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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolieren; Kolik

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Kolieren - Kolik.

meinen gleicht der Flug dem der Insekten, so daß sie mitunter leicht mit Schmetterlingen (Schwärmern) verwechselt werden. Nach längerm Flug ruhen sie auf dünnen Zweigen, auf welchen sie auch, bisweilen nach Art der Papageien mit dem Kopf nach unten, schlafen. Auf dem Boden sind sie unbehilflich. Ihre Sinne sind hoch entwickelt, im Verhältnis zu ihrer Größe sind sie äußerst heftig, kampflustig; sie stoßen wütend auf kleine Eulen und große Falken und wissen diesen, weil er ihnen bei ihrem schnellen Flug nicht mit den Augen zu folgen vermag, so sehr zu verwirren, daß er die Flucht ergreift. Sie sind ebenso neugierig wie dreist, untersuchen einen Blumenstrauß, den man in der Hand hält, dringen, durch Blumen angelockt, in Wohnzimmer ein und nisten sogar in solchen. Nur einige singen. Fast alle K. sind echte Tagvögel; sie fliegen naschend von einer Blüte zur andern, und an einem blütenreichen Baum sammelt sich bisweilen ein ganzer Schwarm. Besonders erregt sind sie in der Nistzeit. Ob die Paare das ganze Jahr hindurch zusammenhalten, ist noch unentschieden. Sie bauen aus baumwollähnlichem Stoff, gemischt mit Baumflechten etc., zierliche Nester auf Zweigen, zwischen Grashalmen etc. und legen stets zwei weiße, verhältnismäßig große Eier, welche das Weibchen in 16 Tagen ausbrütet. In der Gefangenschaft erscheinen sie ungemein zutraulich, und mit frischen Blumen und Zucker sind sie einige Zeit frei fliegend im Zimmer zu erhalten; sie sterben aber, sobald sie keine Insekten erhalten. Einige Male ist es gelungen, K. lebend nach Europa zu bringen, aber niemals, sie längere Zeit zu erhalten. Man kennt etwa 400 Arten, von denen unsre Tafel 11 Vertreter (Docimastes, Eutoxeres, Heliactinus, Heliothrix, Hypermetra, Lophornis, Mellisuga, Oreotrochilus, Sparganura, Steganurus, Topaza) zeigt. Vgl. Lesson, Histoire naturelle des oiseaux-mouches (Par. 1829-33); Gould, Monograph of the Trochilidae (Lond. 1849-1860, 5 Bde.; Supplemente 1880-87); Mulsant und Verreaux, Essai d'une classification méthodique des Trochilidés (Par. 1866); Dieselben, Histoire naturelle des oiseaux-mouches (das. 1875-1876, 2 Bde.); Cabanis u. Heine, Museum Heineanum, 3. Teil (Halberst. 1860).

Kolieren (lat.), eine Flüssigkeit durch ein leinenes oder wollenes Gewebe (Kolatorium) gießen, um die Flüssigkeit von ungelösten größern Beimengungen zu befreien. Man koliert besonders Abkochungen vegetabilischer Substanzen und Sirupe, welche wegen ihrer Dickflüssigkeit nicht filtriert werden können.

