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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Koppelwirtschaft; Koppen; Köppen; Koppen der Pferde; Koppenbrügge; Kopra; Kopreinitz

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Koppelwirtschaft - Kopreinitz.

Ertrag ist verschieden je nach der Zahl der Koppeln und der Stellung der Weide in der Fruchtfolge, d. h. nach der Anzahl Jahre der Nutzung zu Körnergewinn nach der Düngung bis zur Kleegraseinsaat, je nach Boden, Nachdüngung, Feldbestellung etc. Im allgemeinen ist der Ertrag gleich dem der Kleefelder auf analogem Boden, wobei zu berücksichtigen ist, daß in der Regel erst vom zweiten Jahr an das Beweiden stattfindet, im ersten Jahr aber die Koppel zu Mäheklee dient. Man schätzt den Ertrag in Zentnern oder nach sogen. Kuhweiden, worunter der Futterbedarf für eine Kuh während der Weidezeit verstanden wird (120-180 Tage). Der Bedarf für andre Tiere wird ebenfalls in Kuhweiden ausgedrückt, resp. auf diese reduziert, z. B. ein Pferd gleich 1½ Kuhweide u. s. f. Abgemäht ist der Ertrag stets höher, weil das weidende Vieh einen Teil des Futters zerstört und der Dünger desselben nicht sofort zur Ertragssteigerung dienen kann. Im Gegensatz zu den Koppelweiden stehen die Fettweiden (dauerndes Grasland), die Angerweiden (auf freiem Feld), Saat-, Wald- etc. Weiden.

Koppelwirtschaft, s. Betriebssystem, S. 831.

Koppen, s. Kaulkopf.

Köppen, 1) Friedrich, Philosoph, geb. 21. April 1775 zu Lübeck, wurde 1804 Professor der Philosophie in Landshut, 1827 in Erlangen und starb daselbst 5. Sept. 1858. K. teilte im wesentlichen die philosophischen Ansichten Fr. H. Jacobis (s. d.). Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Darstellung des Wesens der Philosophie" (Nürnb. 1810); "Philosophie des Christentums" (Leipz. 1803-15, 2 Bde.; 2. Aufl. 1825); "Vertraute Briefe über Bücher und Welt" (das. 1820-23, 2 Bde.).

2) Peter von, russ. Geograph und Altertumsforscher, geb. 19. Febr. 1793 zu Charkow, besuchte die dortige Universität und trat 1814 zu Petersburg in den Staatsdienst, erhielt 1836 eine Stelle im Ministerium der Reichsdomänen, machte wiederholt Reisen zur Erforschung Rußlands in geographischer, ethnographischer und archäologischer Beziehung und zog sich 1860 auf sein Gut Karabagh in der Krim zurück, wo er 4. Juni 1864 starb. Als seine Hauptschriften sind, außer verschiedenen Abhandlungen in den "Mémoires" der Petersburger Akademie, meist ethnographischen Inhalts, und andern Zeitschriften, anzuführen: "Nordgestade des Pontus" (Wien 1823); "Materialien zur Kulturgeschichte Rußlands" (1825); "Geschichte des Weinbaues und Weinhandels in Rußland" (Petersb. 1832); "Krimsche Sammlungen" (russ., das. 1837); "Taurica" (das. 1840); "Über die Deutschen im Petersburger Gouvernement" (das. 1850); "Statistische Reise in das Land der Donischen Kosaken" (das. 1852); "Areal- und Bevölkerungsverhältnisse Rußlands" (das. 1859); "Die vorzüglichsten Seen und Flußmündungen Rußlands" (das. 1860). Auch gab er eine "Ethnographische Karte des europäischen Rußland" (Petersb. 1851, 4 Blatt) heraus.

3) Karl Friedrich Albert, bedeutender Pandektist, geb. 17. Dez. 1822 zu Goldberg in Mecklenburg-Schwerin, studierte seit 1842 in Berlin die Rechte und trat 1847 in den preußischen Justizdienst, aus welchem er 1849 ausschied, um sich der akademischen Laufbahn zu widmen. Er las an der Berliner Universität erst privatissime, habilitierte sich 1853 als Privatdozent für römisches Recht in Jena und wurde hier 1856 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1857 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor nach Marburg, 1864 nach Würzburg, 1872 an die neue Reichsuniversität in Straßburg. Er schrieb: "Die Erbschaft" (Berl. 1856); "System des heutigen römischen Erbrechts" (Jena 1862-64); "System des heutigen römischen Erbrechts im Grundriß" (Würzb. 1867); "Der obligatorische Vertrag unter Abwesenden" (Jena 1871); "Der Fruchterwerb des bonae fidei possessor" (das. 1872); "Grundriß zu Vorlesungen über die Institutionen und Geschichte des römischen Privatrechts" (Straßb. 1879).

