Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kometenformen; Kometenspiel

978

Kometenformen - Kometenspiel.

29. Dez. 1845 in Amerika und Mitte Januar 1846 in Europa bemerkt ward. Der neue kleinere Komet ging in nördlicher Richtung dem größern voran. Der Abstand zwischen beiden war bis März 40,000 Meilen. Die Lichtstärke wechselte, so daß der allmählich wachsende Nebenkomet einige Zeit den Hauptkometen an Helligkeit übertraf. Die die Kerne umgebende Nebelhülle war nicht bestimmt umgrenzt. Am 24. März war der kleinere Komet infolge abnehmender Lichtstärke kaum noch zu erkennen, und bis 20. April verschwand auch der größere. 1852 erschien der Bielasche Komet wieder und zwar, wie 1846, doppelt. Die Entfernung zwischen beiden K. war auf 350,000 Meilen gestiegen. 1859 konnte das Doppelgestirn wegen der Lage seiner Bahn nicht sichtbar werden, wohl aber beim Periheldurchgang 1866; alles Suchens ungeachtet wurde es aber nicht gefunden, und gegenwärtig gilt es als gewiß, daß der Bielasche Komet als Komet überhaupt nicht mehr sichtbar ist. Dagegen haben wir seine Überreste zweimal in Gestalt äußerst glänzender Sternschnuppenregen zu Gesicht bekommen, nämlich in den Nächten vom 27. zum 28. Nov. 1872 und 1885. Damals kam nämlich die Erde dem niedersteigenden Knoten der Kometenbahn sehr nahe, den der Komet im ersten Fall etwa 80 Tage vorher passiert hatte, im letztern 60 Tage nachher passierte. Wir sahen daher einmal den Vortrab, das andre Mal die Nachzügler des kosmischen Meteoritenschwarms, der von dem K. übriggeblieben ist. 1872 hatte man allerdings noch Hoffnung, den Bielaschen K. selbst zu sehen, und auf eine gleich nach dem Sternschnuppenfall von Klinkerfues in Göttingen an Pogson zu Madras gerichtete telegraphische Aufforderung zu Nachforschungen im Kentauren entdeckte Pogson auch wirklich dort einen kleinen K., der aber, wie jetzt feststeht, mit dem Bielaschen nichts zu thun hat. Übrigens hat man auch bei dem großen zweiten K. von 1882 eine Teilung des Kerns und Absonderung nebeliger Materie am Kopf beobachtet. 7) Fayes Komet, nur durch Fernrohre sichtbar, mit Kern und kleinem Schweif, ward 22. Nov. 1843 zuerst beobachtet. Sein mittlerer Abstand von der Sonne ist 3,8 Erdbahnhalbmesser, die Exzentrizität der Bahn beträgt 0,56, ihre Neigung 11° 23', die Umlaufszeit 7 Jahre 5½ Monate. Da er in seinem Aphel dem Jupiter sehr nahe kommen kann, was 1839 der Fall war, so übt dieser einen großen Einfluß auf seinen Umlauf aus. Dieser Komet ist in den Jahren 1851, 1858, 1865, 1873 und 1881 der Rechnung entsprechend zurückgekehrt. 8) Winneckes Komet (Fig. 9) ward von Winnecke 8. März 1858 entdeckt und ist identisch mit dem K. III von 1819. Seine Umlaufszeit beträgt 5,6 Jahre. Er wurde 1869 und 1875 wieder beobachtet. 9) Tuttles Komet, 4. Jan. 1858 entdeckt und von Bruhns als periodisch mit 13¾ Jahren Umlaufszeit erkannt, identisch mit dem K. II von 1790, ist 1871 und 1885 wieder beobachtet worden. 10) Tempels Komet, 1867 entdeckt, hat 5,7 Jahre Umlaufszeit und ward 1873 und 1879 wieder gesehen. Seine Bahn unterliegt beträchtlichen Störungen von seiten des Planeten Jupiter. 11) Der Tempel-Swiftsche Komet, 1869 von Tempel, bei seiner Wiederkehr 1880 von Swift entdeckt, hat 5,44 Jahre Umlaufszeit. 12) Der Pons-Brookssche Komet, 1812 von Pons entdeckt, von Encke 1816 als periodisch mit einer Umlaufszeit von etwa 71 Jahren erkannt, ward bei seiner Wiederkehr 1883 von Brooks wieder aufgefunden.