Kolik (Leibschmerz, Bauchgrimmen, Enteralgie, Colica), im weitern Sinn jeder heftigere Bauchschmerz, im engern Sinn aber nur derjenige Schmerz, wobei eigentliche anatomische Veränderungen, z. B. entzündliche u. dgl. der Darmwandungen, nicht vorhanden sind, wo vielmehr der Schmerz nur mehr ein Nervenschmerz, ein Krampf ist, der anfallsweise auftritt, und wobei die Gedärme hörbar und fühlbar sich heftig bewegen. Ursprünglich bezeichnete man mit K. nur Schmerzen, die im Dickdarm (colon) ihren Sitz haben. Die Ursachen der K. sind sehr mannigfaltig, und daher kommt es, daß man früher so vielerlei Koliken unterschied. Am häufigsten veranlaßt sie der Darminhalt, namentlich zu große Mengen oder ungeeignete Beschaffenheit der Speisen, saure, gärende, unreife Früchte, unverdauliche Substanzen (endemische K.), oder Gasansammlungen in den Gedärmen, oder Ansammlung von Kotmassen oder fremden Körpern in den Därmen, wie Fruchtkerne, Würmer, Kot oder Gifte und Medikamente, z. B. Bleivergiftung (C. saturnina) und Kupfervergiftung (C. cuprica). Eine besondere anfallsweise auftretende K. begleitet den Durchgang größerer Gallensteine (s. d.) durch den engen Gallengang in den Zwölffingerdarm. Andre Ursachen liegen in Störungen des Nervensystems, wie dies bei Hysterischen und bei Hypochondern nach Gemütsbewegungen häufig beobachtet wird, oder die K. entsteht durch Fortpflanzung eines Reizes auf die Därme, z. B. vom Uterus, von der Leber, den Nieren, Hoden etc. aus, oder aber nach Erkältungen der Füße etc. als rheumatische K. Das Hauptsymptom der K. ist der Schmerz, dessen Heftigkeit und Ausdehnung sehr verschieden sind. Als sein Hauptsitz wird gewöhnlich die Nabelgegend bezeichnet, er verbreitet sich aber auch oft um dieselbe herum und geht nach Mastdarm und Blase. Druck auf den Bauch lindert den eigentlichen Kolikschmerz in der Regel, und die Kranken pressen sich sogar selbst die Faust auf den zusammengekrümmten Leib im Gegensatz zu Leibschmerz aus andern Ursachen, z. B. Darmkatarrh, Bauchfellentzündung. Ein weiteres Symptom bilden die heftigen Zusammenziehungen der Gedärme, die man oft sehen oder wenigstens fühlen kann. Der Stuhl ist in der Regel angehalten, doch kommt auch Diarrhöe vor, und gleichzeitig ist dann auch nicht selten Erbrechen vorhanden. Mehr oder weniger gesellen sich andre Schmerzen, des Magens, des Rückens, der Arme und Beine etc., hinzu; Unruhe, Angst, kalte Schweiße, kalte Hände und Füße, unregelmäßiger Puls, Krämpfe, Ohnmachten begleiten die heftigern Anfälle meistenteils. Lassen die Anfälle nach, so bemerkt man heftiges Aufstoßen oder Abgang von Blähungen, die dann sehr erleichternd wirken, mitunter auch Stuhlentleerung. Die Erkennung der K. ist in den meisten Fällen nicht schwer, schwieriger schon ist die Entscheidung über die derselben zu Grunde liegende Ursache. Bei heftigen Koliken muß man immer auch Verdacht auf Vergiftung hegen. Ist die Ursache entfernt, so schwindet auch die K., und da man bei der einfachen Form derselben jene meist entfernen kann, so ist auch die Voraussage in der Regel günstig. Je nach der Ursache ist aber die Behandlung etwas verschieden. Nur wo man jene nicht herauszufinden im stande ist, reicht man schmerzstillende Mittel, besonders Morphium. Oft wirkt Asa foetida oder Bibergeil und Baldrian, verbunden mit warmen Umschlägen auf den Bauch und spirituösen Einreibungen, erleichternd. Sind Ansammlungen schädlicher Substanzen vorhanden, so reicht man ein Brechmittel, wenn Kamillenthee etc. nicht Linderung verschafft, gibt Klystiere, Kindern säuretilgende Mittel, Magnesia u. dgl. oder auch abführende Mittel bei Verdacht auf Kotanhäufung. Die durch Gasansammlungen veranlaßte K., welche eine der heftigsten ist, bedarf vorzugsweise der Klystiere, verbunden mit blähungtreibenden Mitteln, Kamillen-, Pfefferminzthee und leichten Abführmitteln (Rhabarber mit Magnesia), zwischendurch aber auch oft mit entsprechenden Gaben von Opium. Die K. von Erkältung behandelt man mit warmem Verhalten, warmem Thee, Erwärmen mit Tüchern und Bettflaschen, warmen Klystieren und Opium. Auch bei der Blei- und Kupferkolik sind Opiumpräparate, verbunden mit Castoreum, Baldrian u. dgl., von bester Wirkung, und selbst Chloroform kürzt die Anfälle sehr rasch ab. Auch die Einspritzungen von starken Morphiumlösungen unter die Haut haben sich sehr wirksam erwiesen, indem sie oft geradezu momentan die Anfälle abschnitten. Nieren- und Gallensteinkolik sind heftige Schmerzanfälle beim Durch-^[folgende Seite]