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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kierkegaard; Kies; Kiesabbrände; Kiesbrenner; Kiesel

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Kierkegaard - Kiesel.

Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde" und hat eine Reihe von Karten herausgegeben, namentlich seit 1877 die neuen Auflagen der Wandkarten, Atlanten etc. seines Vaters sowie Routenkarten zu den Forschungsreisen von Nachtigal, Hildebrandt, Lenz, Schütt, Pogge, Klunzinger, v. Barth, Ascherson, Flegel, Kaiser, Reichard und Böhm, Wißmann u. a. (in der "Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin" 1873-85 und den "Mitteilungen der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland"), und einen "Wandschulatlas der Länder Europas" (Berl. 1881 ff., bis jetzt 15 Lfgn.).

Kierkegaard, Sören Aaby, der bedeutendste Denker und eigentümlichste Prosaist Dänemarks, geb. 5. Mai 1813 zu Kopenhagen, wurde bei kränklichem Körper zu strenger christlicher Askese erzogen, widmete sich auf der Kopenhagener Universität theologischen und philosophischen Studien, machte nach deren Abschluß 1841-42 eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland und führte dann in seiner Vaterstadt ein zurückgezogenes Denker- und Schriftstellerleben, bis er 11. Nov. 1855 daselbst starb. Kierkegaards Forschen war ausschließlich der Religion gewidmet, aber nicht den dogmatischen Einzelheiten, sondern dem Grundprinzip des Christentums, das er in ganz eigentümlicher Weise auffaßte. Seine schriftstellerische Thätigkeit begann mit der philosophischen Abhandlung "Om Begrebet Ironi" ("Über den Begriff Ironie", Kopenh. 1841) und ward zunächst mit zweien seiner Hauptwerke: "Enten - Eller" ("Entweder - Oder", das. 1843; deutsch von Michelsen und Gleiß, Leipz. 1885) und "Stadier paa Livets Vei" ("Stadien auf dem Lebensweg", Kop. 1845; deutsch von Bärthold, Leipz. 1886), in denen der ästhetische und der ethische Standpunkt in ihrem Gegensatz zum christlichen entwickelt werden, fortgesetzt. Ihnen folgte weiterhin eine große Anzahl pseudonym (unter Benutzung verschiedener Namen) herausgegebener Schriften, worin er seinen religiösen Standpunkt des weitern darlegt, und von denen "Afsluttende uvidenskabelig Efterskrift" ("Definitive unwissenschaftliche Nachschrift", Kopenh. 1846), "Indøvelse i Christendom" ("Einübung im Christentum", das. 1850; deutsch von Bärthold, Halle 1878) u. "Til Selvprøvelse" ("Zur Selbstprüfung", Kop. 1851; deutsch, 3. Aufl., Erlang. 1881) die bedeutendsten sein dürften. K. macht in diesen Werken mit äußerster Konsequenz die absolute ideale Forderung des Christentums geltend und bildet in dieser Hinsicht eine merkwürdige Parallele zu L. Feuerbach. Aber während dessen Lehre sich vom Christentum abwendet, strebt K. entschieden nach diesem hin. Nach seiner Auffassung (sagt Winkel Horn) ist das Christentum das Paradoxe, d. h. das, objektiv betrachtet, Absurde, welches nur für das religiöse Bewußtsein Gültigkeit erlangt, dem Verstand ein Ärgernis, für den Glauben ein Gegenstand der Leidenschaft ist. Das Leben im Glauben ist ihm daher ausschließlich eine Vereinbarung zwischen Gott und "dem Einzelnen" (wie er den Menschen als religiöses Wesen bezeichnet); für das Leben in der Gemeinde hat er nicht nur keinen Sinn, sondern er steht ihm feindlich gegenüber. Als der Bischof Martensen nach dem Tod J. P. ^[Jakob Peter] Mynsters (s. d.) diesen als einen "Zeugen der Wahrheit" hinstellte, nahmen Kierkegaards Angriffe gegen das "offizielle" Christentum einen immer heftigern Charakter an. Nach ihm stand dasselbe im schärfsten Gegensatz zu der "Nachfolge Christi", die er forderte, und die nichts mit jenem gemein habe, denn "die existierende Christenheit ist eine Einheit von Christentum und Welt, in welcher das erstere herausgestoßen wird, das wirkliche Christentum ist Versagung der Welt". In seinem Flugblatt "Öjeblikket" ("Der Augenblick", Kopenh. 1855), der letzten seiner Schriften, stieg die Bitterkeit, mit der er den Kampf gegen jenes offizielle Christentum führte, aufs höchste. Alle Werke Kierkegaards zeichnen sich aus durch die feinste und geistvollste Dialektik, verbunden mit leidenschaftlicher Begeisterung für Aufrechterhaltung des Christentums als "Evangelium des Leidens". Seine Sprache ist edel, voll dichterischen Schwunges und von hinreißender Beredsamkeit, wenn auch nicht immer leicht verständlich. Auf seine Zeitgenossen und den Entwickelungsgang der dänisch-norwegischen Litteratur waren seine Schriften von mächtigem Einfluß, und in manchem Gemüt haben sie den Sinn für echte Religiosität geweckt. Eine Anzahl von Kierkegaards Schriften übersetzte Bärthold. Vgl. G. Brandes, Sören K. Ein litterarisches Charakterbild (Leipz. 1879), und folgende Schriften von Bärthold: "Noten zu S. Kierkegaards Lebensgeschichte" (Halle 1875), "Lessing und die objektive Wahrheit aus S. Kierkegaards Schriften zusammengestellt" (das. 1877), "Die Bedeutung der ästhetischen Schriften S. Kierkegaards" (das. 1879) und "S. Kierkegaards Persönlichkeit in ihrer Verwirklichung der Ideale" (Gütersl. 1886).

