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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Korinth

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Korinth.

v. Chr., berühmt als Lehrerin Pindars, den sie fünfmal im poetischen Wettkampf besiegt haben soll. Von ihren im böotischen Dialekt abgefaßten Liedern sind nur dürftige Fragmente erhalten (abgedruckt in Bergks "Poetae lyrici graeci"). Vgl. Welcker, Kleine Schriften, Bd. 2 (Bonn 1845).

Korinth (Korinthos), im Altertum berühmte Stadt im Peloponnes, Hauptort der Landschaft Korinthia, welche die nordöstlichste Ecke von Argolis umfaßte und durch den zu ihr gehörigen, 5915 m breiten und 80 m hohen, sehr felsigen Isthmus von K. den Peloponnes mit dem griechischen Festland verband (s. unten). Die Stadt lag unter dem steilen Nordabfall des Bergs, auf dem ihre Burg (Akrokorinth) stand, hatte drei Häfen (Lechäon am Korinthischen Busen, mit K. durch 12 Stadien lange Schenkelmauern verbunden, Kenchreä und Schönos am Saronischen Busen) und war die Pforte zum Peloponnes, daher von großer strategischer Wichtigkeit. An die Phöniker, welche sich hier frühzeitig niedergelassen hatten, erinnerten mannigfache Anklänge in Mythe und Kultus; so wurden hier Melikertes (Melkart) und Aphrodite verehrt, letztere mit ausschweifendem Dienst. Auch Poseidon und andre Meergottheiten standen in der See- und Handelsstadt in besonderm Ansehen. Dieser Götterdienst gab schon in alter Zeit Veranlassung zur Ausübung und Ausbildung mannigfacher Künste, und die Korinther zeichneten sich dabei durch Erfindungsgeist, Schönheitssinn und Kunstfertigkeit aus und suchten einen Ruhm darin, in dem Schmuck ihrer Stadt und ihrer Tempel das übrige Griechenland zu überbieten. Ihre reichsten und geschmücktesten Formen verdankt die Baukunst den Korinthern. Die Kunstweberei und Färberei, die Bearbeitung des Erzes, die Töpferei und Thonplastik standen in K. in besonderer Blüte; in der Malerei werden Korinther, wie Ardikes, Kleophantos, Kleanthes, als die Anfänger und Ausbildner der Kunst genannt. Auch der Dithyrambos fand hier durch Arion seine erste Ausbildung. Später jedoch blieb die geistige Kultur hinter der Ausbildung und Pflege des Materiellen zurück; in der Litteratur hat sich kein Korinther hervorgethan. Dagegen hat K. weise Staatsmänner hervorgebracht, wie Periandros, Phidon, Philolaos, den Gesetzgeber der Thebaner, und Timoleon; auch lebte hier Diogenes. Gewerbthätigkeit, Handel und Schiffahrt nahmen hauptsächlich die Thätigkeit der Korinther in Anspruch. Die Lage zwischen zwei Meeren, die Schwierigkeit, den Peloponnes zu umschiffen, die Leichtigkeit dagegen, Waren über den Isthmus zu schaffen, hatten K. schon sehr früh zu einem großen Markt- und Stapelplatz gemacht; insbesondere war es der Mittelpunkt des gesamten Verkehrs mit griechischen, italienischen, illyrischen und asiatischen Handelsartikeln. Was K. an eignen Produkten ausführte, waren meist Kunsterzeugnisse: Thon- und Erzwaren, Statuen, Gemälde etc. Zur Zeit ihrer höchsten Blüte soll die Stadt 300,000 (?) Einw. gehabt haben; die Zahl ihrer Sklaven, die auf der Flotte und in den überseeischen Kolonien inbegriffen, betrug über eine halbe Million. Doch war nur die herrschende Klasse dorischen Stammes, das weit zahlreichere nichtdorische Volk gab den dort sich aufwerfenden Tyrannen stets eine sichere Stütze ab. Das beste Zeugnis von der frühern Blüte Korinths sind die zahlreichen Kolonien, welche diese Stadt angelegt hat: Syrakus, Molykreia, Solion in Akarnanien, Ambrakia, Anaktorion, Leukas, Kerkyra, Epidamnos, Apollonia und später Potidäa in Chalkidike. Die meisten Heiligtümer und Götterbilder Korinths, von welchen nur dürftige Reste erhalten sind, standen an der Agora; die Mitte derselben nahm eine Erzstatue der Athene ein. Nordwestlich davon war ein römisches Amphitheater. Gegen das sikyonische Thor zu standen ein Apollontempel, das Odeon und das Grabmal der Kinder der Medea; nicht weit davon der Tempel der Athene Chalinitis (von welchem noch sieben dorische Säulen stehen), das Theater und das alte Gymnasium bei der Quelle Lerna, im Cypressenhain Kranion, wo Diogenes meist zu finden war. Zur Burg (Akrokorinth), auf steilem, 575 m hohem Felsen gelegen, führte ein 30 Stadien (5½ km) langer Weg, dessen Seiten mehrere Tempel, Altäre und Bildsäulen schmückten. Oben auf ihr glänzte der Tempel der Aphrodite mit der Bildsäule der Göttin. Akrokorinth, durch die Quelle Pirene reichlich mit Wasser versorgt, ist wegen der hohen, schwer zugänglichen Lage bis in die Neuzeit eine wichtige Festung gewesen, befindet sich gegenwärtig aber im Verfall. Am Fuß des Bergs liegt die kleine Paulskirche, an der Stelle erbaut, wo der Apostel das Christentum gepredigt haben soll.

