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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kettenbrücke - Ketzer.

Darstellungen findet man bei Schlömilch, Handbuch der algebraischen Analysis (6. Aufl., Jena 1881); Serret, Handbuch der höhern Algebra, Bd. 1 (deutsch, 2. Aufl., Leipz. 1878); Stern, Lehrbuch der algebraischen Analysis (das. 1860).

Kettenbrücke, eine Hängebrücke, deren Verkehrsbahn von Ketten getragen wird; s. Brücke, S. 495.

Kettendruck und Kettendruckmaschine, s. Zeugdruckerei.

Kettenfäden, diejenigen Fäden eines Gewebes, welche nach der Länge desselben verlaufen.

Kettengarn, das Garn, welches zu den Kettenfäden eines Gewebes benutzt wird und gewöhnlich etwas fester als das Schußgarn ist.

Kettenhemd (Kettenpanzer, Maschenpanzer), ein aus zusammengenieteten Ringen bestehendes oder aus Eisendraht geflochtenes Rüstungsstück, welches vom 11. bis zum Ende des 13. Jahrh. üblich war. Das K. entwickelte sich bald zu einer den ganzen Mann bedeckenden Rüstung mit Ketten- oder Ringkapuze und Ringhosen. Aus der Verstärkung einzelner Teile der Kettenrüstung entwickelte sich später die Plattenrüstung.

Kettenkugeln, früher gebrauchtes Geschoß (s. d.), aus zwei mittels einer Kette verbundenen Halbkugeln bestehend, wurde aus großen Kanonen vorzugsweise auf der See zum Zerreißen der Takelage verwendet.

Kettenkunst, s. v. w. Paternosterwerk.

Kettenlinie (Catenaria), in der Geometrie und Mechanik die ebene Linie, welche ein schwerer, nicht dehnbarer, vollkommen biegsamer Faden als Form annimmt, wenn man ihn an zwei Punkten aufhängt. Verwandt mit der K. ist die Kettenbrückenlinie, die Form, welche der Faden annimmt, wenn derselbe eine in horizontaler Richtung gleichmäßig verteilte Last trägt. Die K. kommt außerdem auch als Form von Gewölbebogen in Anwendung.

Kettenmessung, das Messen von Linien mit der Meßkette (s. d.).

Kettenornament, ein aus länglichen Ringen einer Kette gebildetes Ornament des anglo-normännischen Stils (s. Abbildung).

^[Abb.: Kettenornament]

Kettenpanzer, s. Kettenhemd.

Kettenpumpe, Vorrichtung zum Heben unreiner Flüssigkeiten, wie Jauche (Jauchepumpe), besteht in einer endlosen Kette mit daraufgesteckten Scheiben, welche bei Ingangsetzung der Kette die Flüssigkeit in einem Steigrohr in die Höhe befördern. Vgl. Paternosterwerke.

Kettenregel (Kettenrechnung, Kettensatz), ein Rechnungsverfahren, um den Wert einer Größe in Einheiten einer andern Größe auszudrücken, wenn zwischen beiden eine Anzahl Zwischenglieder durch Gleichungen gegeben sind, die man so ordnen kann, daß immer die linke Seite einer Gleichung mit der rechten der vorhergehenden gleichnamig ist. Z. B. wieviel Ar gehen auf den preußischen Morgen zu 180 QRuten, wenn die Rute 12 Fuß, der preußische Fuß 0,3138 m und der Ar 100 qm hat? Um den Ansatz (Kettensatz) zu bilden, schreibt man zuerst die Frage nieder und zwar links die unbekannte, rechts die bekannte Größe, also: x Ar = 1 Morgen preußisch. Darunter schreibt man die Gleichung, welche links Morgen enthält, also 1 Morgen = 180 QRuten. Darunter muß nun eine Gleichung kommen, welche mit QRuten anfängt, nämlich 1 QRute = 12 . 12 QFuß etc. Der Kettensatz ist vollendet, wenn die rechte Seite der letzten Gleichung dieselbe Benennung hat wie die unbekannte Größe. Den Wert der letztern findet man, indem man das Produkt der rechts stehenden Zahlen mit dem der links stehenden dividiert. Man erhält also den Ansatz:

x Ar = 1 Morgen preuß.

