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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kosmologischer Beweis etc. - Kossuth.

innern Beschauung oder auch durch die Gunst überirdischer Mächte vermeintliche Aufschlüsse zur Kenntnis des innern Zusammenhanges des großen Weltganzen zu erlangen. Kosmische Verhältnisse nennt man die (in Meteorologie, Geologie etc. vielfach eingreifenden) Verhältnisse der Erde und ihrer Bewohner zur Natur im großen und ganzen, zu den allgemeinen, das ganze Weltall durchwaltenden Kräften der Schwere, des Lichts, des Magnetismus und der Elektrizität, ferner zu den übrigen Weltkörpern, zu Sonne, Planeten, Trabanten, im Gegensatz zu den tellurischen (die Erde allein oder doch in vorwiegender Weise berührenden) Verhältnissen. Kosmische Physik hat Joh. Müller den Teil der Physik genannt, der sich auf diese kosmischen Verhältnisse bezieht. Vgl. Sonnenschmidt, K., Geschichte und Entwickelung des Weltbaues (2. Aufl., Köln 1879).

Kosmologischer Beweis für das Dasein Gottes, s. Gott, S. 563.

Kosmonomie (griech.), s. Kosmologie.

Kosmopolitismus (griech.), Weltbürgertum, Weltbürgersinn, das auf das Wohl der gesamten Menschheit gerichtete ideale Streben; daher Kosmopolit, s. v. w. Weltbürger, Bezeichnung für denjenigen, welcher nicht nur, wie der Patriot, das Wohl seines Vaterlandes, sondern das der gesamten Menschheit im Auge hat; kosmopolitisch, weltbürgerlich, in Bezug auf Fauna und Flora s. v. w. in allen Zonen gedeihend und verbreitet.

Kosmorama (griech.), s. Panorama.

Kosmos (griech.), ursprünglich s. v. w. Schmuck, Ordnung, dann die geordnete Welt, Weltordnung, Weltall (s. Welt); auch Titel des letzten großen Werkes von A. v. Humboldt (s. d.).

Kosmosophie (griech.), s. Kosmologie.

Kosmotheismus (griech.), Lehre, welche Gott und Welt für Eins erklärt, also s. v. w. Pantheismus.

Kossäer (Kussäer), im Altertum räuberisches Bergvolk im nördlichen Susiana, gefürchtet als Bogenschützen, denen die persischen Könige Tribut zahlten, um Ruhe vor ihnen zu haben. Erst Alexander bezwang sie im Winter 324-323 v. Chr. Nach ihnen nannten die Griechen ganz Susiana Kyssia.

Kossak, Karl Ludwig Ernst, geistvoller Feuilletonist und Kritiker, geb. 4. Aug. 1814 zu Marienwerder, studierte in Berlin Philologie und Geschichte, bildete sich daneben zum Pianisten und theoretischen Musiker und lebte seitdem in Berlin schriftstellerisch beschäftigt, wo er 3. Jan. 1880 starb. Anfangs vorzugsweise als Mitarbeiter an musikalischen Zeitungen thätig, gründete er 1847 ein eignes Journal, die "Zeitungshalle", worin er, nach dem Muster französischer Zeitungen, zuerst in Deutschland das Feuilleton einführte und eine sehr einflußreiche Kritik ausübte. An die Stelle der "Zeitungshalle" trat später die "Feuerspritze" und endlich die "Montagspost", die bis 1869 bestand. Später war K. als Feuilletonist andrer Blätter, namentlich der "Post", thätig. Sammlungen seiner Feuilletonartikel über das Berliner Leben erschienen unter den Titeln: "Berlin und die Berliner" (Berl. 1851), "Humoresken" (das. 1852, 2. Aufl. 1859), "Berliner Silhouetten" (das. 1859) und "Berliner Federzeichnungen" (das. 1859-65, 6 Bde.; neue Ausg. 1875). Treffliche Schilderungen der Fremde enthalten die "Pariser Stereoskopen" (Berl. 1855), das "Wanderbuch eines litterarischen Handwerksburschen" (das. 1856, 2. Aufl. 1858), die "Historietten" (2. Aufl., das. 1859), die "Schweizerfahrten" (Leipz. 1857), die "Badebilder" (das. 1858) und die "Reisehumoresken" (das. 1862, 2 Bde.) Nach des Malers E. Hildebrandt Tagebüchern und mündlichen Berichten gab er dessen "Reise um die Welt" (Berl. 1867, 3 Bde.; 7. Aufl. 1882) heraus. Vgl. Rutari, Ernst K. (Berl. 1883).

