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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kodöl - Kögel.

tars, Fideikommissars) enthält. In dieser Bedeutung ist der Ausdruck noch jetzt gebräuchlich. Die Kodizillarklausel (clausula codicillaris) ist die ausdrückliche Erklärung des Testators, daß, falls sein Testament als solches rechtlich nicht gelten könne, dasselbe als K. aufrecht erhalten werden solle. Das Testament gilt dann, wenn wenigstens die zum K. nötigen Förmlichkeiten beobachtet sind, als K., und alle Verfügungen bleiben, bis auf die Ernennung des Erben, gültig; an des letztern Stelle tritt der Intestaterbe.

Kodöl, s. v. w. rektifiziertes Harzöl (s. d.).

Kodros, letzter König von Athen, Sohn des Neliden Melanthos. Nach der sagenhaften Überlieferung erklärte bei einem Einfall der Dorier (1068 v. Chr.) das Orakel, die Athener würden nur dann siegen, wenn ihr König von den Feinden getötet werde. K. begab sich als Bauer verkleidet ins feindliche Lager, fing dort Streit an und ward erschlagen, worauf die Dorier, nachdem sie von dem Orakelspruch Kunde erhalten, wirklich abzogen. Unter dem Vorwand, es sei niemand würdig, K. als König zu folgen, benutzten die Eupatriden den Thronstreit seiner Söhne zur Aufhebung des Königtums. Von K.' Söhnen ward Medon erster lebenslänglicher Archon, Neleus und Androklos führten Kolonien nach Kleinasien.

Kodschabalkan (Chodschabalkan), s. Balkan.

Kodyma, 160 km langer Grenzfluß zwischen den russ. Gouvernements Cherson und Podolien, ergießt sich bei Konezpol in den südlichen Bug. An seinem Ufer besiegte Münnich 1739 das türkische Heer.

Koeffizient (lat.), in der Mathematik eine Zahl, die mit der Hauptgröße eines Gliedes in einer Formel multipliziert ist; ist kein K. angegeben, so ist die Einheit als solcher anzusehen. Da man in einer Gleichung die Potenzen der Unbekannten als Hauptgrößen betrachtet, so sind in x^{3}+6x^{2}-5x+7=0 die bekannten Zahlen 1, 6, -5, 7 die Koeffizienten von x^{3}, x^{2}, x, x^{0}. In Formeln mit veränderlichen Größen betrachtet man diese als Hauptgrößen, und es sind daher in der Formel

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die unveränderlichen Zahlen 1, 1/2, -1/8, 1/16, -5/128... die Koeffizienten.

Koekkoek (spr. kukkuk), Barend Cornelis, holländ. Maler, geb. 11. Okt. 1803 zu Middelburg in Holland, Sohn des Marinemalers Johann Hermann K. (geb. 1778 zu Bern, gest. 12. Jan. 1851 in Amsterdam), bildete sich in Amsterdam besonders unter Schelfhout und van Oos. Seine Landschaften zeichnen sich durch sorgfältiges Naturstudium, schlichte, aber gediegene Ausführung und poetische Auffassung aus. Seit 1841 lebte K. in Kleve, wo er eine Zeichenakademie gründete und 5. April 1862 starb.

Koëmtion (lat.), im alten Rom eine Form der Eingehung der Ehe, wobei die Frau infolge eines Scheinkaufs in die Gewalt des Mannes kam.

Koërzibel (lat., "bezwingbar"), zur Flüssigkeit zusammendrückbar, von Gasen; vgl. Inkoerzibel.

Koërzitivkraft, s. Magnetismus.

Koesfeld (Coesfeld, spr. kos-), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Münster, an der Berkel, Knotenpunkt der Linie Duisburg-Quakenbrück der Preußischen Staatsbahn und der Eisenbahn Dortmund-Enschede, hat 3 kath. Kirchen, wovon eine, die Gymnasialkirche, von der evangelischen Gemeinde mitbenutzt wird, eine Synagoge, 2 Schlösser (von denen das alte Ludgerischloß, jetzt Ruine, ehemals Residenz der Bischöfe von Münster war), ein Gymnasium, ein Amtsgericht, mechanische Halbleinen- und Buntwebereien, Druckereien und Färbereien, Saffian- und Lederfabrikation, ein Kupferhammer- und Walzwerk, eine Dampfmühle, 2 Dampfsägewerke und (1885) 4839 meist kath. Einwohner. Dabei die Landgemeinde K. mit 2679 Einw. und das Schloß Varlar, Residenz des Fürsten von Salm-Horstmar.

