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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kohlenblende - Kohlenoxyd.

bilden. Man könnte diese Körper also betrachten als Verbindungen von Kohlenstoff mit verschiedenen Mengen Wasser, als Hydrate des Kohlenstoffs, und dieser Anschauung verdanken sie ihren Namen. Die K. gehören zu den wichtigsten Bestandteilen des Pflanzenkörpers; Cellulose bildet z. B. die Wandungen der vegetabilischen Zellen, während Stärkemehl, Inulin, Zucker oft in großer Menge in verschiedenen Teilen der Pflanzen (Stämme, Knollen, Wurzeln, Samen) als Reservestoffe aufgespeichert sind. Im Tierreich findet man K. besonders in der Milch und im Blut. Sie entstehen ganz allgemein in den Pflanzen, im tierischen Körper aber wohl nur als Zersetzungsprodukte komplizierterer Substanzen, dagegen werden in den Pflanzen wie in den Tieren häufig verschiedene K. ineinander übergeführt. Man hat mehrere K. auch künstlich dargestellt, aber gerade von den in der Natur verbreitetsten ist die Synthese bisher noch nicht gelungen. Alle K. sind starre Körper, teils kristallisiert, teils amorph oder organisiert, nicht flüchtig, meist in Wasser löslich und stets von neutraler Reaktion. Die chemischen Beziehungen der K. sind noch nicht erforscht; jedenfalls sind sie nicht als einfache Hydrate des Kohlenstoffs zu betrachten, ebensowenig wie Essig- und Milchsäure, welche gleichfalls Sauerstoff und Wasserstoff in dem Verhältnis enthalten, in welchem die Elemente Wasser bilden. Manche Reaktionen stellen die K. den Alkoholen sehr nahe; namentlich geben sie mit Säuren Verbindungen, welche den zusammengesetzten Äthern vergleichbar sind. Bei der trocknen Destillation geben die K. brennbare und nicht brennbare Gase, Teer, saure Produkte und Kohle, bei der Oxydation Oxalsäure, oft erst nach vorhergehender Bildung von Zucker- und Schleimsäure; mit konzentrierter Salpetersäure bilden sie zum Teil explosive Nitroprodukte. Unter sich stehen die K. jedenfalls in innigem Zusammenhang, und beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure verwandeln sich die meisten in gärungsfähigen Zucker. Alle K. unterliegen dem Einfluß von Fermenten. Die meisten zeigen charakteristisches Verhalten gegen polarisiertes Licht. Nach ihrer Zusammensetzung kann man drei Gruppen unterscheiden, die wahren Zuckerarten C12H22O11 ^[C_{12}H_{22}O_{11}]: Rohrzucker, Milchzucker, Melitose, Melizitose, Mykose; die Glykosen C6H12O6 ^[C_{6}H_{12}O_{6}]: Traubenzucker, Fruchtzucker, Galaktose, Sorbin, Eukalin, Inosit, und eine dritte Gruppe, entsprechend der allgemeinen Formel C6H10O5 ^[C_{6}H_{10}O_{5}]: Stärkemehl, Glykogen, Dextrin, Inulin, Gummi, Cellulose, Tunicin. Die K. zeigen wichtige Beziehungen zu mehreren andern Gruppen, so zu den Säuren, von denen viele aus Kohlehydraten entstehen, zu den Humuskörpern, welche sich ganz allgemein aus Kohlehydraten bilden, zu den Pektinkörpern, Fetten, Alkoholen, zu den sogen. Pseudozuckern und zu sehr vielen komplizierten Stoffen, in welchen sich ein Kohlehydrat, namentlich oft Zucker, als Paarling findet (vgl. Glykoside). Die K. spielen im Pflanzen- und Tierleben die wichtigste Rolle. Sie sind in der Pflanze neben Proteinkörpern das hauptsächlichste organisationsfähige Material und werden in der Zeit der höchsten Assimilationsthätigkeit weit über den augenblicklichen Bedarf hinaus gebildet und als Reservestoffe abgelagert. Beim neuen Erwachen der Vegetation und noch vor Ausbildung der assimilierenden Blätter werden diese Reservestoffe zur Bildung neuer Organe verwendet. Im tierischen Körper werden die K., welche zu den wichtigsten Nahrungsmitteln gehören, wohl größtenteils in Fett verwandelt (daher auch Fettbildner) und im Blut verbrannt. In der Technik finden viele K. ausgedehnte Verwendung, besonders die Cellulose, Zucker, Stärkemehl; sämtlicher Alkohol wird aus Kohlehydraten dargestellt. Vgl. Sachsse, Die Chemie und Physiologie der Farbstoffe, K. und Proteinsubstanzen (Leipz. 1876).

