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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolea; Koleda; Kolemine; Koleochäteen; Koleochym; Koleopteren; Kölesyrien; Kolettis; Kolguew; Kolibak; Kolibris

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Kolea - Kolibris.

kranke), ein altertümliches Rathaus, ein Amtsgericht, Steingut-, Schamottewaren-, Strickgarn- und Nähfaden-, Strumpfwaren- und Zigarrenfabrikation, Thon- und Braunkohlengruben in der Nähe und (1885) 4302 evang. Einw. - K. gehörte zu Anfang des 12. Jahrh. zur Herrschaft Groitzsch, wurde von Friedrich Barbarossa erworben, der damit ein edles Geschlecht, die Herren von K., belehnte. Diese, die erst 1488 ausstarben, verkauften 1404 Stadt und Burg K. an die Markgrafen von Meißen. Durch die Hussiten 1430 verwüstet, wurde K. 1464 vom Kurfürsten Ernst wieder erbaut und diente lange Zeit als Witwensitz der Kurfürstinnen. Vgl. Bellger, Historische Beschreibung der Stadt K. (Leipz. 1832).

Kolea, Stadt in Algerien, Provinz Algier, auf einem Plateau, welches das Thal des Mazafran beherrscht, mit (1884) 4992 Einw. (davon 2228 Eingeborne), hat eine Garnison, ein Militärhospital (in der frühern berühmten Moschee des Sidi Embarek), schöne Gärten und Weinberge. - K. wurde 1550 von vertriebenen spanischen Mauren gegründet, stand lange im Ruf einer heiligen Stadt und wurde 1825 durch ein Erdbeben zerstört.

Koleda, die alte slaw. Benennung des Wintersonnenwendefestes, welche sich in Weiß- und Kleinrußland bis auf den heutigen Tag für Weihnachten erhalten hat. Bei den Südslawen heißt so das Neujahrsgeschenk und bei den Tschechen sowohl dieses als auch der Umzug der Kinder am Stephanstag (26. Dez.).

Kolemine, Alexandrine von, geb. 18. Nov. 1853 als eine Gräfin Hutten-Czapska, heiratete 1873 einen russischen Diplomaten K. und, nachdem die Ehe mit demselben gelöst worden war, im April 1884 den Großherzog Ludwig IV. von Hessen, der sie zur Gräfin Romrod ernannte; doch wurde diese Ehe sofort gerichtlich wieder gelöst.

Koleochäteen, Ordnung der Algen (s. d.).

Koleochym (griech.), Scheidengewebe, in der Pflanzenanatomie ein Gewebe, das die Gefäßbündel umgibt und vor Druck von außen schützt.

Koleopteren (griech.), Insektenordnung, s. Käfer.

Kölesyrien (Coelesyria, "hohles Syrien"), seit der makedonischen Zeit Name für das Tiefland (520 m ü. M.) zwischen dem Libanon und Antilibanon (jetzt El Bekaa). Es ward durchströmt vom Orontes (jetzt El Asi). In römischer Zeit wurde der Name über den Antilibanon östlich hinaus bis an den Euphrat ausgedehnt. Vgl. Syrien.

Kolettis, Joannis, hervorragender Held im griech. Befreiungskampf, geb. 1788 zu Syrakos bei Janina, von walachischer Abkunft, trat, 17 Jahre alt, in die 1797 vom Dichter Rhigas gegründete poetische Hetärie ein und studierte zu Pisa, Mailand, Pavia und Bologna Medizin. 1810 als Leibarzt des Sohns Ali Paschas von Janina angestellt, trat er mit den bedeutendsten Männern Albaniens in Verbindung und erhob 1821 in seiner Vaterstadt zuerst die Fahne des Aufstandes gegen die türkische Herrschaft. Als dieser unterdrückt war, begab sich K. in den Peloponnes, war 1821-22 Abgeordneter beim Kongreß von Epidauros und wurde sodann Minister des Innern, aber von dem ihm als Anhänger der französischen Partei feindlich gesinnten Maurokordatos 1827 nach Attika und Euböa gesandt, um dort den Einfall der Türken zu verhindern. K. entledigte sich seiner Sendung mit Glück und trug bei Karystos über die Türken einen der glänzendsten Siege davon. In demselben Jahr wirkte er zur Wahl Kapo d'Istrias' (s. d.) zum Präsidenten Griechenlands mit und ward hierauf von diesem zum Mitglied des Panhellenions ernannt. Während der letzten Zeit der Kapo d'Istriasschen Verwaltung gehörte er als Senator zur Opposition. Nach dem Tode des Präsidenten (9. Okt. 1831) ward er Mitglied der provisorischen Regierung, trat aber zur Partei der Syntagmatiker über und stürzte Augustin Kapo d'Istrias 1832, worauf er Mitglied der Siebenerkommission wurde, die bis zur Ankunft Ottos die Regierung führte. Klug und gewandt, wußte er sich auch unter der Regentschaft zu behaupten, ward 1833 Marineminister, 1834 Minister des Innern und Präsident des Ministerrats und 1835 Gesandter in Paris, von wo ihn erst die Septemberrevolution 1843 abrief, um ihn an die Spitze des 18. Aug. 1844 ernannten Ministeriums zu stellen. Er starb 12. Sept. 1847 in Athen.