Koppenbrügge (Coppenbrügge), Marktflecken im preuß. Regierungsbezirk Hannover, Kreis Hameln, an der Linie Elze-Löhne der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Steinkohlenbergbau und (1885) 1304 meist evang. Einwohner.

Koppen der Pferde (Köcken, Bölken, Aufsetzen, Barrendrücken, Krippensetzen, Luftschlucken), eine Art Rülpsen, welches viele Pferde willkürlich, aber mit bald mehr, bald weniger Anstrengung bewirken. Sie drücken dabei meist die Schneidezähne auf einen Gegenstand, z. B. auf den Rand der Krippe, auf Sprossen der Raufe, auf die Deichsel, die Ketten etc., fest auf, strecken zuerst und beugen dann den Hals, halten auf einen kurzen Moment den Atem an, ziehen dann die Bauchmuskeln zusammen und lassen ein rülpsendes Geräusch durch das geöffnete Maul hören, wobei jedoch keine Luft ausgestoßen, sondern Luft verschluckt wird. Das K. ist eine üble Gewohnheit, welche im Handel und Verkehr allgemein als ein Mangel von Erheblichkeit angesehen wird. In den höhern Graden verschlucken die Pferde beim Koppen so viel atmosphärische Luft, daß die Eingeweide stark auftreiben und die Tiere an heftiger Kolik (Luftkolik) erkranken. Eine solche Kolik ist stets lebensgefährlich, wenn sie auch bei zeitiger Behandlung (anhaltendem Herumführen) häufig wieder nachläßt. Zuweilen leiden die mit dem Koppen behafteten Pferde an schlechter Verdauung. Oft wird aber, abgesehen von dem Umstand, daß die betreffenden Pferde beim Koppen viel Kurzfutter verstreuen, daß das rülpsende Geräusch für manche Personen sehr unangenehm ist, ein weiterer Nachteil nicht beobachtet. Die Erkennung des Koppens ist bei längerer und ruhiger Beobachtung der betreffenden Pferde im Stalle leicht, sonst aber in der Regel unmöglich, da charakteristische krankhafte Veränderungen, namentlich auch an den Zähnen, fehlen, indem diese bei koppenden Pferden öfters ganz normal erscheinen, bei andern Pferden hingegen stark beschädigt sein können. Zur Verhütung des Übels dient hauptsächlich tägliche fleißige Bewegung, besonders bei jungen Pferden Vermeidung des langen Müßigstehens im Stall. Die gänzliche Beseitigung des Koppens gelingt höchst selten. Zuerst ist die Gelegenheit zum Aufsetzen der Zähne zu beseitigen und zu diesem Zweck das kurze und hohe Anbinden des Kopfes, das Umkehren des Tiers im Stande, mit dem Kopfe von der Krippe entfernt, und das Füttern aus einem sogen. Freßbeutel zu empfehlen. Fruchtet dies nicht, so muß das Tier bei dem Koppen so oft als möglich mit der Peitsche bestraft werden, oder es muß einen Kopperriemen um den Hals gelegt erhalten. Das K. wird als ein Gewährsmangel betrachtet, und die Gewährszeit ist für denselben in einzelnen deutschen Staaten auf 5-9 Tage festgesetzt.

Kopra (Kopperah), getrocknete Kerne der Kokosnüsse, werden in Europa auf Kokosöl verarbeitet. Die Preßrückstände dienen als Viehfutter. Ceylon exportiert durchschnittlich im Jahr 110,000, Tahiti 80,000, Samoa 60,000, Singapur 80,000 Ztr. K.

Kopreinitz (kroat. Koprivnica, ung. Koproncza), alte königliche Freistadt im kroat. Komitat Warasdin, an der Zákány-Agramer Bahnlinie, mit festem Schloß,