Kies, im allgemeinen s. v. w. Grand, kleinkörnige Flußgeschiebe, denen größere, vorzüglich aus Quarzbrocken oder Trümmern quarziger Gesteine bestehende, beigemengt sind; es ist hauptsächlich Seestrandkies und Lagerkies zu unterscheiden, letzterer ältere Strandbildungen repräsentierend. Die Fluß- und Bachkiese sind zumeist Lagerkiese, welche durch das Gerinne des Wassers bloßgelegt sind. In der Mineralogie heißen Kiese metallglänzende, härtere, spröde, meist gelbe, aber auch weiße und rötliche Schwefel-, Arsen- und Antimonmetalle von metallischem Habitus, wie Schwefelkies, Markasit, Arsenikkies, Haarkies (Millerit), Kobaltkies, Kupferkies, Magnetkies, Zinnkies, Fahlerz etc. Petrefakten, deren Versteinerungsmittel ein solches Schwefelmetall, namentlich Schwefelkies, ist, heißen verkiest.

Kiesabbrände, die beim Rösten des Schwefelkieses in der Schwefelsäurefabrikation bleibenden Rückstände, bestehen im wesentlichen aus Eisenoxyd, enthalten aber in der Regel 4-5, bisweilen über 10 Proz. Schwefel, dazu oft Kupfer, Silber, Blei, Zink, Mangan, Thonerde etc. Man benutzt sie teils zur Darstellung von Englischrot, häufiger und in größerer Menge zum Aufschütten von Wegen, auch zum Reinigen von Leuchtgas, zur Desinfektion von Abtrittsgruben, bei der Darstellung von Eisenvitriol zum Neutralisieren der Schwefelsäure, welche bei der Verwitterung der schwefelkieshaltigen, bituminösen Schiefer entsteht. Nach vollständigerer Entschwefelung werden die Abbrände auf Eisen verhüttet, und aus den kupfer-, silber- und zinkhaltigen Kiesen gewinnt man die genannten Metalle.

Kiesbrenner (Kiesofen, Kiln), der zum Rösten des Schwefelkieses in den Schwefelsäurefabriken benutzte Ofen.

Kiesel, Bergkristallbrocken, die durch Rollung in Flüssen abgerundet worden sind, wie Donau- und Rheinkiesel, wozu auch die sogen. böhmischen, Bristoler, Buxtoner, Marmaroscher, Stolberger, ungarischen und Wasserdiamanten gehören; dann jedes Geschiebe von Quarz oder einem quarzartigen Mineral.

Kiesel (Silicium, Silicon) Si, chemisch einfacher Körper, findet sich nicht im freien Zustand in der Natur, sondern nur mit Sauerstoff verbunden