Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Keltische Sprachen; Keltma; Keltomanie; Keltsch; Kelung; Kelvin; Kem; Kemangeh; Kemberg; Kemble

674

Keltische Sprachen - Kemble.

nennt man dieselbe Gallisch (Gaulois). S. auch Metallzeit.

Keltische Sprachen, einer der Hauptzweige des großen indogerman. Sprachstammes (s. Indogermanen), der in betreff des Wortschatzes den germanischen, in grammatischer Hinsicht den italischen Sprachen am nächsten steht und früher den ganzen Westen von Europa beherrschte (s. Kelten), aber im Lauf der Jahrhunderte immer mehr an Terrain verloren hat. Er zerfällt in zwei Hauptgruppen: die kymrische oder britannische und die gälische Gruppe. Zur erstern Gruppe wird meistens auch das ausgestorbene, sehr altertümliche Altgallische gerechnet, das man nur teils aus Orts- und Eigennamen und andern Wörtern, die von alten Autoren angeführt werden, teils aus gallischen Münzen und etwa drei Dutzend Inschriften kennt, die meist an dem mittlern Lauf der Saône gefunden wurden und im einzelnen noch nicht sicher erklärt sind; nach neuern Forschungen scheint es indessen den beiden noch lebenden Gruppen der keltischen Sprache gleich fernzustehen. Die wichtigste lebende Sprache der kymrischen Gruppe ist das Wallisische (Welsh), das sich noch heutzutage mehr als alle andern keltischen Idiome eifriger litterarischer Pflege erfreut; bei den jährlich stattfindenden Nationalfesten, den sogen. Eisteddfods (s. d.), werden die besten Dichtungen in wallisischer Sprache mit Preisen gekrönt. Seine Blütezeit, aus der manche interessante Dichtungen und Chroniken auf unsre Zeit gekommen sind, fällt ins Mittelalter; die ältesten Bruchstücke der wallisischen Sprache rühren aus dem 8. Jahrh. her. Die Anzahl der heutzutage noch wallisisch Redenden ist auf nahezu 1 Mill. anzuschlagen. Das Bretonische in der Bretagne, das erst im 5. Jahrh. n. Chr. oder später durch aus Wales oder Cornwallis ausgewanderte Kelten dorthin kam, erscheint in der Litteratur vom 14. Jahrh. an, ist als Schriftsprache dem Erlöschen nahe, erhält sich aber als Volksdialekt in drei französischen Departements. Schon im vorigen Jahrhundert ausgestorben ist das mit dem Bretonischen nahe verwandte Cornische von Cornwallis. Die wichtigste Sprache der gälischen Gruppe, zugleich die altertümlichste und daher für die Sprachforschung wichtigste keltische Sprache überhaupt, ist das Irische, das, zuerst in Inschriften des 5. Jahrh. n. Chr. in der Ogham genannten Schriftart abgefaßt, dann in Glossen zu lateinischen Werken auftrat, im Mittelalter eine stattliche Litteratur, meist aus Chroniken, Legenden- und Gesetzsammlungen bestehend, erzeugte, seit der Renaissancezeit in Verfall geriet und heutzutage nur noch von höchstens 1 Mill. Individuen, die aber größtenteils auch Englisch verstehen, gesprochen wird. Eine Gesellschaft zur Erhaltung der keltischen (irischen) Sprache besteht in Dublin seit 1877. Das Hochschottische oder Erse, die Sprache der berühmten Lieder Ossians, auch speziell Gälisch genannt, wird nur in dem gebirgigen Teil Schottlands gesprochen. Das Manx, die alte keltische Sprache der Insel Man, wird dort nur sehr selten gehört. Die Gesamtzahl der keltisch Redenden in Europa beträgt jetzt nur noch etwa 3½ Mill. Wahrscheinlich durch die frühzeitige Einwirkung fremder, namentlich baskischer und uralaltaischer Sprachtypen sind die keltischen Sprachen von dem gemeinsamen indogermanischen Stammtypus so stark abgewichen, daß die Bestimmung ihrer Verwandtschaft eine der spätesten und schwierigsten Untersuchungen des bekannten Entdeckers des indogermanischen Sprachstammes, Fr. Bopp, bildete. Die keltischen Sprachen haben einerseits viele Wörter aus dem Lateinischen entlehnt, anderseits den Franzosen und Engländern einen nicht ganz unerheblichen Bestandteil ihres Wortschatzes geliefert und in allen Ländern, in denen sie einst gesprochen wurden, zahlreiche Ortsnamen zurückgelassen. Doch sind Etymologien aus dem Keltischen mit Vorsicht aufzunehmen (s. Kelten). Vgl. Zeuß, Grammatica celtica (2. Aufl. von Ebel, Berl. 1871); Bacmeister, Keltische Briefe (Straßb. 1874); Rhys, Lectures on Welsh philology (2. Aufl., Lond. 1879); Windisch, Irische Grammatik (Leipz. 1879); Curtius, Grundzüge der griechischen Etymologie (5. Aufl., mit keltischen Beiträgen von Windisch, das. 1879); Windisch, Keltische Sprachen (in Ersch und Grubers "Encyklopädie"); ferner die "Revue celtique" (hrsg. von Gaidoz, Par. 1870 ff.) und die "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung".