Kolguew, Insel, s. Kalgujew.

Kolibak (russ.), Art geweihtes Gebäck; bei den heutigen Griechen das geweihte Totenmahl, aus gesottenem Korn, Honigbrot und Früchten bestehend.

Kolibris (Honigvögel, Blumennymphen, Blumensauger, Trochilidae Less., hierzu Tafel "Kolibris"), Familie aus der Ordnung der Segler (auch wohl als eigne Ordnung: Schwirrvögel, Stridores, aufgefaßt), die kleinsten aller Vögel, mit oft sehr langem, dünnem, geradem oder sanft gebogenem, zugespitztem Schnabel, welcher durch die überragenden Ränder des Oberschnabels ein Rohr bildet, aus dem die bis zur Wurzel gespaltene, lange Zunge, wie bei den Spechten, vorgeschnellt werden kann. Die Flügel sind lang, schmal und spitz; der Schwanz ist sehr verschieden gestaltet, oft gegabelt, bisweilen mit sehr stark verlängerten Außenfedern, deren Fahnen dann verkümmert zu sein pflegen, an der Spitze aber eine rundliche Scheibe bilden; die Füße sind auffallend klein, dünn und schwach, die Krallen ungemein spitzig, bisweilen länger als die Zehen. Die Größe dieser Vögel übertrifft bisweilen nur wenig die der Hummeln, doch wird z. B. der Riesenkolibri (Patagona gigas Gray) 20 cm lang. Die Geschlechtsunterschiede sind so erheblich, daß Männchen und Weibchen derselben Art bisweilen verschiedenen Unterfamilien zugewiesen worden sind. Das bunte, metallglänzende, oft prachtvoll schillernde, an sehr verschiedenen Stellen verlängerte Gefieder, die Zierlichkeit des Körperbaues und der eigentümliche schnelle und schwirrende Flug hat diesen Vögeln die Bewunderung aller Reisenden gewonnen. Sie finden sich in Amerika von Patagonien bis Labrador, hauptsächlich in den Tropen; die in den gemäßigten Regionen vorkommenden wandern oder streichen weit umher; einige brüten noch in Höhen bis zu 5000 m. Dabei sind die einzelnen Arten oft an einzelne Berge und Thäler, ja noch viel beschränktere Örtlichkeiten gebunden. Die größte Artenzahl findet sich in den Gebirgen Süd- und Mittelamerikas, wo gleichzeitig die Blütenpflanzen ihre höchste Mannigfaltigkeit erreichen. Die K. leben vom Blütenhonig und von Insekten, welche sie zum Teil fliegend fangen, auf Blättern und in Spinngeweben suchen, hauptsächlich aber aus den Blüten herauslesen, indem sie vor denselben schwirrend schweben und die lange Zunge hineinsenken. Dabei sind die einzelnen Arten oft an bestimmte Pflanzen gebunden, wenn auch einige minder wählerisch erscheinen. Die Entwickelung der Blüten nötigt sie zum Herumstreifen, und so zeigen sich manche Arten an einem und demselben Ort nur zu gewissen Jahreszeiten. Ihr Kommen und Gehen ist überraschend, denn das schärfste Auge verliert den fliegenden Kolibri, der plötzlich vor einer Blüte erscheint, um blitzschnell wieder zu verschwinden. Im allge-^[folgende Seite]