrift "Eine kurze Form der Zehn Gebote, des Glaubens und Vaterunsers" herausgegeben hatte und, von ihm angeregt, verschiedene reformatorische Theologen, besonders Johann Brenz, Katechismen geschrieben hatten, hat Luther von der großen in Kursachsen gehaltenen Kirchenvisitation Veranlassung genommen, 1529 seine beiden Katechismen, den sogen. größern und