Die Geschichte Korinths verliert sich in die Sagenwelt. Schon um 1350 v. Chr. soll die Stadt (Ephyra) durch den Äoliden Sisyphos gegründet worden sein, dessen Nachkommen das Land beherrschten, bis der Heraklide Aletes mit den Doriern K. einnahm und die Herrschaft der Äolier stürzte (1074). Die eingewanderten Dorier bildeten nun auch hier den Adel des neuen Staats, und unter demselben nahmen die Bakchiaden, die Nachkommen des Königs Bakchis, die vornehmste Stelle ein und begründeten auch nach dem Sturz des Königtums 748 eine oligarchische Herrschaft von 200 Familien, aus denen jedes Jahr ein Prytan erwählt wurde. Diese Oligarchie wurde 657 von Kypselos gestürzt, dem 629 sein Sohn Periandros (629-585) folgte. Beide haben viel zu Korinths Glanz und Größe beigetragen. Der Handel der günstig an zwei Meeren gelegenen Stadt hob sich; Kerkyra wurde kolonisiert und unterworfen, der Bau von Trieren begonnen, die Töpferscheibe erfunden, Gewerbe und Kunsthandwerk eifrig gepflegt und zu hoher Blüte gebracht. 582 wurden Periandros' Neffe Psammetich gestürzt, und nun wurde die alte dorische Verfassung wiederhergestellt. In frühern Zeiten mit Athen verbündet und befreundet, hielt sich K. nach den Perserkriegen, eifersüchtig auf Athens aufblühenden Handel und gewaltige Seemacht, zu dem Bündnis der dorischen Staaten. Nachdem es bereits 458 einen erfolglosen Krieg gegen Athen begonnen, hetzte es, gereizt durch die Einmischung der Athener in seine Beziehungen zu seinen Kolonien, die Peloponnesier 431 zu dem Beginn des großen Kriegs, der mit der Besiegung Athens endete, K. aber nicht den gehofften Gewinn brachte, der erste Seestaat von Hellas zu sein. Es verband sich daher 395 mit Athen, Theben und Argos zu einer Schilderhebung gegen die spartanische Gewaltherrschaft, und es entspann sich daraus der sogen. Korinthische Krieg (s. d.), welcher besonders in der Nähe von K. spielte. Aber auch dieser verschaffte K. nicht die gewünschte unabhängige Macht. 366 bemächtigte sich Timophanes der Alleinherrschaft, wurde aber von seinem Bruder Timoleon gestürzt und ermordet. In K. wurden 338 und 336 die Versammlungen der Hellenen abgehalten, auf denen die Könige Philipp und Alexander zu Heerführern gegen Persien ernannt wurden. Unter der makedonischen Herrschaft war K. und seine Burg, eine der Fesseln Griechenlands, stets von einer starken Garnison besetzt. 243 schloß sich K.