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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Krepidoma - Krestowskij.

mischt sich mit Alkohol und Äther, siedet bei 200-210°, brennt mit leuchtender, rußender Flamme, bräunt sich an der Luft, bringt Eiweiß zum Gerinnen, wirkt fäulniswidrig und löst sich in Kalilauge. Es besteht aus verschiedenen Phenolen und ihren Äthern, hauptsächlich aus Kreosol C8H10O2 ^[C_{8}H_{10}O_{2}] und Phlorol C6H10O ^[C_{6}H_{10}O]. Es wirkt stark ätzend auf die Haut, erzeugt auf der Zunge einen weißen Fleck und dann tiefere Zerstörung der Gewebe; innerlich verursacht es heftige Entzündung und in größern Dosen den Tod. Man benutzt es bei habituellem Erbrechen, Durchfällen, Magenleiden, Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diabetes, Eingeweidewürmern etc., äußerlich als ätzendes, fäulniswidriges, desinfizierendes Mittel, bei Geschwüren, Krebs, brandiger Mundentzündung, kariösen Zähnen etc. Das Kreosotwasser enthält 1 Proz. K. Einem Gehalt an K. verdankt der Holzrauch seine konservierenden Eigenschaften. Im Handel kommt K. vor, welches nur aus Karbolsäure (Phenol) C6H6O ^[C_{6}H_{6}O] und Kreosol C7H8O ^[C_{7}H_{8}O] besteht, und in der Paraffinindustrie versteht man unter K. ein Gemisch von Phenolen, welche dem Teeröl durch Ätznatronlauge entzogen werden. Aus der so erhaltenen Lösung von Kreosotnatron scheidet Schwefelsäure das K. ab. Man bringt die Lösung aber auch zur Trockne und verarbeitet das Kreosotnatron durch trockne Destillation auf Leuchtgas (Kreosotgas). Als Rückstand bleiben dann natronreiche Koks (Natronkoks) übrig, denen man das Natron durch Wasser entziehen kann. Steinkohlenkreosot ist gereinigte wasserhaltige Karbolsäure.

Krepidoma, Stufenunterbau des griechischen Tempels, s. Tempel.

Krepieren (ital.), bersten, zerspringen (z. B. von Hohlgeschossen); auch elend umkommen, sterben, verenden (vom Vieh).

Krepitation (lat.), das Geräusch, welches beim Bewegen eines zerbrochenen Knochens entsteht, sicherstes Zeichen des Knochenbruchs; auch das Knistern beim Druck aus mit Luft gefülltes Zellgewebe, wie bei Brand u. dgl.

Krepon, s. Krepp.

Krepost (Krepostj, russ.), s. v. w. Festung.

Krepp (Crêpe, auch Kreppflor, Flor genannt), ursprünglich aus ungekochter Seide, jetzt auch aus Baumwollgarn locker gewebter, gazeartiger Stoff, dessen Kette und Schuß aus gleicher, zweifädig filierter, teils rechts-, teils linksgezwirnter Seide bestehen. In der Kette liegt abwechselnd ein rechts- und ein linksgezwirnter Faden, während im Schuß zwei rechtsgezwirnte Fäden mit zwei linksgezwirnten abwechseln. Dieser Stoff wird bei der Zurichtung mit warmem Wasser befeuchtet und mit der behaarten Seite eines Kalb- oder Seehundfelles aufwärts gestrichen. Hierbei nehmen die Fäden eine unregelmäßige Kräuselung an, und der ganze Stoff erhält ein eigentümliches krauses Ansehen, welches sich auch durch das Färben nicht verliert. Man benutzt den K. meist schwarz zu Trauerkleidern, aber auch weiß und farbig zu andern Damenkleidern. Krepon (K.) ist ein dichteres wollenes Gewebe aus stark gedrehtem Kammgarn in der Kette und loserm im Schuß; diesen Stoff wickelt man nach dem Färben auf eine Walze und kocht ihn in Wasser, wobei die Fäden ungleich einlaufen und ebenfalls eine Kräuselung entsteht. Unter demselben Namen kommt auch ein seidener Stoff vor, bei welchem auf geripptem Grosgrund atlasartige Figuren sich befinden. Der Schußfaden ist dann aus einem dicken und einem dünnen Faden gezwirnt, von welchen ersterer in ziemlich weiten Schraubengängen um den letztern herumliegt und so ein kreppartiges Ansehen des Gewebes hervorbringt.