Kohlenblende, s. v. w. Anthracit.

Kohlenbrennerei, s. Kohle.

Kohlenbunker, auf Dampfschiffen die der maschinellen Abteilung in der Regel nahe gelegenen Kohlenräume für den zum Maschinenbetrieb notwendigen Brennstoff, welche besonders auf ozeanischen Dampfern sehr beträchtlichen Raum (bis 1200 Ton.) beanspruchen und in Kriegsschiffen, wenn irgend thunlich, so angeordnet werden, daß sie Maschinen und Kessel gegen feindliche Geschosse decken.

Kohlendioxyd, s. v. w. Kohlensäureanhydrid, gewöhnlich Kohlensäure genannt.

Kohlendisulfid, s. v. w. Schwefelkohlenstoff.

Kohlendunst, s. Kohlenoxyd.

Kohleneisen (Kohlenstoffeisen), durch wiederholtes Schmelzen von Eisen mit Kohle erhaltenes kohlenstoffreiches Eisen.

Kohleneisenstein (Blackband), Gestein, Gemenge von Eisenstein mit Thon und 12-40 Proz. Kohle; wichtiges Eisenerz, das in Flözen, welche der Steinkohlenformation eingelagert sind, besonders in Schottland und Westfalen, vorkommt.

Kohlenfeld, s. Steinkohle.

Kohlenflöz, s. Steinkohle.

Kohlenformation, s. Steinkohlenformation.

Kohlengas, aus Steinkohle bereitetes Leuchtgas.

Kohlengebirge, im allgemeinen alle Ablagerungen, welche Flöze von Anthracit, Stein- oder Braunkohle führen. Im engern Sinn rechnet man aber hauptsächlich die zu der Steinkohlenformation (s. d.) gehörenden, Kohlenflöze einschließenden Schichten hierzu und im engsten Sinne nur den obern Teil derselben, das sogen. produktive K. (engl. Coalmeasures). Minder verbreitet sind die K. andrer Formationen, am wichtigsten noch diejenigen der Tertiärformation (s. d.), ferner sind hervorzuheben die der Wealdenformation (s. d.) in Norddeutschland, die des Sandsteins an der obern Grenze der Trias in Schonen u. a. O., die der Lettenkohle oder des Unterkeupers, die der Dyas, d. h. ihres untern, dem produktiven K. direkt auflagernden Teils (des Rotliegenden), welcher sozusagen eine kontinuierliche Fortsetzung von jenem bildet, und endlich die anthracitführenden, devonischen Schichten (besonders in Nordamerika).

Kohlenkalk, s. Steinkohlenformation.

Kohlenkalkspat, s. Anthrakonit.

Kohlenkeuper, s. Triasformation.

Kohlenklein, die kleinen bei der Steinkohlengewinnung fallenden Stückchen; auch der beim Transport oder beim Ausstürzen der Kohlenwagen und längern Liegen entstehende Abfall von kleinen Stückchen oder Staub (Lösche, Krümpfe, Stübbe). Holzkohlenklein oder Koksklein im Gemenge mit Thon dient unter dem Namen Gestübbe zum Auskleiden des Herdraums von Schmelzöfen.

Kohlenlager, s. v. w. Kohlenflöz, s. Steinkohle.

Kohlenlicht, s. v. w. elektrisches Licht.

Kohlenmonoxyd, s. v. w. Kohlenoxyd.

Kohlenoxyd (Kohlenmonoxyd) CO entsteht, wenn man Kohlensäure (CO2 ^[CO_{2}]) über glühende Kohlen leitet, indem alsdann die Kohlensäure die Hälfte ihres Sauerstoffs an die Kohle abgibt. Auch wenn man kohlensauren Kalk mit Kohle, Eisen, Zink, oder