Koevorden (Coevorden, Koeverden, spr. ku-). Stadt in der niederländ. Provinz Drenthe, an der Kleinen Vechte, nahe der hannöverschen Grenze, mit (1883) 3012 Einw., welche Ackerbau, Viehzucht und Torfgräberei treiben. - 1579 ward die Stadt von den Generalstaaten erobert und als der Schlüssel zu Groningen und Friesland befestigt. 1672 wurde sie vom Bischof Bernhard von Münster erobert, doch bald von den Holländern durch List wiedergewonnen.

Koëxistieren (lat.), nebeneinander, zugleich existieren; Koexistenz, das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Dinge, das "Mitdasein".

Kofel, 1) s. v. w. Kogel (s. d.). - 2) Befestigter Paß an der italienisch-tiroler Grenze, s. Covolo.

Kofent, s. Kovent.

Koffeaceen, s. Rubiaceen.

Koffeïn, s. v. w. Kaffeïn.

Koffer (franz. coffre), kastenartiges Behältnis aus Holz oder Leder (Reisekoffer). Im Festungsbau ist K. ein durch eine Erdbrustwehr nach einer oder beiden (doppelter K.) Seiten gegen Einsehen und Feuer gedeckter Verbindungsweg quer über einen trocknen Graben vom Hauptwall nach einem Außenwerk. Der K. ist heute wenig mehr im Gebrauch. In Österreich werden auch die Kaponnieren K. genannt.

Kofferkessel, s. Dampfkessel, S. 449.

Köflach, Marktflecken in der steir. Bezirkshauptmannschaft Graz, an der Graz-Köflacher Bahn, mit (1880) 2397 Einw., bedeutendem Braunkohlenbergbau und Glasfabrik.

Kogel (Kofel), Berg, Bezeichnung für Bergspitze in den Alpen.

Kögel, Rudolf, Theolog und Kanzelredner, geb. 18. Febr. 1829 zu Birnbaum in der Provinz Posen, studierte 1847-52 zu Halle und Berlin Theologie und Philologie und begleitete während seiner Studienzeit seinen Lehrer Tholuck auf einer Reise nach Frankreich und Spanien und v. Kleist-Retzow nach Österreich, der Schweiz und Italien, war 1852-54 als Religionslehrer am Vitzthumschen Gymnasium in Dresden, dann als Lehrer am Seminar für Stadtschulen in Berlin thätig, war 1854-57 Pfarrer in Rakel bei Bromberg und 1857-63 Prediger der deutsch-evangelischen Gemeinde im Haag. Von hier ward er als Hof- und Domprediger nach Berlin berufen und zugleich zum Mitglied des Konsistoriums der Mark Brandenburg und zum vortragenden Rat im Kultusministerium ernannt. 1873 erhielt er außerdem das Amt des Ephorus des Domkandidatenstifts. Die kirchliche Politik Falks und Herrmanns bekämpfte K. durch seinen Einfluß beim Kaiser mit wachsendem Erfolg. Falk bewirkte Kögels Austritt aus dem Unterrichtsministerium; dafür erreichte K. 1878 seine Ernennung zum Mitglied des Oberkirchenrats und wurde 1880 zum Generalsuperintendenten der Kurmark ernannt. Er ist ein ausgezeichneter Kanzelredner. Von seinen Predigten sind mehrere Sammlungen erschienen: "Der erste Brief Petri" (2. Aufl., Berl. 1872); "Aus dem Vorhof ins Heiligtum" (2. Aufl., Brem. 1878-80, 2 Bde.); "Das Vaterunser" (2. Aufl., das. 1881); "Der Brief Pauli an die Römer" (2. Aufl., das. 1883); "Wach auf, du Stadt Jerusalem" (das. 1882); "Die Seligpreisungen