Kossäte (Kossate), s. Kate.

Kössein, ein 942 m hoher Gipfel in der südwestlichen Kette des Fichtelgebirges, südlich von Wunsiedel, wegen seiner herrlichen Aussicht vielbesucht.

Kössener Schichten, s. Rätische Formation.

Kossinier, Sensenmänner, s. Kriegssense.

Kossir, Ort in Ägypten am Roten Meer, östlich von Keneh, ehemals wichtig als Ausfuhrhafen für Korn und als Pilgerstation, seit der Eröffnung der Eisenbahn nach Suez ganz heruntergekommen, zählt heute nur 1200 Einw. K. ist Sitz eines Gouverneurs für das Gouvernement K., eines Quarantäne- und Telegraphenamtes und hat eine von Napoleon I. erbaute, jetzt verfallene Citadelle. Die Reede ist unsicher, das brackige Trinkwasser wird in Schläuchen aus den Bergen geholt. Nördlich davon Alt-K. mit den Resten des zur Ptolemäerzeit berühmten Hafenplatzes Leukos Limen, jetzt durch Korallen fast unzugänglich.

Kosso (Kousso), s. Brayera.

Kossogol, großer Gebirgssee in der Mongolei, 1683 m ü. M., im SO. des Sajangebirges, nahe der russischen Grenze, ist 130 km lang, 30-48 km breit und hat ein Areal von 3300 qkm. In der Mitte liegt die den Buddhisten heilige Insel Dalai Kui. Durch den Eke fließt der K. zur Selenga ab.

Kossovo, Name eines seit Anfang 1877 bestehenden türk. Wilajets, welches nördlich an Bulgarien und Serbien grenzt und die Sandschaks (Liwas) Üschküb, Novipasar und Ipek umfaßt, d. h. Teile der frühern Provinzen Bosnien, Donau-Wilajet, Skutari und Salonichi. Die Bevölkerung, deren männlicher Teil 1879 (als noch die Liwas Prisrend und Dibre zu K. gehörten) offiziell auf 539,827 Seelen angegeben wurde, ist vorwiegend albanesisch; im N. finden sich Serben, im O. Bulgaren, in den größern Städten Türken.

Kossowo-Polje, s. Amselfeld.

Kossuth (spr. kóschschut), Ludwig (Lájos), Führer der ungarischen Revolution von 1849, geb. 16. Sept. 1802 zu Monok im Komitat Zemplin aus einer armen adligen Familie slowakischer Abstammung und evangelischer Religion, wurde in Tyrnau und Eperies erzogen, studierte von 1824 ab in Pest die Rechte, war eine Zeitlang Fiskal der Gräfin Szapáry, siedelte 1831 wieder nach Pest über und wurde Vertreter eines Magnaten im Reichstag. Daneben redigierte er eine durch Abschriften vervielfältigte "Landtagszeitung". Als er diese trotz Verbots weitererscheinen ließ, ließ die Regierung ihn 1837 verhaften, und die Septemviraltafel verurteilte ihn 1839 zu einer vierjährigen Festungsstrafe, die er auf der Festung Munkács verbüßte. Doch die Amnestie vom 29. April 1840 gab ihm die Freiheit wieder, und er übernahm nun 1841 die Redaktion des "Pesti Hirlap", in welchem er den Hof und seine Anhänger mit rücksichtsloser Kühnheit angriff, die nationalen Rechte mit Eifer verteidigte und die populären Wünsche und Forderungen mit hinreißendem Feuer und prunkvoller Sprache vortrug. Seine Zeitung war bald die gelesenste in ganz Ungarn, und der Widerspruch bedeutender Politiker, wie Dessewffy und Széchényi, steigerte nur das Ansehen Kossuths. Nachdem er 1844 infolge eines Zerwürfnisses mit den Verlegern von der Redaktion des "Pesti Hirlap" zurückgetreten war, beteiligte er sich an verschiedenen