1 Morgen preuß. = 180 Quadratruten

1 Quadratrute = 12 . 12 Quadratfuß preuß.

1 Quadratfuß preuß. = 0,3138 . 0,3138 Quadratmeter

100 Quadratmeter = 1 Ar.

x = (180 . 12 . 12 . 0,3138 . 0,3138) / 100 = 25,523 Ar.

Die K., bereits im 16. Jahrh. bekannt, ist besonders beim kaufmännischen Rechnen gebräuchlich.

Kettenschäkel, hufeisenförmige Bügel mit beweglichen Bolzen als Verbindungsglieder der Ankerketten. Eine Schäkelkette ist meist 15 Faden lang, es kommen aber auch solche von 12,5 und 14,5 Faden vor.

Kettenschermaschine, s. Weben.

Kettenschleppschiffahrt, s. Tauerei.

Kettenschluß, im weitern Sinn ein aus andern Schlüssen und Gliedern zusammengesetzter Schluß, im engern Sinn der sogen. Sorites (s. d.).

Kettenseide (Organsinseide), s. Seide.

Kettenspulmaschine, s. Weben.

Kettenstab, s. Meßkette.

Kettenstich, eine Näherei, bei welcher die einzelnen Stiche wie Glieder einer Kette ineinander fassen, ohne weiter befestigt zu sein. Eine Kettenstichnaht löst sich, sobald ein einziger Stich reißt. Die ersten Nähmaschinen lieferten nur K., jetzt dient derselbe nur noch als Zierstich.

Kettentaue, s. Kette.

Kettentriller, s. Trillerkette. ^[richtig: Triller.]

Kettenwaren, s. Wirkerei.

Kettering, alte Marktstadt in Northamptonshire (England), hat Schuhfabrikation, Wollkämmereien und (1881) 11,093 Einw. Dabei Eisenwerke.

Kettwig (Ketwyk), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Landkreis Essen, an der Ruhr und den Linien Kupferdreh-Düsseldorf und K.-Mülheim a. d. Ruhr der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Waisenhaus, bedeutende Tuch- und Zanellafabrikation, Färberei und Kammgarnspinnerei und (1885) 4241 meist evang. Einwohner. Mit der Stadt ist die Landbürgermeisterei K. mit 4089 meist kath. Einwohnern zu einem Verwaltungsbezirk vereinigt; hier mehrere Steinkohlen- und Eisensteingruben, ein bedeutendes Wasserwerk und eine großartige Villa des Kommerzienrats Alfred Krupp in Essen.

Ketubim, s. Hagiographa. ^[richtig: Hagiograph.]

K. et W., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Knowles et Westcott (s. d.).

K. et Z., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Karwinski et Zuccarini (s. d.).

Ketzer (Häretiker), überhaupt alle, welche von der als rechtgläubig allgemein anerkannten Kirchenlehre abweichen, zu unterscheiden von den Ungläubigen (infideles), d. h. allen denjenigen, welche keine Christen sind, den Apostaten (s. d.) und den Schismatikern (s. d.). Der Name K. ist aus dem Wort Katharer (s. d.) entstanden und kommt zuerst bei den Minnesängern des 12. Jahrh. vor. Sobald im Verlauf des 2. Jahrh. die katholische Kirche sich konsolidiert hatte, wurden die abweichenden Lehren als Häresien, d. h. Ketzereien, ausgeschieden. Dergleichen Ketzereien haben seit Justinus Martyr, dessen Verzeichnis verloren gegangen ist, die Kirchenväter rastlos zusammengestellt. Schon der gegen Ende des 4. Jahrh.