Keltma, Name zweier Flüsse im nordöstlichen Rußland, von denen der eine, die Nördliche K., im Gouvernement Wologda, 160 km lang und auf 137 km schiffbar, von links in die Wytschegda mündet, während der andre, die Südliche K., im Gouvernement Perm, 185 km lang, nach S. zur Kama fließt. Beide entspringen nahe bei einander (die Nördliche K. aus dem sumpfigen Gumendsee) und waren durch den 1786-1807 gegrabenen, 1838 aber wieder eingegangenen Katharinenkanal verbunden.

Keltomanie, übertriebene Vorliebe für keltisches Wesen, insbesondere die Sucht früherer Gelehrten, alle Namen aus dem Keltischen herzuleiten, wodurch die keltischen Studien in einen gewissen Mißkredit gerieten, bis durch die vergleichende Sprachwissenschaft Klarheit in die Sache kam (s. Kelten).

Keltsch, Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Weißkirchen, an der Juchina, mit einem Schloß, (1880) 2304 Einw. und Möbel- und Holzpfeifenfabrikation. In der Nähe das Keltscher Gebirge, ein Arm der Westkarpathen (des Weißen Gebirges), der bis an die Betschwa reicht und sich im Jawornik bis zu 857 m erhebt.

Kelung, Hafenstadt der Insel Formosa (s. d.).

Kelvin, Nebenfluß des Clyde bei Glasgow in Schottland, über welchen der Forth- und Clydekanal in einem 84 m langen Aquädukt gebaut ist.

Kem, Fluß im russ. Gouvernement Archangel, 424 km lang, mündet in das Weiße Meer; an seinen Ufern findet sich Granit. Er entspringt aus dem Kuntosee und ist wegen vieler Klippen und Fälle nicht schiffbar.

Kem, Kreis des russ. Gouvernements Archangel, an der Westküste des Weißen Meers, umfangreich, aber sehr wenig bevölkert (10 Einw. auf 1 QM.). Die Bewohner im nördlichsten Teil sind Loparen, sonst ausschließlich Karelen, welche sich mit dem hier sehr lohnenden Fischfang und der Jagd auf Pelztiere beschäftigen. Die Hauptstadt K., an der Mündung des Flusses K., hat (1881) 2020 Einw.

Kemangeh (Kemantsche), arab. Streichinstrument mit einer Saite, kleinem Schallkörper (Kokosschale mit Schlangenhaut bezogen), langem Hals und Fuß. Vgl. Rühlmann, Geschichte der Bogeninstrumente, S. 17.

Kemberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Wittenberg, hat ein Amtsgericht, Weberei, Fabrikation von Lederhandschuhen und (1885) 2569 evang. Einwohner.

Kemble (spr. kemmbl), 1) John Philip, berühmter engl. Schauspieler, geb. 1. Febr. 1757 zu Preston in Lancashire als Sohn des Schauspielers Roger K. (gest. 1802), betrat 1776 die Bühne zu Wolverhampton und spielte dann mit immer steigendem Ruf in