Kreppbilder, auf weißer Seide mit aus Krepp gezogenen feinen seidenen Fäden gestickte Bilder.

Krepuskulār (lat.), dämmerlich, die Dämmerung betreffend.

Kresĭlas, griech. Bildhauer aus Kydonia, in Athen zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs thätig. Er bildete unter anderm eine Statue des Perikles, worauf die noch hier und da erhaltenen Porträtbüsten zurückzugehen scheinen, ferner einen sterbenden Verwundeten und in Konkurrenz mit Pheidias und Polyklet eine verwundete Amazone für Ephesos. Wahrscheinlich ist das Motiv der letztern in den mehrfach vorkommenden Wiederholungen einer verwundeten Amazone erhalten.

Kresōl (Kresylalkohol, Kresylsäure, Monoxutoluol ^[richtig: Monoxytoluol]) C7H8O ^[C_{7}H_{8}O] findet sich im Steinkohlenteer und entsteht auch beim Schmelzen von Toluolsulfosäure mit Ätzkali. K. bildet farblose Kristalle, riecht wie Phenylalkohol (Karbolsäure) C6H6O ^[C_{6}H_{6}O], harnartig, ist kaum löslich in Wasser, leicht in Alkohol und Äther, schmilzt leicht, ist flüchtig und verhält sich in allen Reaktionen dem Phenylalkohol sehr ähnlich. Man unterscheidet drei homologe Kresole, Ortho-, Para- und Metakresol, von denen nur die beiden ersten im Steinkohlenteer vorkommen, das dritte aus Thymol erhalten wird, flüssig ist und bei -80° noch nicht erstarrt. Behandelt man Parakresol mit konzentrierter Salpetersäure oder Paratoluidin mit salpetriger Säure, so erhält man Dinitrokresol C7H6(NO2)2O ^[C_{7}H_{6}(NO_{2})_{2}O] in gelben, bei 84° schmelzenden Kristallen. Die Natriumverbindung desselben ist als Viktoriagelb oder Anilinorange im Handel und wird zum Färben benutzt. Das Trinitrokresol entspricht der Pikrinsäure, wird wie diese erhalten, ist aber viel schwerer löslich.

Kresphontes, s. Herakliden.

Kresse, Pflanzengattung, s. Lepidium; spanische oder türkische K., s. Tropaeolum.

Kreßling (Greßling), s. v. w. Äsche u. Gründling.

Krest (russ.), Kreuz, kommt oft in geographischen Namen vor (z. B. Krestowaja gora, "Kreuzberg").

Krestjanin (russ., "Christ"), zur Zeit der Tatarenherrschaft aufgekommene Bezeichnung für Bauer oder Ackerbauer, weil die große Masse der Russen Christen und Bauern waren.

Krestowskij, 1) Wsewolod Wladimirowitsch, russ. Schriftsteller, besonders bekannt als Verfasser des Sittenromans "Petersburger Geheimnisse", geb. 11. Febr. (alten Stils) 1820 auf einem Gut im Gouvernement Kiew, bezog nach beendigtem Gymnasialkursus die Petersburger Universität, um Philologie und Geschichte zu studieren, verließ dieselbe jedoch, ohne seine Studien zu vollenden, und trat 1868 als Junker in das 14. Ulanenregiment. Da er sich bereits durch schriftstellerische Arbeiten bekannt gemacht, ward er beauftragt, die "Geschichte des Jamburgschen Ulanenregiments" zu schreiben, und entledigte sich dieser Aufgabe so ruhmvoll, daß er zur Belohnung vom Kaiser in das Leibgarde-Ulanenregiment versetzt ward. 1877 machte er als offizieller Historiograph den russisch-türkischen Krieg mit. Später wurde er Sekretär des Kommandeurs der Eskadre des Admirals Lessowski im Stillen Ozean. K. hat eine ganze Reihe größerer Romane und kleinerer Erzählungen geschrieben, von denen wir nächst den oben genannten "Petersburger Geheimnissen" (1864-67), welche die schaurige Nachtseite der Hauptstadt schildern und großes Aufsehen machten, noch anführen: