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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Klosters - Klotz.

halb Wien, und an der Franz-Josephsbahn gelegen, besteht aus der obern und untern Stadt, die durch den Kirlinger Bach getrennt sind, hat (1880) 7365 Einw., welche hauptsächlich Weinbau, außerdem Gewerbe (Farben- und Firnisfabrikation, Bierbrauerei) treiben, ein Bezirksgericht, ein berühmtes Augustinerchorherrenstift, ein Mechitaristenkollegium, eine alte Spitalkirche, eine Wein- und Obstbauschule mit chemisch-physiologischer Versuchsstation, eine Landesirrenanstalt, ein Waisenhaus der Stadt Wien, ein Krankenhaus, eine große Kaserne des Pionierregiments nebst Militärschiffbauhof. Das genannte Chorherrenstift, palastähnlich auf einem gegen den Strom vorspringenden Hügel stehend, wurde 1106 von Leopold III., dem Heiligen, gegründet und ist das älteste und reichste Österreichs; es besitzt einen großen Teil der nächsten Umgebungen Wiens. Besonders sehenswert ist die romanische Kirche aus dem 12. Jahrh. (die Türme sind aus dem 17. Jahrh.) mit frühgotischem Kreuzgang, ferner mit dem Grabmal des Stifters, zu welchem die Wiener am 15. November wallfahrten, und dem sogen. Altar von Verdun, einem meisterhaften Altarvorsatz vom Jahr 1181, bestehend aus 81 vergoldeten Erztafeln. Das Stift besitzt ferner eine Schatz- und Reliquienkammer, welche unter anderm den österreichischen Erzherzogshut aufbewahrt, eine Bibliothek von 30,000 Bänden und gegen 3000 Manuskripten und Inkunabeln, eine Gemäldegalerie, ein Münz- und Naturalienkabinett, eine theologische Hauslehranstalt und bedeutende Keller, in denen über 28,000 hl der vorzüglichsten Weine lagern (darunter ein Faß von 560 hl Inhalt, auf welchem am Leopoldsfest das sogen. Faßrutschen stattfindet). Zu den Zeiten der Römer stand in der Gegend von K. das Kastell Citum, von dem jedoch jede Spur verschwunden ist. Die Stadt selbst wurde von Karl d. Gr. gegründet.

Klosters, Alpengemeinde im schweizer. Kanton Graubünden, Bezirk Oberlanquart, mit (1880) 1499 Einw., im hintern Teil des Prätigau (1209 m ü. M.) gelegen, Luftkurort, auf der weiter nach Davos führenden Poststraße von der Eisenbahnstation Lanquart (Linie Rorschach-Chur) zu erreichen; im Hintergrund des Thals die firnbelastete und vergletscherte Silvrettagruppe. In der Gemeinde das Bad Serneus (s. d.). K., eine vielbesuchte Touristenstation, hat seinen Namen von einem Prämonstratenserkloster, das 1526 eingegangen ist.

Klosterschulen (Scholae monasticae, claustrales), Unterrichtsanstalten in Klöstern, in welchen Mönche und Nonnen den Unterricht erteilten, hatten bei ihrer Entstehung im 5. Jahrh. zunächst nur die Bildung von Klostergeistlichen zum Zweck, wurden aber später erweitert. Sie lehrten die sieben freien Künste oder das Trivium (Grammatik, Rhetorik und Dialektik) und das Quadrivium (Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie). Die Begründung der K. im Abendland ist auf Benedikt von Nursia, den Ordensstifter und Gründer von Monte Cassino (529), und seinen jüngern Zeitgenossen Cassiodorus zurückzuführen. Wesentlichen Aufschwung nahmen sie innerhalb des fränkischen Reichs unter Karl d. Gr. namentlich durch Benedikt von Aniane. Seit dieser Zeit teilte man sie in exteriores, die sich auch solchen öffneten, welche Laien bleiben wollten, namentlich Junkern, und interiores, für künftige Mönche. Sie waren in Deutschland neben den ganz ähnlich eingerichteten Dom- oder Kathedralschulen der Bischofstädte lange die einzigen gelehrten Bildungsanstalten. Berühmte K. blühten zu Fulda, Korvei, Hirsau, Reichenau, Hersfeld und St. Gallen. In einigen Ländern, die sich der Reformation anschlossen, wurden die Einkünfte mehrerer Klöster und Domstifter zur Stiftung von Gelehrtenschulen verwendet, welche noch jetzt die Namen K., Domschulen, Fürstenschulen (s. d.) führen. In der katholischen Kirche haben die Jesuitenkollegien die alten Lehranstalten der Benediktiner sowie die neuern der Barnabiten und Piaristen bedeutend in den Hintergrund gedrängt. In den letzten Jahrhunderten haben mehrere katholische Nonnenorden zahlreiche Erziehungsanstalten für die Töchter gebildeter Stände gegründet. Dieselben werden in katholischen Ländern besonders von den höhern Gesellschaftskreisen benutzt und üben einen wesentlichen Einfluß auf die Gesinnung derselben gegen die Kirche. S. Knabenseminare.

Klostervogt, in verschiedenen Provinzen Deutschlands, namentlich der sächsischen Oberlausitz, ein ritterschaftliches Amt, bekleidet von einem in der Provinz Grund angesessenen, der die weltlichen Interessen des betreffenden Klosters zu wahren und dasselbe auf den Provinziallandtagen zu vertreten hat.

Klosterwald (Wald), Flecken im preuß. Regierungsbezirk und Oberamt Sigmaringen, hat eine kath. Pfarrkirche, ein Amtsgericht und (1885)404 meist kath. Einwohner.

Klosterwenzel, s. Grasmücke.

Klosterwesen, s. Kloster.

Kloster-Zeven, s. Zeven.

Klöstitz, deutsche Ansiedelung in der russ. Provinz Bessarabien, mit Kirche und 2163 evang. Einwohnern, ist Sitz des Vorstandes von 6 Kolonien mit zusammen 10,242 Seelen.

Klotho, eine der Parzen oder Mören (s. d.).

Klotz, 1) Christian Adolf, Gelehrter, geb. 13. Nov. 1738 zu Bischofswerda in der Lausitz, gebildet zu Meißen und Görlitz, studierte seit 1758 in Leipzig und Jena, habilitierte sich 1761 in Jena, wurde 1762 außerordentlicher und 1763 ordentlicher Professor der Philosophie in Göttingen, 1765 Professor der Beredsamkeit in Halle, erhielt vom König den Titel eines Geheimrats und starb dort 31. Dez. 1771. In seinen lateinischen Gedichten (gesammelt als "Opuscula poetica", Altenb. 1766), seinen Ausgaben des Tyrtäos (Brem. 1764; 2. Ausg., Altenb. 1767) und von Vidas "De arte poetica" (das. 1766) sowie in zahlreichen Abhandlungen, von denen die lateinisch geschriebenen, größtenteils in den "Opuscula philologica et oratoria" (Halle 1772) gesammelt, noch heute wegen ihrer Latinität geschätzt sind, erweist er sich als fähigen Philologen. Durch die frühzeitig dafür gefundene Anerkennung zu maßloser Eitelkeit und Überhebung verleitet, geriet er jedoch, besonders nachdem er zur "Allgemeinen deutschen Bibliothek", an der er länger mitgearbeitet hatte, mit den "Acta literaria" (Altenb. 1764-73, 7 Bde.) in gehässige Opposition getreten war, in Streitigkeiten, denen er sich nicht gewachsen zeigte. Sein gefährlichster Gegner ward Lessing in den "Briefen antiquarischen Inhalts". Vergebens versuchte er in der "Neuen Hallischen gelehrten Zeitung" (Halle 1767-71), der "Deutschen Bibliothek der schönen Wissenschaften" (das. 1767), der "Bibliothek der elenden Skribenten" (Frankf. 1768-71), den "Skurrilischen Briefen" (Halle 1769) u. a. die gegen ihn geführten Schläge zurückzugeben. Als Lehrer wirkte er höchst anregend. Vgl. Hausen, Leben und Charakter Herrn K.' (Halle 1772).

2) Reinhold, Philolog, geb. 13. März 1807 zu Stolberg im Erzgebirge, studierte seit 1826 in Leipzig, habilitierte sich 1831 daselbst für klassische Philo-^[folgende Seite]