Unter den K. von mittlerer Umlaufsdauer, die aber bis jetzt nur einmal beobachtet worden sind, sind noch anzuführen: Der Olberssche Komet, von Olbers 6. März 1815 entdeckt und von ihm fast ein halbes Jahr lang beobachtet, dessen Umlaufszeit 72-76 Jahre beträgt. Ein ausgezeichneter Komet war der erste von 1811, der im März d. J. erschien und über ein halbes Jahr hindurch beobachtet ward. Am 12. Sept. ging er in einer Entfernung von 1,035 Erdbahnradius durch sein Perihel; aber noch in einem Abstand von 80 Mill. Meilen von der Sonne und mehr als 60 Mill. Meilen von der Erde konnte er, wenn auch ohne Schweif, gesehen werden. Letzterer erreichte eine Länge von 12-15 Mill. Meilen, breitete sich von der Sonne abgewandt aus und glich einem Beutel, in dem der Kern, einer feurigen Kugel ähnlich, nicht ganz bis zum Boden hinabreichte. Merkwürdig war ein dem K. vorangehender glänzender Bogen, der durch einen dunklern Raum von dem Kern getrennt war, und durch den noch Sterne 8. bis 9. Größe mit geschwächtem Licht hindurchschienen. Der Komet von 1680 gehörte insofern mit zu den merkwürdigsten aller bisher erschienenen, als er sich nicht nur durch die außerordentliche Länge seines Schweifs, die 80° betrug, sondern auch dadurch vor andern K. auszeichnete, daß er sich von der Sonne 17,700 Mill. Meilen entfernte, während in seiner Sonnennähe 17. Dez. sein Abstand von der Oberfläche der Sonne nur 32,000 Meilen betrug. Einer der größten K. des 19. Jahrh. ist der am 2. Juni 1858 von Donati zu Florenz entdeckte, welcher 10. Sept. dem unbewaffneten Auge sichtbar und nach seinem Entdecker benannt wurde (Fig. 7). Die größte Lichtstärke zeigten Kopf und Schweif in den letzten Tagen des Septembers und in den ersten des Oktobers. Der Schweif hatte 6., 7. und 8. Okt. seine größte Länge und war stets von der Sonne abgewandt. Nach der Berechnung v. Astens besitzt dieser Komet eine Umlaufszeit von 1879 Jahren. Vgl. Valentiner, Die K. und Meteore in allgemein faßlicher Form dargestellt (Leipz. 1884). Verzeichnisse aller berechneten K. geben: Olbers, Abhandlungen über die leichteste und bequemste Methode, die Bahn eines K. zu berechnen (3. Ausg. von Encke und Galle, Leipz. 1864; Nachträge dazu von Galle in den "Astronomischen Nachrichten", Bd. 112 u. 113); Carl, Repertorium der Kometenastronomie (Münch. 1864); Weiß im "Astronomischen Kalender" für 1887, S. 123 (Wien).

Kometenformen, s. Echinodermen, S. 290.

Kometenspiel (gelber Zwerg), Kartenspiel, welches unter 3-8 Personen mit Whistkarte gespielt wird. Bei dreien erhält jeder 15, bei vieren 12, bei fünfen 9, bei sechsen 8, bei sieben 7 und bei achten 6 Blätter, der Rest bleibt stets als unbenutzter Talon. Fünf Blätter (die sogen. "schönen Blätter") sind bevorzugt und müssen entweder auf eine Tafel gemalt oder, aus einem andern Spiel Karten entnommen, in die Mitte des Tisches gelegt werden. Dies sind die Karo-Sieben (der gelbe Zwerg), der Coeur-König, die Pik-Dame, der Treff-Bube und die Karo-Zehn. Auf diese Blätter setzt jeder vor Beginn des Spiels in der Reihe, wie sie aufgezählt wurden, 5, 4, 3, 2 und 1 Marke. Der König ist die höchste Karte, das As die niedrigste. Jedes Bild gilt 10, jede andre Karte nach Zahl ihrer Augen. Der Gang des Spiels ist einfach: auf jedes Blatt wird das nächst höhere gelegt, gleichviel von welcher Farbe, und jeder Spieler fährt mit dem Ablegen der Karte so lange fort, als er kann. Fehlt ihm ein Blatt, so kommt der Folgende an die Reihe. Wer alle Blätter zuerst los ist, hat gewonnen, und die andern zahlen ihm alle Augen, die sie noch in der Hand haben. Liegt ein zur Fortsetzung der Reihe nötiges Blatt im Talon, so kon-^[folgende Seite]